Stand: 19.06.2015 15:34 Uhr

Wenn die Seniorengang ermittelt

Max und die wilde 7
von Lisa-Marie Dickreiter
Vorgestellt von Katja Weise

Der Titel "Max und die wilde 7" verrät noch nicht viel und ist ganz klar aus der Schublade "klassische Titel für Kinder- und Jugendbücher". Doch wer sich ans Lesen macht, wird überrascht: Denn "Die wilde 7", die in dieser Reihe Kriminalfälle löst, ist keineswegs eine Jugendgang. Max ist der einzige unter zehn Jahren, seine Kumpel sind rüstige Rentner.

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Klassischer Titel, klassisches Genre - nur, dass in "Max und die wilde 7" die Helden ein halbes Jahrhundert älter sind als gewöhnlich.

Auf einmal war er da. Der erste Satz. Lisa Dickreiter schrieb ihn, nachdem sie zunächst vergeblich versucht hatte, mit ihrem Vater einen neuen Schreibtisch aufzubauen: "Und dann stand dieser wunderschöne, neue Riesenschreibtisch da, und ich habe mich dran gesetzt und wollte einfach mal lostippen", erzählt sie.

"Und auf einmal stand da wirklich dieser Satz: 'Ich heiße Max, ich bin neun und wohne im Altersheim.'" Sie stutzte und rief sofort Winfried Oelsner an, seit 14 Jahren ihr Lebens- und Arbeitsgefährte. Er war ebenfalls inspiriert, im vergangenen Jahr kam dann der erste Band der Reihe heraus - "Das schwarze Ass" -, in diesem Frühjahr der zweite: "Die Geisteroma".

Die neunjährige Amelie hat beide Bücher verschlungen: "Naja, erstmal habe ich Band eins gelesen, dann habe ich gewartet, bis Band zwei kam, und dann habe ich Band zwei auch gleich weggelesen." Sie hat sogar schon überlegt, wie ihr Opa zu einem guten Ermittler werden könnte. Denn genau darum geht es.

Die wilden Alten von Tisch 7

Ständig passieren merkwürdige Dinge auf Burg Geroldseck. In dem alten Gemäuer ist das Seniorenheim untergebracht, in dem Max mit seiner Mutter wohnt. Sie arbeitet dort als Pflegekraft und hat viel zu tun. So werden die wilden Alten von Tisch 7, die ehemalige Schauspielerin Vera, der frühere Professor Kilian und der Ex-Fußballtrainer Horst Max beste Freunde. Und lösen mit ihm knifflige Fälle. Wie den mit der Geisteroma, deren Stimme plötzlich aus den Burgwänden schallt und der Max nachts einmal sogar begegnet.

"Wir fanden es gerade spannend auch von einer Seniorengeneration zu erzählen, im Kinderbuch", erzählen die Autoren, "also unsere Elterngeneration, nicht mehr so dieses Oma-Opa-Klischee - Kittelschürze, Gesundheitsschuhe - wie wir das vielleicht noch früher kennengelernt haben. Sondern dass es eine heutige Seniorengeneration von 70-Jährigen gibt, die topfit sind, die aktiv sind. Das fanden wir spannend zu erzählen."

Skurrile Typen - dem Leben abgeschaut

Winfried Oelsner entwirft nach anfänglichem Ideen-Pingpong mit Lisa-Marie Dickreiter eine Art Drehbuch, das sie dann weiterschreibt. Viel profitiert sie dabei von eigenen Erfahrungen. Sie ist quasi mit ihren Großeltern groß geworden: "Die haben bei uns gelebt, die eine Oma fünf Minuten mit dem Auto weg, die anderen bei uns im Haus. Ich habe auch während des Abis im Altenheim gejobbt, da habe ich mir mein Taschengeld aufgebessert und kannte daher natürlich auch diese Altenheimsituation." Und wenn sie doch mal Fragen hat: Die Schwägerin ist Altenpflegerin.

Die Bücher leben von den skurrilen Typen und davon, dass sie erfrischend respektlos und sehr humorvoll vom Alltag auf Burg Geroldseck erzählen. Außerdem kommt es im Zuge der Ermittlungen immer wieder zu aberwitzigen Situationen. Amelie mag besonders die Szene, "wo die Geisteroma Max sieht und Max da gerade aus diesem Schornstein gekommen ist und ganz schwarz ist, voller Ruß, und wo die Geisteroma schreit: Hilfe, ein Gespenst!"

Statt Kittelschürze: Omas im Ferrari

Lisa-Marie Dickreiter und Winfried Oelsner suchen und schätzen das Gespräch mit ihrem Publikum: "Da haben wir schon so fantastische Geschichten gehört von Omas, die zum 70. Geburtstag einen Tag Ferrarifahren geschenkt bekommen haben und dann mit ihrem Sohnemann durch die Stadt gebraust sind und derlei Sachen. Da sind schon einige Ideen zu uns geflogen, die wir in den folgenden Bänden einarbeiten wollen." Fünf bis sieben Bände sollen es werden - und auch eine Verfilmung ist schon geplant.

Max und die wilde 7

von
Genre:
Kinderbuch
Verlag:
Oetinger Verlag, ab 8 Jahren
Bestellnummer:
978-3789133329
Preis:
12,00 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Buchtipp | 20.06.2015 | 07:54 Uhr