Stand: 22.08.2017 11:52 Uhr

Wie "Dinner for one" auf Speed

von Daniel Kaiser

Aus vollem Herzen lachen kann man jetzt im Hamburger St. Pauli Theater. Dort hatte jetzt nämlich das Stück "The Play that goes wrong" Premiere. Der Komödien-Erfolg aus London von Jonathan Sayer, Henry Shields und Henry Lewis zeigt eine Theatergruppe, die bei einer Krimi-Aufführung von Panne zu Panne stolpert. Das Hamburger Publikum hat die Premiere - eine Koproduktion mit dem Zürcher Theater am Hechtplatz - bejubelt.

Ein Mordfall in einem englischen Landhaus, wie bei Agatha Christie. Doch die Laientruppe auf der Bühne vergisst dauernd den Text. Die Kulissen wackeln von der ersten Sekunde an: Türen klemmen, am Fahrstuhl knistern Stromschläge, Bilder fallen von der Wand.

Die Hauptdarstellerin wird versehentlich k.o. geschlagen, die Inspizientin mit AC/DC-T-Shirt springt mit schief sitzender Perücke ein - auf Schweizerdeutsch. Es ist ein Slapstick-Feuerwerk, das nicht langweilig wird. Das Publikum lacht praktisch zwei Stunden lang durch.

Im Geiste Monty Pythons

Der Regisseur der Laienschauspieler (Peter Zgraggen) steht als Sherlock-Holmes-Karikatur mit Pfeife und Anzug mit sehr großen Karos auf der Bühne (Kostüme: Kathrin Kündig). Er versucht, das Stück zu retten, sucht Auswege, selbst wenn das Bühnenbild gerade zusammenbricht. Zwischen den Zeilen senden sich die Schauspieler in dem Chaos passiv-aggressive Botschaften. Es ist ein herrliches Chaos mit Monty-Python-DNA.

Perfektes Timing

Einmal hat der Butler einen Hänger und schickt seine Mitspieler so in eine Textschleife: Sie müssen ein halbes Dutzendmal immer wieder dieselbe Szene spielen, an deren Ende alle mit Gläsern anstoßen, in denen sich dank der Inspizientin kein Wasser sondern Brennspiritus befindet. Ein Alptraum aus der Theaterhölle! Um solche Pannen und schlechtes Timing gut spielen zu können, bedarf es ungeheurer Präzision. Regisseur Dominik Flaschka zündet die Slapstick-Raketen zehntelsekundengenau. Das Ganze ist wie "Dinner for One" auf Speed.

Liebeserklärung ans Theater

Auf der Bühne improvisieren sie sich um Kopf und Kragen. Großartig ist die Verzweiflung in den Augen der Schauspieler, die trotz aller Pannen einfach weitermachen - immer weitermachen. Und so wird dieser riesige Spaß zu einer wunderschönen, witzigen Liebeserklärung an leidenschaftliches Theater.

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Eine Laientruppe, die dauernd den Text vergisst, dazu wackelnde Kulissen und Slapsticks in Serie: "The Play that goes wrong" am St. Pauli Theater ist ein herrliches Chaos mit Lach-Garantie.

Datum:
Ort:
St. Pauli Theater
Spielbudenplatz 29 - 30
20359   Hamburg
Telefon:
(040) 4711 0 666
Preis:
19,90 Euro bis 56,90 Euro
Kartenverkauf:
Tickets gibt es Montag bis Sonnabend 10.00 bis 19.00 Uhr,
Sonntag von 14.00 bis 19.00 Uhr an der Kasse, Spielbudenplatz 29 - 30
oder an allen bekannten Kartenvorverkaufsstellen
Hinweis:
The Play that goes wrong
Ein katastrophaler Theaterabend!
Komödie von Jonathan Sayer, Henry Shields und Henry Lewis
Übersetzt von Martin Riemann

Mit: Tamara Cantieni, Flavio Dal Molin, Sabina Deutsch, Lavdrim Dzemailji, Roman Fischer, Eric Hättenschwiler, Fabio Romano, Peter Zgraggen
Regie: Dominik Flaschka
Bühnenbild/Lichtdesign: Simon Schmidmeister
Kostüme: Kathrin Kündig
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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Abendjournal | 22.08.2017 | 19:00 Uhr

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