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Der Letzte macht das Licht aus

von Harald Ganswindt

Ein Fest der Zerstörung haben Christian von Richthofen und Rolf Claussen am letzten Samstag im Dezember im Pavillon in Hannover zelebriert. Zum letzten Mal - denn die beiden Auto-Trommler kündigten an aufzuhören. Ihre spektakuläre Schau "Auto!Auto!", in deren Mittelpunkt ein mit zahlreichen unsichtbaren Mikrofonen ausgestatteter Opel Kadett steht, ist demnach Geschichte. Und eben diese haben sie nun zum letzten Mal erzählt. 

Rolf Claussen (li.) und Christian von Richthofen mit ihrer Schau "Auto!Auto".  Rolf Claussen (li.) und Christian von Richthofen schlagen den Opel Kadett auf der Bühne kurz und klein.

Mit ihrer Schau waren die beiden über Jahre durch die ganze Welt getourt. Sie gastierten in Frankreich, Belgien, Holland, England, der Schweiz und in Österreich, Korea und Singapur. Acht Mal waren sie dabei auch auf der Bühne des Veranstaltungszentrums in der Landeshauptstadt zu Gast. Am 29. Dezember 2012 fand nicht nur die dramatisch aufgeladene Auto-Schau ihr Ende, sondern auch der Veranstaltungsort selbst: Wegen umfangreicher Sanierungsarbeiten schließt der Veranstaltungsbereich des Pavillons für ein Jahr.

Symphonie mit dem Vorschlaghammer  

Christian von Richthofen mit seiner Schau "Auto!Auto".  Detailansicht des Bildes Die Schau arbeitet mit viel Schall und viel Rauch. Wie immer fängt bei "Auto!Auto!" auf der Bühne alles ganz harmlos an: mit einem fast besinnlichen Vortrag in "Kadett Moll" - wie immer endet das Ganze in einer herrlich überzogenen Symphonie mit Vorschlaghammer und Axt. Von Richthofen brilliert noch immer mit seiner Stimmakrobatik, bereichert durch den Wortwitz seines Compagnon. Die beiden sind so vieles in einem: Sänger, Entertainer, Satiriker, Tänzer, Schauspieler und natürlich Percussionisten. Ihr Lieblingsinstrument ist der Opel Kadett, der "Steinway" unter den fahrbaren Instrumenten. Auf ihm wird gescratcht, getrommelt und getanzt, der Wagen wird durchgerüttelt, geschlagen, zertrümmert und am Ende mit der Flex bearbeitet.

Ausgerechnet das Finale droht an diesem Abend zu misslingen: Die Flex will einfach nicht anspringen - Kabelbruch. Gekonnt improvisiert Rolf Claussen seinen großen Auftritt mit dem Funkenflug und erntet auch dafür großen Applaus.  

Wenig Überraschendes

Viel Neues haben die Künstler zu ihrer letzten Vorstellung nicht mehr auf die Bühne gebracht. Wer sie vor zwei Jahren hier schon einmal gesehen hat, wurde nicht überrascht. Dennoch: Das Publikum ließ sich auch dieses Mal mitreißen von den dramatischen Grooves der Zerstörung und den humorvollen Kommentaren der beiden Stars.

"AutoAuto!" nahm seinen konzertanten Anfang bereits im Jahr 2000. Neben Christian von Richthofen agierten in deutlich mehr als 1.000 Shows als Duo-Partner schon Stefan Gwildis, Rolf Claussen und Leo Lazar.

Pavillon wird grundsaniert

Christian von Richthofen rammt mit einem Vorschlaghammer Löcher in eine Tür vom Pavillon in Hannover.  Detailansicht des Bildes Christian von Richthofen rammt mit einem Vorschlaghammer Löcher in eine Tür vom Pavillon in Hannover. Zum Schluss bedankte sich das Duo im Konfetti-Regen beim Publikum für die Treue über all die Jahre und beim Veranstalter Pavillon. Ihm widmeten von Richthofen und Claussen ein Nachspiel im Foyer - mit einem Gedicht und natürlich dem Vorschlaghammer. Vor den Augen des versammelten Publikums rammte von Richthofen mit sichtbarer Freude große Löcher in eine Durchgangstür zum benachbarten Café "Mezzo" und machte damit den Weg frei für einen Neuanfang. Dem Pavillon wünschte er alles Gute für die Zukunft. Für 12,6 Millionen Euro solle das Gebäude nun grundsaniert werden, erklärt Pavillon-Chef Christoph Sure. Sicherheitstechnisch und energetisch erfülle es einfach nicht mehr den notwendigen Standard. Im Jahr 2014 soll es dann weitergehen: "Auto!Auto!" steht dann nicht mehr auf dem Spielplan - irgendwie schade.

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Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: http://www.ndr.de/kultur/autoauto111.html
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