Stand: 09.01.2017 00:00 Uhr

NDR Buch des Monats: Hamburger Musikchronik

Von der ersten deutschen Bürgeroper bis zur Elbphilharmonie
von Hermann Rauhe
Vorgestellt von Jan Ehlert
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Hermann Rauhes Buch zeigt die langjährige Bedeutung Hamburgs als Musikstadt.

Am 11. Januar wird sie eröffnet, die Hamburger Elbphilharmonie. Mit ihr, so schrieb der Hamburger Senat, sollen nicht nur neue musikalische Maßstäbe gesetzt werden. Die Elbphilharmonie baue auch auf eine lange Musiktradition und eine vielfältige Musikszene in Hamburg auf. Wie groß diese Tradition ist, das kann man in Hermann Rauhes wunderbarem Werk "Die Musikstadt Hamburg und ihr neues Wahrzeichen" nachlesen - unser NDR Buch des Monats.

Große Musiker hinterließen ihre Spuren

"Hamburg, das ist die Stadt, wo die Musik gleichsam ihr Vaterland zu haben scheinet." Georg Philipp Telemann

So schwärmte Georg Philipp Telemann von "seinem Hamburg". Der Stadt, in der er fast ein halbes Jahrhundert das Musikleben prägte. Als Opernintendant, Kirchenmusiker und Komponist, der Werke schrieb wie "Ebbe und Flut" und die "Alsterouvertüre".

Ja, Hamburg war bereits eine Musikstadt, lange bevor dieser Titel ein politisches Programm wurde. Die Liste der großen Musiker, die vor und nach Telemann in der Hansestadt ihre Spuren hinterließen, ist lang. Johannes Brahms und Felix Mendelssohn-Bartholdy wurden hier geboren. Georg Friedrich Händel schrieb hier seine erste Oper und kam beinahe bei einem Duell mit dem Komponisten Johann Mattheson ums Leben. Vladimir Horowitz gelangte durch einen Zufall zu Weltruhm. Und Peter Tschaikowski kam gleich mehrfach hierher.

Bevor der Ernst des Lebens losgehen sollte, unternahm er noch eine größere Reise nach Westeuropa. Neben Paris, Antwerpen und Berlin stand auch Hamburg auf dem Programm. An den Vater schrieb er: "Hamburg ist unvergleichlich schöner als Berlin. Wir hatten ein Quartier im besten Teil der Stadt, und der Blick von unserem Balkon war wunderbar. Überhaupt bin ich von dort mit einer gewissen Trauer weggefahren." Leseprobe

Viele Geschichten und Anekdoten

Gesammelt hat all diese Geschichten und Anekdoten der langjährige Präsident der Hochschule für Musik und Theater, Hermann Rauhe, der selbst schon seit Jahrzehnten kaum noch wegzudenken ist aus dem Hamburger Musikleben. 2010 erschien von ihm bereits die "Klingende Chronik", eine unglaublich kenntnisreiche Geschichte der Musikstadt Hamburg. Aber schon damals war ihm klar: Abgeschlossen war diese noch nicht.

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Musikwissenschaftler Hermann Rauhe hat sich mit der Musikgeschichte Hamburgs beschäftigt: "Von der ersten deutschen Bürgeroper bis zur Elbphilharmonie". Lösen Sie das Quiz und gewinnen Sie das Buch! Quiz

Es ist also nur folgerichtig, dass mit der Elbphilharmonie ein neues Kapitel geschrieben wird - nicht nur für die Musikstadt Hamburg, sondern auch in Hermann Rauhes Chronik. Dennoch ist die Neuauflage erstaunlicherweise dünner als der Vorgänger. Den Text über das neue Konzerthaus hat Rauhe auch nicht selbst geschrieben, sondern Tom R. Schulz - also der Pressesprecher der Elbphilharmonie. Logisch, dass dieser Teil die Elbphilharmonie im allerbesten Licht darstellt. Wer sich ausschließlich für sie interessiert, dem sei das großartige Elbphilharmonie-Buch von Joachim Mischke empfohlen. Wer aber verstehen will, welche Bedeutung das Konzerthaus für Hamburg hat, der kann dafür kein besseres Werk finden als Hermann Rauhes Chronik. Denn, so Rauhe: "Mir geht es um die Gegenwart und die Zukunft, aber wir können die nicht verstehen, wenn wir die Vergangenheit nicht begriffen haben."

Kontroverse Bauten haben in Hamburg Tradition

Der Blick in die Vergangenheit zeigt tatsächlich viele Parallelen zu heute. Schon die Oper am Gänsemarkt, 1678 eröffnet, sollte, wie die Elbphilharmonie, ein Haus für alle sein - zumindest für alle, die Eintritt zahlten. In Zeiten der noch höfisch geprägten Oper ein sehr ungewöhnlicher Vorgang. Einer der Begründer der ersten Bürgeroper war übrigens Johann Adam Reincken, der von Johann Sebastian Bach verehrt wurde. So sehr, dass Bach zu Fuß von Lüneburg nach Hamburg wanderte, um Reinckes Improvisation über den Choral "An Wasserflüssen Babylon" zu hören.

Es sollte schließlich Bachs Sohn Carl Philipp Emanuel sein, der Hamburgs Musikleben prägte. Auch ihm ist ein Kapitel in Rauhes Chronik gewidmet. Aber auch unbekanntere, vergessene Komponistinnen und Komponisten stellt Rauhe vor, etwa Felix Woyrsch und Felicitas Kukuck.

Noch etwas hätte man aus der Vergangenheit lernen können: So wurde der Michel, vor der Elbphilharmonie das unumstrittene Wahrzeichen der Stadt, nach seiner Restaurierung 1762 eingeweiht: "Nach elf Jahren Bauzeit - inklusive einer mehrjährigen Unterbrechung, in welcher es an Geld mangelte."

Auch hier steht die Elbphilharmonie also in einer guten Tradition.

Von der ersten deutschen Bürgeroper bis zur Elbphilharmonie

von
Seitenzahl:
288 Seiten
Genre:
Sachbuch
Verlag:
Ellert & Richter
Bestellnummer:
978-3-8319-0684-0
Preis:
16,95 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue Bücher | 09.01.2017 | 12:40 Uhr

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