Stand: 27.07.2017 10:13 Uhr

Musical "Der bewegte Mann": Ganz viel Lametta

von Kerry Rügemer

Vor 30 Jahren feierten die Comics von Ralf König große Erfolge. Eine der bekanntesten Geschichten ist "Der bewegte Mann". 1994 landete der gleichnamige Film von Sönke Wortmann mit Til Schweiger und Joachim Król einen Riesenhit. Am Mittwochabend hatte das Musical seine Uraufführung im Thalia Theater. Das vom Altonaer Theater produzierte Stück unter der Regie von Harald Weiler eröffnet damit den ersten Thalia-Sommer.

Stricken gegen die Sexsucht

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Doro (Jennifer Siemann, Mitte) ist entsetzt: Hat ihr Freund sie für einen Mann verlassen?

Es ist ganz viel Lametta: Auf der Bühne hängen die silbernen Fäden in Überlänge, es glitzert auf knappen Höschen und ebensolchen Oberteilen. Die sechsköpfige, mit rosafarbenen Cowboyhüten ausgestattet Band spielt auf einem Podest im Bühnenhintergrund, ebenfalls von Lametta eingerahmt.

Da ist Axel, blond, durchtrainiert - und schon zu Beginn des Stückes ziemlich untreu. Als seine Freundin Doro ihn in flagranti erwischt, wirft sie ihn raus. Axel gelobt Besserung und sucht Hilfe bei einer Männergruppe. Da sitzen ein paar Kerle in Parkas und mit schwarzen Langhaarperücken und stricken gegen ihre Sexsucht- Immerhin lernt Axel da den schwulen Norbert kennen. Kompliziert wird die Story, als Doro bemerkt, dass sie schwanger ist. Als sie dann auch noch Axel und Norbert in ihrem Schlafzimmer entdeckt, ist das Drama riesig.

Ein nackter Mann im Schrank

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Gesungen wurde natürlich auch: Besonders Waltraud (Norbert Weigel, rechts) brachte das Publikum dabei zum Lachen.

Es wird viel gesungen - schließlich ist es ja ein Musical. Richtig toll sind die Tanzeinlagen: Wenn Norberts Freund, genannt Waltraud, im grellen Fummel sich lasziv windend mit Glitzerhäubchen und falschem Blondzopf über die Bühne bewegt, lacht sich mancher im Publikum schlapp. Die zehn Darsteller spielen alle mit vollem Körpereinsatz: In Stöckelschuhen rasant tanzend, mal mit Fleischerschürze, mal im knappen Kleidchen oder auch mal gänzlich nackt. Das Publikum ist überwiegend angetan.

Technisch war Luft nach oben

Der Karikaturist Ralf König. © VVG

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Die Musikstücke sind zwar durchweg ziemlich fetzig und eingängig - ein wahrer Ohrwurm fehlt aber. Und nicht nur das: Stimmlich ist die ganze Darbietung nicht gerade ein Highlight - und auch technisch wäre da noch Luft nach oben: Der Sound ist ziemlich dumpf; deshalb versteht man manchen Liedertext nicht wirklich gut.

Trotzdem bietet dieser "bewegte Mann" einen unterhaltsamen Abend als Sommerbespielung des Thalia Theaters. Die schräge Inszenierung erinnert in manchen Momenten ein bisschen an die "Rocky Horror Picture Show". Erwarten würde man so etwas eher auf dem Kiez - es macht aber auch hier im Thalia Spaß.

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Art:
Bühne
Datum:
Ende:
Ort:
Thalia Theater
Alstertor 1
20095  Hamburg
Hinweis:
"Der bewegte Mann"
eine Produktion des Altonaer Theaters
von Christian Gundlach und Craig Simmons

Regie: Harald Weiler
Musik und Liedtexte von Christian Gundlach
nach den Comics von Ralf König
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 27.07.2017 | 06:40 Uhr

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