Stand: 12.01.2016 15:42 Uhr

Lachfalten bei päpstlicher Buchvorstellung

Der Name Gottes ist Barmherzigkeit
von Papst Franziskus
Vorgestellt von Florian Breitmeier

Am Dienstag ist das erste Buch von Papst Franziskus erschienen - in mehr als 80 Ländern. Das Buch ist ein Interview, das der italienische Journalist und Vatikankenner Andrea Tornielli mit dem Papst im Juli 2015 geführt hat. Der Schauspieler und Oscar-Preisträger Roberto Benigni und Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin stellten das Buch im Vatikan vor.

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Der italienische Schauspieler und Oscar-Preisträger Roberto Benigni hat im Vatikan die italienische Fassung des neuen Buches von Papst Franziskus vorgestellt.

In dem Interviewband räumt der Papst mit dem Vorwurf einiger seiner Kritiker auf, er sei ein theologisches Leichtgewicht. So bibelfest, spirituell und lebensnah hat sich noch kein Papst dem Thema Barmherzigkeit gewidmet. Für Franziskus ist der Begriff theologisches Leitmotiv. Ohne die Barmherzigkeit Gottes wäre die Welt nicht existent, stellt der Papst fast schon dogmatisch fest. Zweifellos wird die enge Verknüpfung des Begriffs Barmherzigkeit mit dem Namen Gottes manch einem Zeitgenossen den Zugang zu dem Buch erschweren. Es ist auf den ersten Blick auch kein Schlüsseldokument für Katholiken, die auf konkrete kirchenpolitische Reformen setzen. Spannend ist die Lektüre aber allemal.

Weniger verurteilen, mehr zuhören

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Es sei Aufgabe der Kirche, das Gewissen jedes Einzelnen anzusprechen, schreibt Papst Franziskus in seinem neuen Buch.

Denn es offenbart sich zwischen den Zeilen dann doch ein ungeduldiger Papst, der die geweihten Männer seiner Kirche dazu ermahnt, den Menschen mehr als zuhörende und versöhnungsbereite Hirten zu begegnen und nicht als verurteilende Gesetzeswächter. Der Papst sieht seine Kirche damit durchaus kritisch. Manchmal reiche schon eine Geste oder die erklärte Absicht, etwas anderes machen zu wollen, um die göttliche Gnade zu erfahren. So unterbreitet der Papst suchenden und zweifelnden Menschen ein Angebot. Franziskus erinnert an die Verantwortung jedes Menschen - sei er gläubig oder nicht. Oft werde bei Problemen oder Fehlern die Schuld bei anderen gesucht.

Die Aufgabe der Kirche sei es aber vielmehr, das Gewissen jedes Einzelnen anzusprechen, damit der Mensch Verantwortung übernehmen könne. Oft fehle nämlich die konkrete Erfahrung der Barmherzigkeit, heißt es in dem Buch. Dabei gehe es oft nur um einen winzigen Spalt, der geöffnet werden müsse. Dieser päpstliche Interpretationsschlüssel könnte ein Hinweis auf Entscheidungen sein, die Franziskus nach der zurückliegenden Weltbischofssynode zu Ehe, Familie und Sexualität noch treffen muss.

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Der Name Gottes ist Barmherzigkeit

Label:
Kösel-Verlag
Veröffentlichungsdatum:
12.01.2016
Preis:
16,99 €
Regie:
128 Seiten

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Journal | 12.01.2016 | 19:00 Uhr