Stand: 25.09.2017 15:06 Uhr

Zehn Jahre Junges Theater in Hannover

von Agnes Bührig

Was hat "Kabale und Liebe" von Friedrich von Schiller mit unserer Zeit heute zu tun? Wie stellt man einen Schatten dar? Und was kann man lernen, wenn man mit Flüchtlingen Theater spielt? Antworten auf diese Fragen gibt das Junge Schauspiel, die Jugendsparte des Schauspiels Hannover, die dieses Jahr ihr zehnjähriges Jubiläum feiert. Und das unter neuer Leitung: Barbara Kantel, Theatermacherin und einst Mitbegründerin des Jungen Schauspiels ist zurück. Sie präsentierte sich und knapp ein Dutzend Jugendclubs dem Publikum.

Auf der Bühne im Ballhof eins haben sich ein knappes Dutzend Gruppen gebildet. Jugendliche, die bei einem der Theaterclubs mitmachen wollen und jetzt eine erste ganz konkrete Aufgabe lösen sollen: Wie könnte ich den Satz "Ich verliere den Schatten?" schauspielerisch darstellen? Gemeinsam mit ihrer Gruppenleitung überlegen die sieben Jugendlichen, wie sie die einzelnen Worte gestalten könnten. Ein Vorgeschmack auf die Arbeit im Team, die sie erwartet. "Ich muß sagen, dass es einerseits total Spaß macht, am Ende natürlich so eine Aufführung zu haben, aber vor allem die Zeit davor, wo man total viele neue Leute kennen lernt" sagt eine junge Teilnehmerin.

Ein Klassiker zur Spielzeiteröffnung

Anregung, wie es gehen könnte, bieten die Aufführungen professioneller Schauspieler, zum Beispiel "Kabale und Liebe" von Friedrich Schiller: schlanker Jüngling in bunter Reizwäsche vor historischer Madonnenfigur, Videoprojektionen, Anklänge ans Vampirmillieu. Dass ein Klassiker die neue Spielzeit eröffnet hat ist eher die Ausnahme als die Regel, sagt die Leiterin des Jungen Schauspiels, Barbara Kantel. Sie erzählt: "Eigentlich haben wir immer ein klassisches Stück, was damit zu tun hat, dass wir natürlich eng mit Schulen zusammen arbeiten. Ansonsten haben wir eigentlich lauter Stücke aus der Gegenwart. Das sind Erstaufführungen zum Teil, Uraufführungen oder eben Stücke, die in den letzten zwei, drei Jahren entstanden sind."

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"Acts of Goodness" von Mattias Andersson ist ein solches Stück. Der Schwede ist dafür durch Europa gereist und hat junge Leute gefragt, was für sie eine gute Tat ist. Die politische Dimension dahinter ist Barbara Kantel wichtig. Vor allem aber liegt der 58-Jährigen das Theater als Kunstform am Herzen. "Wenn wir Theater als Kunst ernst nehmen, auch im Bereich für junge Leute, eben über das Kennenlernen von ästhetischen Mitteln, von Ästhetik, kann eine ganze Menge Welterfahrung entstehen."

Projekt "Yalla" für Zugewanderte

Gesellschaftspolitisch Standpunkt zu beziehen - zu Migration, Inklusion und Integration - am Staatsschauspiel Dresden hat die Regisseurin dem Migrationsthema im sogenannten Montagscafé Raum gegeben. In Hannover werden Einheimische und Zugewanderte sich in dem Projekt "Yalla" treffen und gemeinsam Theater entwickeln. Auch am Theater ist die Zukunft nicht mehr nur deutschstämmig. Kantel erzählt: "Ich war gerade auf einer Tagung, wo es einen Vortrag von einem Soziologen gab, der einfach beschrieb, dass die deutsche Mehrheitsgesellschaft gar nicht mehr existiert. Dann muss man Fragen von Integration nochmal anders betrachten: In was integrieren wir denn eigentlich, wohin und wen integrieren wir?"

Auf der Bühne zumindest sind inzwischen alle integriert und jede der neun Jugendtheatergruppen präsentiert sich. Es scheint, als sei im Jubiläumsjahr des Jungen Schauspiels aus dem einstigen Baby ein wilder Teenager geworden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Journal extra | 26.09.2017 | 19:00 Uhr

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