Stand: 02.05.2016 12:50 Uhr

NDR Buch des Monats: "Fallensteller"

Fallensteller
von Saša Stanišić
Vorgestellt von Katja Weise
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Saša Stanišić wurde 1978 in Višegrad in Bosnien-Herzegowina geboren. Er lebt und arbeitet seit einigen Jahren in Hamburg.

Schon für seinen Debütroman "Wie der Soldat das Grammofon repariert", in dem er seine Flucht aus Bosnien verarbeitet, bekam Saša Stanišić fantastische Kritiken, 2006 war das. Auch für den zweiten, "Vor dem Fest", gab es wieder viel Lob vom Feuilleton und von den Lesern - dazu, unter anderem, den Preis der Leipziger Buchmesse. Jetzt bringt der 38-jährige Autor einen Band mit Erzählungen heraus: "Fallensteller".

Saša Stanišić steht am Elbstrand in Hamburg. © NDR

Saša Stanišić: "Fallensteller"

Kulturjournal -

Es geht um ungewöhnliche Reisen, einen Zauberer oder um den Großvater. Die neun Erzählungen in "Fallensteller" von Saša Stanišić sind wahrhaftig, vielschichtig und skurril.

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Alte und neue Bekannte

Ein bisschen ist es so, als hätte Saša Stanišić uns zu einem Fest eingeladen, auf dem wir viele neue Figuren kennenlernen und gute Bekannte wiedertreffen. Wie Lada und Ulli aus dem Roman "Vor dem Fest". Sie trinken noch immer regelmäßig in Ullis Garage…

…weil nirgends sonst Sitzgelegenheiten und Lügen und ein Kühlschrank so zusammenkommen, dass es für die Männer miteinander und mit Alkohol schön und gleichzeitig nicht zu schön ist. Das hat der Schriftsteller geschrieben. Ulli hat es an den Kühlschrank geklebt. Leseprobe

Verschmitzt zitiert Saša Stanišić sich hier selbst - und erzählt neue, groteske Geschichten aus dem Dorf in der Uckermark, von dem er sich offensichtlich ungern trennt. So lässt er einen Fallensteller nach Fürstenfelde kommen, der in Ullis Garage eine Ratte fängt, aber auch etwas von Hamstern und schlechten Träumen versteht.

Die Faszination des Unvorhersehbaren

Mit knapp 90 Seiten nimmt diese Erzählung den meisten Raum ein in dem Band, doch ist sie fein abgestimmt auf die anderen.

Quiz
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Quiz: Der "Fallensteller" zu gewinnen!

Erfolgsautor Saša Stanišić hat magische Erzählungen geschrieben: über Menschen, die sich hinterlistig umgarnen, einfangen - "Fallensteller" eben. Lösen Sie das Quiz und gewinnen Sie das Buch! Quiz

Fast alle Geschichten - so auch diese - handeln auf verschiedene Weise vom Reisen, vom Unterwegssein, von der Ankunft des Fremden, der Faszination darüber und der Angst davor.

Etliche sind auch auf Reisen entstanden, in Augenblicken des Wartens oder der Langeweile. Denn die versucht Saša Stanišić kreativ zu nutzen: "… indem ich diese Spiel mache: Was wäre wenn. Wenn in diesem Moment des Erlebens etwas Unvorhersehbares passieren würde, etwas Groteskes, etwas Übertriebenes, etwas, das aus einer normalen Situation, die wir alle als Reisende kennen, eine erzählenswerte, eine absurde, eine komischen Situation machen würde. Das ist ein Spiel."

Annäherung an das Thema Flucht

Dieses Spiel führt uns zum Beispiel nach Brasilien, wo der Justitiar Georg Horvath am Flughafen in Rio in ein falsches Taxi einsteigt - und statt in einem Büro im Dschungel landet. Oder nach Stockholm, wo zwei Freunde aus einer Galerie ein Gemälde einer aus Syrien geflüchteten Malerin klauen. Sie wollen es teuer verkaufen und ihr das Geld dann zukommen lassen.

Diese Geschichte, so Saša Stanišić, sei ein Versuch, sich dem für ihn so wichtigen Thema Flucht zu nähern: "Es sollte unbedingt eine Geschichte davon handeln und ich fand keinen Zugang dazu. Deswegen habe ich es folgendermaßen gemacht: Ich habe in verschiedensten Geschichten Themen auf kleinstem Raum untergebracht, die mir wichtig vorkamen, und in dem Fall, bei 'Mo und ich', handelt es sich um zwei Figuren, die helfen wollen, aber nicht wissen, wie. Das ist ein Thema, das ich sehr oft in meinem Freundeskreis und in Geschichten heraushöre: Wir würden gerne, aber wir wissen nicht wie.

Virtuose Satzerfindungen

Veranstaltungen

Saša Stanišić liest in Lübeck

12.06.2016 20:00 Uhr
NDR Kultur

Saša Stanišić versteht sich gleichermaßen auf Humor und Empathie, auf Sprach- und Erzählwitz. Am 19. Mai stellt er seinen neuen Erzählband im Lübecker Günter Grass-Haus vor. mehr

Saša Stanišić, dessen Romane ebenfalls aus vielen kürzeren Geschichten bestehen, erweist sich als ein Meister der Form. Jedes Mal schafft er einen ganz eigenen Kosmos - mit großer sprachlicher Virtuosität. Sätze sind dort zu finden, die, gäbe es sie, sofort aufgenommen werden müssten in den ebenfalls in einer Erzählung beschriebenen Satzhimmel. "Der Häppchenkäse hat Mo und mich nicht kennenlernen dürfen" ist so einer, oder "Eine Mutter winkt ihrem Sohne zum Abschied und: Ihre Hand sieht glücklich aus".

"Wie kann ich denn die Mutter beschreiben, die glücklich darüber ist, dass der Sohn sie für ein paar Tage verlässt. Ah, ihre Hand sieht glücklich aus, während sie winkt", beschreibt der Autor das Problem. "Als Bild kann man sich das sofort vorstellen, sie winkt so ein bisschen enthusiastischer als ... und will ja ganz schnell zu den Freundinnen oder was auch immer machen."

In diesen wunderbar geschriebenen Erzählungen ist viel zu finden und zu entdecken, Stanišić selbst formuliert es in einer der Geschichten so:

Wir wissen, auf so einen bist du nie vorbereitet, mit seinem Gepäck voll Allerlei: Sprache, Mut und Zauberei. Leseprobe

 

Fallensteller

von
Seitenzahl:
288 Seiten
Genre:
Roman
Verlag:
Luchterhand Literaturverlag
Bestellnummer:
978-3-630-87471-5
Preis:
19,99 €

Dieses Thema im Programm:

Neue Bücher | 04.05.2016 | 12:40 Uhr