Stand: 26.03.2016 00:00 Uhr

Ein Event-Tag für das Indiebook

Am ersten Sonnabend nach der Leipziger Buchmesse ist - fast schon traditionell - Indiebookday! Der Tag, an dem Büchern von unabhängigen Verlagen besondere Beachtung geschenkt werden soll, findet bereits zum vierten Mal statt. Die Idee dazu hatte Daniel Beskos, selbst Verleger in Hamburg - des Mairisch Verlages. Regina Methler hat mit ihm gesprochen.

Wie definiert man überhaupt einen unabhängigen Verlag?

Bild vergrößern
Daniel Beskos ist Mitbegründer des Mairisch Verlags und Initiator des Indiebookday.

Daniel Beskos: Unabhängige Verlage sind natürlich meistens kleinere Verlage. Das heißt, wir arbeiten mit einem kleinen Team. Es sind zwischen ein, zwei Personen, manchmal auch zehn, 15, 20 Leute, die im Team arbeiten, aber es ist relativ überschaubar. Das heißt, dass sie auch relativ wenige Bücher machen, dadurch aber auch relativ flexibel sind und schnell reagieren können auf Dinge, die sie interessieren, auf Themen, die aufkommen. Und sie können eine sehr umfassende Betreuung für ihre Autoren leisten.

Und wie kamen Sie auf die Idee, einen eigenen Tag dafür zu inszenieren - diesen sogenannten Indiebookday?

Beskos: Es ging darum, diesen kleinen Verlagen und ihren Programmen, die teilweise sehr schöne Bücher machen aber doch manchmal im Abseits stehen, Aufmerksamkeit zu vermitteln. Natürlich gibt es ein Vorbild in dem Record Store-Day, diesem Tag, der einmal im Jahr in Plattenläden stattfindet. Dabei ist man aufgerufen, in einen Plattenladen zu gehen und sich eine Schallplatte zu kaufen. Das findet auf der ganzen Welt statt, und zum Beispiel in Hamburg stehen die Leute wirklich um den Block Schlange, morgens um neun, bis der Plattenladen aufmacht, um sich bestimmte Schlallplatten zu sichern, die an diesem Tag erscheinen. Ich dachte, das ist eine schöne Art von Aufmerksamkeit und habe das einfach mal so aus Spaß bei Facebook gepostet, dass man doch mal so eine Veranstaltung machen könnte. Ich habe ein paar Leute eingeladen - und dann hat es sich verselbständigt.

Aus Verbrauchersicht fragt man sich aber: Warum soll ich ein Buch kaufen, weil es aus einem unabhängigen Verlag stammt? Man kauft doch eher nach Autor oder nach Thema.

Beskos: Genau. Aber es gibt sehr viele unabhängige Verlage, es gibt dort auch sehr viele verschiedenen Autoren, es gibt sehr viele Themen - eigentlich ist alles abgedeckt. Es geht aber darum, bewusst zu machen, wie dieses Buch entstanden. Bei Lebensmitteln will man das ganz genau wissen und zum Beispiel regionale Produkte kaufen. Das ist bei Büchern überhaupt kein Thema gewesen. Ob das jetzt Random House ist oder der kleine Verlag aus Eimsbüttel, war bisher gar nicht so relevant. Ich glaube, dass der Indiebookday ein Tag ist, wo man sich auch mal darüber unterhält, wie eigentlich die Bücher entstehen und wie die Leute da arbeiten.

Und was passiert am Indiebookday genau?

Weitere Informationen

Literatur

Buch-Neuerscheinungen und Rezensionen, Autoren-Lesungen und Literatur-Festivals im Norden, Porträts und Interviews aus den NDR Programmen. mehr

Beskos: Es gibt ganz viele unabhängige Aktionen. Es wird nicht von uns oder jemand anderem koordiniert. Es gibt ganz viele Verlage, die zu diesem Tag ihre Neuerscheinungen herausbringen. Es gibt Buchhandlungen, die viele Lesungen veranstalten. Es gibt Podiumsdiskussionen, sehr viele Buchhändler haben auch Schaufenster und besondere Indiebook-Tische gemacht, wo Empfehlungen der Buchhändler liegen.

Wir hoffen, dass sehr viele Leute in den Buchhandlungen sich Bücher kaufen und das dann - darum geht es ja hauptsächlich auch - im Internet kommunizieren. Das heißt, man macht ein Foto von sich und dem Buch, postet das bei Facebook, bei Twitter, bei Instagram und kommuniziert so mit dem Stichwort Indiebookday, dass dieser Event-Tag ist. Das ist auch die Art und Weise, wie sich das in den letzten Jahren verbreitet hat.

Und schafft es dieser Tag, die unabhängigen Verlage zu fördern?

Beskos: Das kann man schlecht beurteilen. Es gibt für jeden dieser Tage eine Art kleinen Bestseller: Bücher, die man immer wieder gepostet sieht. Ich glaube, für einige Verlage ist das dann in dem Moment gut. Was der Tag schafft ist eine Aufmerksamkeit dafür, dass es unabhängige Verlage gibt. Und das ist ein erster Schritt.

Das Interview - hier zum Nachhören - führte Regina Methler für NDR Info.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 26.03.2016 | 07:55 Uhr