Stand: 17.09.2015 16:17 Uhr

Hamburg Ballett: Saisonstart mit "Cinderella"

von Annette Matz
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Hélène Bouchet und Alexandr Trusch stehen in "A Cinderella Story" als Aschenputtel und der Prinz auf der Bühne der Hamburgischen Staatsoper.

Sie sind zurück, die Tänzer und Tänzerinnen vom Hamburg Ballett: In der Sommerpause durften sich Muskeln und Tanzgeist einige Wochen erholen, jetzt wird wieder geprobt: Am Sonntag wird mit " A Cinderella Story" die neue Ballett-Spielzeit eröffnet. Publikumsliebling Hélène Bouchet tanzt die Cinderella - zum ersten Mal zusammen mit Alexandr Trusch als Prinz .

"Man spürt, dass man in den Ferien war"

Ballettmeisterin Leslie McBeth ist zufrieden bei den Proben zu "Cinderella". Hélène Bouchet tanzt gemeinsam mit Lloyd Riggins einen langsamen kraftvollen Pas de deux. Beide arbeiten konzentriert und professionell, in den kurzen Tanzpausen wird diskutiert und gelacht. Sobald die Musik von Sergej Prokofjew einsetzt, sind sie sofort wieder in ihren Rollen von liebevollem Vater und verspielter Tochter. So ganz einfach ist es nicht, nach sechs Wochen Probenpause zurückzukommen. "Man spürt, dass man in den Ferien war", sagt Bouchet. "Die ersten drei Tage sind die härtesten, dann bist du langsam wieder da. Dann musst du einfach machen, und dein Körper wird dir dann auch folgen", erklärt sie.

Das richtige Gefühl zur richtigen Zeit

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"Die Cinderella zu tanzen ist eine Herausforderung", sagt Hélène Bouchet über die Titelrolle.

Hélène Bouchet ist freundlich und entspannt. Trotzdem merkt man, sie ist "on the job", hat die Spielzeit vor sich und arbeitet daran. "Die Cinderella zu tanzen ist eine Herausforderung", sagt die 35-Jährige. Nicht wegen der Technik, sondern weil sie sich in so viele Stimmungen fallen lassen muss. "Du startest sehr traurig, dann kommt das Glück, dann bist du frustriert. Dann gehst du auf diesen Ball und verliebst dich, dann kommst du zurück in deine traurige Wirklichkeit", erzählt Bouchet. "Es ist also schwierig, weil man das richtige Gefühl zur richtigen Zeit ausdrücken muss."

Kritiker sprechen von "großartiger Ballettkunst"

Diese dunkelhelle Geschichte - wie die "Zeit" dieses Märchen über Tod, Liebe und Lebenslust vor Jahren treffend beschrieb - hatte 1992 in Hamburg Premiere. Von der Kritik wurde John Neumeiers "Cinderella" als "großartige Ballettkunst" gefeiert. Hélène Bouchets Partner, der Prinz, ist der 26-jährige Alexandr Trusch. "Er ist ein sehr, sehr guter Partner", meint Bouchet. "Wir haben viel Spaß bei der Probe und verstehen uns sehr gut. Wir täuschen nichts vor und sind ehrlich. Wenn wir eine Emotion nicht wirklich fühlen, werden wir sie nicht vorantreiben. Es passiert einfach."

Lampenfieber vor jeder Vorstellung

Hélène Bouchet wird in dieser Spielzeit unter anderem noch zwei weitere wichtige Frauenrollen tanzen: "Die aufrichtig liebende Julie in dem lyrisch, bunten, sozialkritischem Ballett 'Liliom' und die staunend die Ballettwelt entdeckende Marie im 'Nußknacker'." Im Oktober und November stehen die Stücke auf dem Spielplan. Und obwohl Bouchet schon so viele Jahre tanzt, wird sie eines vor jeder Vorstellung begleiten: das Lampenfieber. Und das sei gut so, meint sie. "Ich glaube, wenn man das nicht mehr hat, dann fehlt einem die Liebe zu dem, was man macht."

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Abendjournal | 17.09.2015 | 19:00 Uhr