Stand: 20.07.2015 15:49 Uhr

Hamburger Autorin erobert US-Bestsellerliste

von Jan Ehlert
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Seit dieser Woche Bestsellerautorin in den USA: die Hamburger Autorin Nina George.

Die Bestsellerliste der "New York Times" ist in der Regel Autorinnen und Autoren wie Thomas Pynchon, Don Winslow oder Alice Munro vorbehalten. Deutsche Autorinnen und Autoren finden sich nur äußerst selten darauf. Doch genau das ist jetzt einer Hamburgerin gelungen: Nina George, mit ihrem Roman "Das Lavendelzimmer". Die englischsprachige Ausgabe "The Little Paris Bookshop" schaffte es nur wenige Wochen nach dem Erscheinen des Buches auf Listenplatz 16.

"Ich habe gekreischt!"

So ganz glauben kann Nina George es immer noch nicht. Sie war gerade auf dem Weg in die Bretagne, nach Trévignon, um an einem neuen Buch zu arbeiten, als sie die Nachricht erreichte: "Es ist immer noch ein großes Wunder. Ich war im Bus, während ich es erfahren habe, und da konnte ich nicht so laut kreischen, aber bei der nächsten Gelegenheit bin ich eine öffentliche Toilette gegangen und habe dort gekreischt. Das ist jetzt so frisch, ich weiß eigentlich noch nicht genau, wo oben und unten ist."

Kein Wunder. "Das Lavendelzimmer" wurde zwar bereits in 28 Sprachen übersetzt, doch die Bestsellerliste der "New York Times" ist etwas Besonderes: Sie gilt als die wichtigste und einflussreichste Literaturliste in den USA, und die Liste der deutschen Autorinnen und Autoren, die es dorthin schafften, ist kurz und elitär: Bernhard Schlink ist es gelungen, mit seinem Roman "Der Vorleser" - der anschließend von Hollywood mit Kate Winslet verfilmt wurde.

Das "alte Europa" als Sehnsuchtsort

Hollywood hat bei Nina George zwar noch nicht angeklopft, aber eines Tages werde "Das Lavendelzimmer" hoffentlich verfilmt, sagt sie: "Es sind schon ein paar Interessenten dran und ich geb zu, ich möchte gern dieses Buddy-Movie sehen, wo sie auf einem Boot die Kanäle runterfahren und sich über Bücher unterhalten."

Weitere Informationen

Nina George: "Das Lavendelzimmer"

14.07.2013 08:40 Uhr
NDR 2

"Das Lavendelzimmer" ist eine warmherzige, nachdenkliche aber auch lustige Geschichte. Kathrin Schlaß aus der NDR 2 aktuell Redaktion hat Nina Georges Buch für Sie gelesen. mehr

Denn um Bücher geht es vor allem in "Das Lavendelzimmer". Um den Buchhändler Jean Perdu, der für jeden Schmerz die richtige Lektüre hat. Bücher zum Weinen, Bücher zum Wachsen, Bücher für die Selbstachtung - all das gibt es auf seinen Boot, der "Literarischen Apotheke". Daher auch der englische Titel "The Little Paris Bookshop" - der kleine Buchladen in Paris. Ein Titel, der auch zum Erfolg des Romans beigetragen hat, ist sich Nina George sicher: "Ganz unter uns: Wenn ein Buch in Amerika rauskommt, wo 'Paris' draufsteht, dann klingt das sofort nach dem 'alten Europa'. Das ist immer noch so ein Sehnsuchtsort in Amerika. Und 'The Little Paris Bookshop' ist der ultimative Sehnsuchtsort."

Das neue Buch kommt im März

Doch "Das Lavendelzimmer", das 2013 auf Deutsch erschien, ist nicht nur ein Buch über Bücher. Es ist auch ein Buch über Lebenskrisen. Es erzählt auch von dem jungen Schriftsteller Max Jordan, einem Bestsellerautor, der durch seinen großen Erfolg so eingeschüchtert ist, dass er keine Zeile mehr schreiben kann. Droht diese Gefahr nun auch Nina George? "Ich muss gestehen, als ich das nächste Buch anfing, das ist schon eine Weile her, schrieb ich 250 Seiten und schmiss sie alle weg. Denn ich war wie gelähmt. Ich war wie gelähmt vor Schock und Glück und Schreck und Druck. Und jetzt schreibe ich aber, und ich werde bis Ende August fertig sein und das Buch wird im März 2016 erscheinen und wir haben einen Titel. Es wird 'Das Traumbuch' heißen."

Viel Zeit zum Feiern bleibt also nicht, denn der Abgabetermin wartet. Aber, bei aller Disziplin: So ganz lässt sich das Glücksgefühl eben doch nicht unterdrücken: Denn so oft passiert es schließlich nicht im Leben, den eigenen Namen auf der Bestsellerliste der "New York Times" zu sehen. "Wir haben tatsächlich schon den einen oder anderen Crémant darauf getrunken", verrät Nina George. "Das ist eine hervorragende Ausrede: 'Komm, wir trinken noch mal einen Crémant auf die Bestsellerliste. Aber grundsätzlich haben sich die Tage nicht geändert. Ich arbeite, und zwischendurch quietsch ich mal ganz laut."

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Abendjournal | 20.07.2015 | 19:00 Uhr