Stand: 06.12.2016 11:36 Uhr

"Hem", "Fitz" und verrückten Jahre

von Katharina Mahrenholtz, NDR Info

Hemingway und Fitzgerald lernen sich 1925 in Paris kennen und werden für eine gewisse Zeit gute Freunde. Der bereits berühmte Autor F. Scott Fitzgerald hat den Newcomer Hemingway in vielerlei Hinsicht gefördert und unterstützt. Sie trafen sich in Paris, in Amerika und an der Côte d'Azur - und so taucht der eine auch immer wieder in Büchern über den anderen auf.

"Als Hemingway mich liebte" von Naomi Wood

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Das Buch "Als Hemingway mich liebte" von Naomi Wood ist im Verlag Hoffmann und Campe erschienen.

Viermal war Ernest Hemingway verheiratet, jeweils nahtlos wechselte er von einer Frau zur nächsten, jeweils stürzte er die Frauen - zumindest vorübergehend - ins Unglück. Naomi Wood hat eine fiktive Biografie geschrieben. Genauso war es sicher nicht, aber so ähnlich könnte es gewesen sein. Es beginnt im Sommer 1926. "Hem", wie ihn seine Freunde nennen, verbringt den Sommer mit seiner ersten Frau Hadley in Antibes. Man schwimmt, schläft und feiert. Zu Besuch ist die flirrende Pauline Pfeiffer, offensichtlich bereits "Hems" Geliebte und bald seine zweite Ehefrau.

In Rückblenden wird erzählt, wie sich Hemingway und Hadley kennenlernten und langsam entfremdeten. Wie Pauline sich dazwischen drängte und schließlich gewann. Und ihn doch wieder verlor - an die nächste Frau, Martha Gelhorn, die unerschrockene Kriegsreporterin.

Das Buch begleitet den genialen Autor bis zu seinem Selbstmord 1961. Und auch wenn es manchmal etwas anmaßend ist, wie Naomi Wood das Seelenleben Hemingways für ihren Roman ausschlachtet: Man wird mitgerissen. Wieso haben die Frauen sich das alles gefallen lassen? Ein Egozentriker, dieser Typ, aber eben doch ein Charmeur. Und ein wahnsinnig genialer Schriftsteller. (Hoffmann und Campe / 368 Seiten / 20,- Euro)

"Der Sommer, in dem F. Scott Fitzgerald beinahe einen Kellner zersägte" von Emily Walton

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Braumüller Verlag / 168 Seite / € 19,90

Wieder jener Sommer 1926, als das Ehepaar Murphy rauschende Feste in Antibes feiert. Pablo Picasso ist dabei, Dorothy Parker, Hemingway und die Fitzgeralds. Doch zwischen dem Klirren der Champagnergläser gibt es Dissonanzen: Fitzgerald hat eine Schreibblockade, Hemingway hingegen einen Lauf. Das kratzt an der Freundschaft. Fitzgeralds Frau Zelda zieht sich immer mehr zurück, es kriselt. Fitzgerald, der es eigentlich ruhiger und seriöser angehen wollte, zieht dann doch wieder von Bar zu Bar und lebt unter reichlich Alkoholeinfluss kleine und große Verrücktheiten aus.

Der schmale Band "Der Sommer, in dem F. Scott Fitzgerald beinahe einen Kellner zersägte" ist kein Roman, Emily Walton hat sorgfältig recherchiert und nichts dazu gedichtet. Eine wunderbare Zeitreise an die Côte d'Azur, als sie noch frei von Bausünden und voller hemmungsloser Amerikaner war. (Braumüller Verlag / 168 Seiten / 19,90 Euro)

"Westlich des Sunset" von Stewart O'Nan

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Das Buch "Westlich des Sunset" von Stewart O'Dan ist im Rowohlt Verlag erschienen.

Als F. Scott Fitzgerald 1937 nach Hollywood kommt, ist sein Stern bereits gesunken. Vorbei der Ruhm des "Großen Gatsby", vorbei die Partys in Paris und an der Côte d'Azur. Zehn Jahre haben es Scott und seine Frau Zelda richtig krachen lassen, sie landet in der Nervenheilanstalt, er selbst ist Alkoholiker und versucht nun als Drehbuchschreiber Fuß zu fassen. Ein hartes Geschäft. In Großraumbüros ohne Fenster tippen die Skriptbearbeiter um die Wette, obskure Szenen nach den Vorstellungen der Produzenten. Als ehemaliger Bestsellerautor hat Fitzgerald immerhin ein eigenes Büro, aber der Frust ist groß. Wenn das Drehbuch nicht gefällt, schreibt es ein anderer neu. Und Scott braucht Geld, Zeldas Klinik ist teuer. Er versucht, sich von Partys und Alkohol fernzuhalten, ziemlich schwierig in dieser Umgebung.

Stewart O'Nan hat mit "Westlich des Sunset" einen glänzenden Roman geschrieben über ein Leben zwischen Aufstieg und Fall. Vor der Kulisse der Traumfabrik Hollywood scheitert Fitzgerald schließlich an seinen eigenen Erwartungen. Tragisch. (Rowohlt / 416 Seiten / 19,95 Euro)

"Mit Hemingway essen, trinken und reisen" von Craig Boret

Das Buch ist ein Muss für Hemingway-Fans, es ist aber leider nur über Book on Demand erhältlich. Viele Original-Rezepte, mit denen man wunderbare Mottopartys bestreiten kann, aber vor allem: viele Geschichten aus "Hems" bewegtem Leben und großartige Fotos: Hemingway als Fünfjähriger beim Angeln, als fescher Soldat mit seiner Krankenschwester-Liebe, mit Hadley in komischen Klamotten (beide), beim Essen in Pamplona mit den Murphys.
Schade, dass sich für das Buch "Mit Hemingway essen, trinken und reisen" von Craig Boret kein Verlag gefunden hat - dann hätte man es wesentlich hochwertiger produzieren können. (BOD / 228 Seiten / 39,90 Euro)

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Buchtipp | 06.12.2016 | 12:54 Uhr

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