Stand: 20.04.2017 15:00 Uhr

Auf der Suche nach dem perfekten Klang

Was sind schon 100 Tage Elbphilharmonie-Betrieb nach mehr als einem Jahrzehnt Bauzeit? Doch die "Elphi" hat es in dieser kurzen Zeit trotzdem geschafft, Deutschlands Faible für Klang und Töne zu verändern. 

Eine Glosse

Kommen zwei Damen aus dem Konzert. Sagt die eine: "Na, Hamburg oder Berlin?" Die andere: "München ist aber auch nicht schlecht." Früher wäre das nur Kauderwelsch gewesen, das unverständliche Geplauder zweier Damen der Kultur-Schickeria. Heute sind das Fragen, über die ganz Deutschland hingebungsvoll diskutiert.

Welcher Konzertsaal ist der beste? Die "Elphi" oder der neue Pierre Boulez Saal in Berlin? Oder vielleicht doch der bislang so oft geschmähte Münchner Gasteig? Da wird gefachsimpelt über die Wärme des Klangs, über den perfekten Nachhall des Orchesters, ob ein Weinberg-Saal besser klingt als der traditionelle Schuhkarton des  Wiener Musikvereins.

"Unser Konzertsaal ist der beste"

Früher fieberte eine Stadt mit beim Aufstiegskampf des örtlichen Fußball-Clubs. Da hing das Ranking davon ab, ob die städtische Mannschaft bei "Spiel ohne Grenzen" die Gegner von der mit Schmierseife eingeseiften Planke ins Wasser schubsen kann. Heute ist es die Akustik des Konzertsaals.

Die Elbphilharmonie hat in diesem Wettkampf die Rolle der Stimmgabel. Sie gibt den Kammerton vor. Klingt der Berliner Pierre Boulez Saal wärmer? Oder ist die Akustik der frisch renovierten Lübecker Musikhalle wirklich besser, wie es die Architekten der MuK vollmundig behaupten? Jede Stadt ist überzeugt: Unser Konzertsaal ist der beste. Das ist Regionalpatriotismus 2017.

Wir sind alle Chef-Akustiker

Logo von NDR Info und das Gesicht einer Frau © f1online

Die "Elphi" klingt einfach am besten

NDR Info - Auf ein Wort -

Vor 100 Tagen wurde die Hamburger Elbphilharmonie eröffnet. Schon in dieser kurzen Zeit hat sie Deutschland verändert. Joachim Hagen bittet in seiner Glosse auf ein Wort.

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Auslöser dieser Begeisterung für den perfekten Klang ist der japanische Chef-Akustiker Yasuhisa Toyota. Er hat den großen Konzertsaal der Elbphilharmonie entworfen. Toyota hat dafür gesorgt, dass keine Gipsplatte der sogenannten weißen Haut aussieht wie die andere. Und er hat mit seinen rätselhaften Interviews vor der Eröffnung die Spannung bis ins fast Unerträgliche gesteigert. Berühmt ist sein legendärer Whisky-Vergleich: Mit der Akustik sei es ähnlich wie mit dem Whisky. Kein Experte könne erklären, warum der eine schmecke und der andere nicht.

Nicht nur selbsternannte Whisky-Experten fühlten sich dadurch herausgefordert, die Elphi selbst zu testen. Früher, da waren wir alle Papst, seit der Eröffnung der Elbphilharmonie sind wir Chef-Akustiker.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 20.04.2017 | 18:25 Uhr

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