Stand: 10.11.2015 11:22 Uhr

John Neumeier erhält den Kyoto-Preis

von Annette Matz

Der Intendant des Hamburg Balletts, John Neumeier, ist am Dienstag in Japan mit dem Kyoto-Preis für sein Lebenswerk ausgezeichnet worden. Der Kyoto-Preis gilt neben dem Nobelpreis als eine der weltweit wichtigsten Ehrungen in Kultur und Wissenschaft. Seit 1985 wird diese Auszeichnung alljährlich verliehen. Choreografin Pina Bausch, Philosoph Jürgen Habermas und auch Primatenforscherin Jane Goodall gehörten schon zu den Preisträgern.

Ballettintendant John Neumeier mit der Medaille des Kyoto-Preises um den Hals

John Neumeier erhält Kyoto-Preis

Hamburg Journal

Der Direktor des Hamburg Balletts, John Neumeier, ist mit dem renommierten Kyoto-Preis ausgezeichnet worden. Er erhielt die Auszeichnung in der Kategorie "Kunst und Philosophie".

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Ehrung für herausragende Leistungen

Vor über 1.000 geladenen Gästen aus Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft - unter ihnen auch Prinzessin Takamado, Mitglied der kaiserlichen Familie - nahmen die Geehrten ihre Auszeichnung im Kyoto International Conference Center in der alten japanischen Kaiserstadt entgegen: ein Diplom, eine Medaille und das Preisgeld von 50 Millionen Yen, das sind etwa 360.000 Euro je Kategorie. Der Preis wird für herausragende Leistungen in drei Sparten verliehen: Hochtechnologie, Grundlagenforschung und Kunst und Philosophie. "Mit Demut, einem tiefen Ehrgefühl und großer Freude nehme ich den Kyoto-Preis 2015 in der Kategorie ‚Kunst und Philosophie‘ an", so Neumeier bei der Preisverleihung.

Preis für die Philosophie von Neumeiers Arbeit

John Neumeier bei der feierlichen Preisverleihung des Kyoto-Preises im Kyoto International Conference Center.

John Neumeier empfindet die Auszeichnung als große Ehre. "Für mich ist es sehr wichtig, weil es kein Preis für irgendein Ballett ist oder die Tatsache, dass ich längere Zeit Ballettdirektor in Hamburg bin", hatte er im Vorfeld gesagt, "sondern eher für die Philosophie meiner Arbeit. So verstehe ich das. Insofern ist es ein Preis, der größer ist als nur der für einen Choreografen oder eine Choreografie". John Neumeier habe die Essenz der beiden Genres dramatisches Ballett und abstraktes Ballett vereint und die Kunst in eine neue Dimension befördert, heißt es in der Begründung der Inamori-Stiftung, die den Preis vergibt. Die Stiftung ist nach dem gleichnamigen Gründer des japanischen Technologiekonzerns Kyocera benannt. 

"Ein Moment, der tief bewegt"

Nach der großen Gala am Abend bleiben die Preisträger noch zwei weitere Tage in Kyoto, halten Vorträge und geben Workshops. Eine monatelange Vorbereitung sei das, so Neumeier. "Für sein Lebenswerk ausgezeichnet zu werden, ist natürlich ein besonders wichtiger Moment für mich, der sehr tief bewegt. Doch muss für diesen Anlass viel Vorarbeit geleistet werden, zum Beispiel Reden schreiben und vorbereiten und viele Informationen über das eigene Leben geben. Und die am besten in einer druckreifen Form." Die Veranstaltungen der Preisträger sind öffentlich und schnell voll. Tanz ist in Japan beliebt und John Neumeier ist bekannt.

Preis für herausragende Persönlichkeiten

Die Nominierung der Preisträger erfolge in einem komplizierten Verfahren, erklärte eine Kyocera-Sprecherin. Vereinfacht gesagt, bitten führende Dekane japanischer Universitäten Kolleginnen und Kollegen aus aller Welt um Vorschläge für herausragende internationale Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Kunst. Weitere Preisträger in diesem Jahr sind der japanische Chemiker Toyoki Kunitake und der Schweizer Astrophysiker Michel Mayor. Das Preisgeld ist nicht sachgebunden. Oft investierten die Geehrten das Geld allerdings in ihre Arbeit, so die Sprecherin.

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Der US-Amerikaner John Neumeier ist bereits seit 1973 Ballettdirektor und Chefchoreograf des Hamburg Balletts.
Neumeier denkt nicht ans Aufhören und Ausruhen

Auch John Neumeier lebt für seine Arbeit: "Ich sehe noch kein Ende. Ballett ist eine lebende Kunst. Meine Ballette leben nur, wenn sie getanzt werden, wenn sie wirklich in lebendigen Körpern realisiert werden. Solange ich lebe, sehe ich diese Werke als etwas, was sich ständig ändert. So wie ich mich ändere." Ausruhen will er sich nicht auf diesem Preis: "So ein Preis ist für mich etwas, wo man sich ein bisschen freut über das, was erreicht ist. Man blickt auf keinen Fall zurück, sondern schaut viel eher in die Zukunft." Und so macht sich der Hamburger Ballettchef auch gleich nach der letzten Veranstaltung in Kyoto wieder auf nach Deutschland, nach Baden Baden, wo seine Compagnie zurzeit gastiert. Schon am Freitag wird er dort wieder auf der Bühne stehen.

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13 Bilder

John Neumeier: Die Stationen des Meisters

Nicht nur auf, sondern auch an die Spitze des internationalen Balletts - John Neumeier und sein "Hamburg Ballett". Bildergalerie

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 10.11.2015 | 10:40 Uhr

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