Stand: 25.09.2017 11:52 Uhr

Theaterspielzeit in Oldenburg mit neuer Heimat

von Helgard Füchsel

Das Oldenburgische Staatstheater präsentiert den Besuchern in dieser Spielzeit Besonderes, wie zwei Erstaufführungen und eine neue Spielstätte. Außerdem wird ein Projekt fortgesetzt, das das Theater in der vergangenen Saison begonnen hat. Es bringt über mehrere Spielzeiten verteilt den gesamten Ring des Nibelungen von Richard Wagner auf die Bühne. Vor kurzem hatte die zweite Ringoper, die Walküre, eine gefeierte Premiere.

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Regisseur Paul Esterházy verlegt die Handlung der "Walküre" in die düstere Welt eines abgelegenen Bergdorfs.

Der Regisseur Paul Esterházy hat die Handlung in ein abgelegenes, ärmliches Bergdorf verlegt, in eine düstere und morbide Welt mit Räumen aus viel dunklem Holz. Metallene Rüstungen sucht das Auge in dieser Inszenierung vergebens. Die acht Walküren vollführen ihr Werk in langen, schwarzen Kleidern und mit blutrot verschmierten Schlachterschürzen. Esterházy zielt bei seiner Inszenierung nicht auf ein "kosmisches großes Welttheater" ab, sondern suchte den kleinstmöglichen Erzählrahmen für das Werk: "In einer dörfliche Gemeinschaft gibt es besonders strenge Hierarchien und da kann man das Stück wunderbar drin abbilden." Herausgekommen ist eine hervorragende Inszenierung mit durchweg eindrucksvollem Gesang, die vom Premierenpublikum begeistert aufgenommen wurde.

Stück über Breivik-Anschlag

Veranstaltung
mit Audio

"Utøya" - ein Thema unserer Zeit auf der Bühne

23.08.2017 20:00 Uhr und weitere Termine
Oldenburgisches Staatstheater

Nicht weniger Applaus erntete die erste Schauspielpremiere der Saison. "Utøya" ist eine deutsche Erstaufführung über den Anschlag des Rechtsextremen Anders Breivik auf die Ferieninsel Utøya in Norwegen vor sechs Jahren. Das Stück beleuchtet, wie der Terror die Gesellschaft verändert. Es erzählt die Geschichte von sechs Menschen, die indirekt in die Ereignisse verwickelt werden, wie ein Elternpaar, das seine Tochter auf der Insel vermutet.

Neben "Utøya" ist in dieser Saison noch eine weitere deutsche Erstaufführung geplant. Die romantische Oper "Maria" des polnischen Komponisten Roman Statkowski erzählt die Geschichte einer nicht standesgemäßen Ehe in der Ukraine des 17. Jahrhunderts. Sie enthält  schwungvolle folkloristische Tänze und Elemente aus orthodoxer Kirchenmusik. Der Theaterintendant Christian Firmbach ist froh über diese Entdeckung: "Ich fühle mich sehr verpflichtet, Stücke wieder zum Leben zu erwecken, ihnen vielleicht auch auf die Spielpläne anderer Häuser zu verhelfen. Und 'Maria' ist auf jeden Fall ein Stück, dass es wert ist, wachgeküsst zu werden."

Neue Spielstätte am Hafen

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Hier ensteht der neue Uferpalast des Staatstheaters Oldenburg.

Das Theater wird in dieser Spielzeit nicht nur eine Oper vor dem Vergessen bewahren. Es wird auch eine Industriefläche aus dem Dornröschenschlaf rütteln. Das angestammte Theatergebäude muss renoviert werde. Während dieser Zeit ziehen die Aufführungen an den Oldenburger Hafen um. Wo sich jetzt noch Haufen von Sand, Metallschrott und Kies türmen, soll eine zentral gelegene Bühne am Wasser entstehen, der Uferpalast. An der neuen Spielstätte werden dann populäre Stücke gespielt wie "Jesus Christ Superstar", "Alice im Wunderland", die "Comedian Harmonists" und ein Ballett für Kinder - ein Programm, das sich nicht nur die Abonnenten, sondern gerade auch junge Leute anziehen soll. 

Intendant Firmbach wünscht sich, dass der Uferpalast nicht nur zu Theatervorstellungen Besucher anlockt. Auch außerhalb von Aufführungen soll ein anziehender Ausflugsort mit Gastronomie entstehen. Wie dieser Uferpalast genau aussehen wird, ist einer Geheimnis, welches der Intendant allerdings erst später lüften möchte. 

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