Stand: 30.08.2016 15:11 Uhr

AfD: Bewahrung regionaler Eigenarten

von Matthias Schümann

Holger Arppe ist einer der Direktkandidaten der AfD. Arppe wurde 1973 geboren, nach der Schule erlernte er den Beruf des Offsetdruckers und arbeitete mehrere Jahre in der Druckerei der Ostsee-Zeitung, dann in einer Druckerei in Laage. Später machte er sich als Fotograf und Galerist in der Rostocker Innenstadt selbständig. In den 90er-Jahren schloss er sich den Mormonen an und reiste häufig in die USA. Arppe lebt gemeinsam mit seinem Partner in Rostock. Er sitzt in der Bürgerschaft der Hansestadt und gehört dem Landesvorstand der AfD an.

Kulturprogramm mit Medienschelte

Das Kulturprogramm der AfD beginnt mit einer gewaltigen Medienschelte. Die Rundfunkgebühr GEZ ist zu hoch und gehört abgeschafft, die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten sollten drastisch verkleinert werden. Die Gründe dafür sind allerdings nicht nur in den Kosten zu suchen. Sie sind auch politisch motiviert, erklärt Holger Arppe: "Wir wollen natürlich einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk, aber in einer abgespeckten Form. Er soll seinem Grundauftrag gerecht werden, aber wir wollen keinen Staatsrundfunk, keine Staatspropaganda", erklärt Holger Arppe.

Mehr deutsche Musik im Radio

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Passend zu Punkt eins fordert Punkt zwei des AfD-Kultur-Wahlprogramms mehr deutsche Musik im Radio. "Da wollen wir Anstöße liefern, aber jetzt nicht über Zwangsmaßnahmen oder ähnliches. Gleichwohl liegt uns die Förderung und Bewahrung der deutschen Sprache als Kulturgut auch sehr am Herzen und da ist das ein Mittel, um das zu befördern", findet Arppe. Herbert Grönemeyer, Silbermond, 2Raumwohnung, Silly, Karat, City, Glasperlenspiel, Heinz Rudolf Kunze, Udo Lindenberg und viele andere werden bereits gespielt - wer fehlt denn da noch? "Ich denke, es gibt auch Gruppen, die politisch nicht so wohlgelitten sind, weil sie andere Akzente setzen, wie 'Freiwild'. Musiker, die innerhalb des politisch korrekten Universums zu verorten sind, werden natürlich gespielt. Andere wiederum nicht."

Theaterfinanzierung mit privaten Geldgebern

Das Argumentationsprinzip Holger Arppes setzt sich fort: Immer gesellt sich zur Kritik der Strukturen und der Förder- und Finanzierungsmodelle die Kritik an Inhalten und einer politischen Ausrichtung, die vermeintlich von den jeweiligen Akteuren verfolgt wird. so auch beim Theater. Zunächst einmal sollen die Bühnen des Landes sich der Marktwirtschaft stellen, und wo das Geld nicht reicht, nach Geldgebern suchen. "Ein Mäzen, der eine bestimmte Theaterinszenierung fördert. Das muss ja nicht bedeuten, dass das dann automatisch ins Banale oder in Massenunterhaltung oder ins Billige abgleitet. Ich sehe das nicht so schwarz-weiß. Wir sagen ja auch nicht", bekräftigt Arppe, "dass wir überhaupt keine staatliche Unterstürzung mehr wollen. Wir wollen sie nur reduzieren auf das absolut notwendige Minimum. Der Staat kann natürlich nicht hier irgendwelche Biotope finanzieren, wo sich irgendwelche politischen Avantgardisten selbst produzieren."

Bewahrung von regionalen Eigenarten

Der AfD geht es um die Bewahrung der regionalen Eigenarten. Denkmalschutz und die Förderung von Traditionsvereinen stehen prominent im Wahlprogramm, außerdem die Förderung des Plattdeutschen. Damit ist die AfD ganz dicht dran am Heimatpflegeprogramm von Kultusminister Mathias Brodkorb.

"Das Heimatprogramm könnte eigentlich fast genau so wortwörtlich von der AfD stammen", findet Holger Arppe. "Ich war sehr verblüfft - im positiven Sinne - alles das, was da in diesem Heimatprogramm drinsteht, gerade auch in Bezug auf die Pflege der niederdeutschen Sprache, ist absolut lobens- und unterstützenswert."

Eine Seite im Wahlprogramm

Gerade mal eine Seite lang ist der Abschnitt zur Kultur im Wahlprogramm der AfD, und selbst Holger Arppe räumt ein, dass dieses Kapitel ergänzungswürdig ist. Literatur und Musik kommen gar nicht vor, dafür ein sehr allgemein gehaltener Passus: Kunst und Kultur schärfen die Sinne und erhöhen die Lebensqualität, heißt es da. Aber was die AfD konkret vorhat, dafür schärft dieses Wahlprogramm die Sinne eher nicht.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 28.08.2016 | 19:10 Uhr

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