Stand: 15.07.2015 12:04 Uhr

Suhrkamp-Aktionär Hans Barlach ist tot

von Alexander Solloch
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Hans Barlach starb im Alter von 59 Jahren.

Der langjährige Suhrkamp-Gesellschafter Hans Barlach ist mit 59 Jahren gestorben. Wie die Familie am Mittwoch in Berlin mitteilte, erlag Barlach einer Lungenentzündung.

Hans Barlach kam am 31. August 1955 als Sohn Nikolaus Barlachs zur Welt, der wiederum der einzige Sohn und Alleinerbe des Bildhauers, Schriftstellers und Zeichners Ernst Barlach war. Seine Jugend verbrachte Hans Barlach in Ratzeburg, einer Kleinstadt im Kreis Herzogtum Lauenburg.

Hans Barlach wollte mehr sein als Nachlass-Verwalter

"Mein Vater hat seit 1956 das Barlach-Museum in Ratzeburg geleitet, und meine Familie hat in diesem Haus, in dem sich das Museum befindet, gelebt. Ich bin mit den Werken meines Großvaters ganz natürlich aufgewachsen", sagte der junge Hans Barlach Anfang der 90er-Jahre, zu einer Zeit, da er sich allerdings schon bemühte, sich vom großen Namen des Großvaters zu lösen. Es war ihm nicht genug, dessen Nachlass zu verwalten: Der ausgebildete Chemotechniker suchte innerhalb des Kulturbetriebs unternehmerischen Erfolg, er investierte und baute.

Hans Barlach © pucture alliance

Nachruf auf Hans Barlach

NDR Kultur -

Der Hamburger Medienunternehmer Hans Barlach ist im Alter von 59 Jahren gestorben. Der Enkel des Bildhauers Ernst Barlach war jahrelang Gesellschafter des Suhrkamp-Verlags.

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"Eigentlich sagt man ja immer, wenn man sich mit Kunst auseinandersetzt, sollte man sich möglichst ein graues Tuch umhängen und jeden Tag um Geld betteln. Ich versuche, Strukturen zwischen der 'brotlosen Kunst' und der Wirtschaft zu entwickeln: Es gibt den Kunsthof in Berlin, das ist ein historisches Ensemble aus dem 18. Jahrhundert, es gibt in Hamburg den Süllberg, wo ein historisches Ensemble rekonstruiert wird und wieder wirtschaftliches Leben erhält. Das sind alles Projekte, mit denen man mich gerne betraut, weil die Auftraggeber immer die Hoffnung haben, dass ich es möglichst so optimiere, dass Kultur am Ende nicht so viel kostet."

Hoffnung und Unruhe

Was die einen hoffnungsfroh stimmte, machte die anderen, besonders die Kulturschaffenden, unruhig, furchtsam, streckenweise gar panisch, als Hans Barlach 2006 gemeinsam mit dem Hamburger Investmentbanker und Mäzen Claus Grossner 29 Prozent der Anteile am Suhrkamp-Verlag übernahm.

Damals erklärte Grossner, der sich vier Jahre später das Leben nehmen sollte: "Wir werden uns in Kürze der Mehrheitsgesellschafterin vorstellen, mit ihr ein freundschaftliches Gespräch führen. Die Vergangenheit ist Vergangenheit, wir wollen in die Zukunft gehen, und wir wollen ein geistiges Erbe dieser Republik, das ist der Suhrkamp-Verlag, in eine neue Zeit aufheben, hegelianisch gesprochen. Wir wollen was draus machen, und ich glaube, wir können sehr viel mehr, als man denkt, beitragen."

Erbitterter Rechtsstreit

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Hans Barlach hatte sich als Miteigentümer des Suhrkamp-Verlags jahrelang einen erbitterten Rechtsstreit mit Verlagschefin Ulla Unseld-Berkéwicz geliefert.

Freundschaft indes kam nie zustande mit der Verlags-Chefin Ulla Unseld-Berkéwicz, eher das genaue Gegenteil: Die neuen Gesellschafter und die Verlegerin überzogen sich gegenseitig mit Klagen, versuchten, die jeweils andere Partei mit juristischen Mitteln völlig aus dem Verlag herauszudrängen. Zugleich scharten sich um die ihrerseits gar nicht unumstrittene Verlags-Chefin ihre Autoren, gaben unzählige Solidaritätsadressen für sie und scharfe Erklärungen gegen Barlach ab. Peter Handke meinte, Barlach sei ein Unhold, ein Abgrundböser, Rainald Goetz bezeichnete ihn als einen "Rechtsquerulanten" - mit der Einschränkung allerdings, wir seien doch letztlich alle leicht kontaktgestört und überobsessiv -, Hans Magnus Enzensberger drohte damit, den Verlag zu verlassen, sollte Barlach dessen Leitung übernehmen. Die Autoren fürchteten, Barlach wolle aus dem renommierten Verlag ein profitorientiertes Unternehmen machen - er selbst befeuerte diese Sorgen, indem er öffentlich davon sprach, Suhrkamp müsste seine Rendite doch eigentlich verdreifachen können. 

Das Bundesverfassungsgericht erklärte Ende 2014 die Umwandlung von Suhrkamp in eine Aktiengesellschaft für rechtmäßig, Barlach musste seine weitreichenden Mitbestimmungsrechte aufgeben.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 15.07.2015 | 14:40 Uhr