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Die Millionenspiele des Playboys Gunter Sachs

von Christoph Heinzle, Peter Hornung und Benedikt Strunz, NDR Info

Gunter Sachs stellt in Moskau seine Bilder aus. © picture-alliance/ dpa Fotograf: Tass Kubedinov Igor Detailansicht des Bildes Der als Playboy bekannte Gunter Sachs hat vor seinem Tod offensichtlich Millionenwerte in Steueroasen deponiert. Er war Millionenerbe, Ehemann von Brigitte Bardot, Geliebter der Ex-Kaiserin Soraya, Fotograf, Regisseur und Wohltäter: Gunter Sachs, der 1932 als Deutscher geboren wurde – und 2011 als Schweizer starb. Der gebürtige Franke war ein Strahlemann, der es über die Jahrzehnte schaffte, stets in der Öffentlichkeit eine weiße Weste zu behalten. Doch Recherchen der Süddeutschen Zeitung und des NDR im Rahmen des weltweiten Projekts "Offshore-Leaks" zeigen nun - zwei Jahre nach seinem Tod- eine neue Seite von Sachs: die des gewieften Finanzjongleurs, der Millionen in Steueroasen in der Südsee und der Karibik versteckte und das über Jahrzehnte.

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Computer-Tastatur © picture-alliance/ dpa Fotograf: Sebastian Widmann
 

"Offshore-Leaks": So gelang die Enthüllung

Die Lebenszeit aller beteiligter Journalisten hätte nicht ausgereicht, die 200 Gigabyte Daten zur geheimen Welt der Steueroasen auszuwerten. Erst eine spezielle Software brachte den Erfolg. mehr

Scheinfirmen mit klingenden Namen

Es gab ein Etikett, das Gunter Sachs gerne öffentlich zurückwies - allerdings mehr kokett als überzeugend. "Ich kann mich gar nicht als Playboy bezeichnen, weil ich weiß gar nicht genau, was es heißen soll. Ich würde aber sagen, ich gehöre sicher zu der Spezies der Homo ludens, zu den spielenden Menschen." Der Playboy und Jetsetter Gunter Sachs - das war jedoch nur eine Seite des beliebten Deutschschweizers. Eine andere, bislang vollkommen unbekannte Seite zeigen Dutzende Dokumente, die Reporter der Süddeutschen Zeitung, der Schweizer Sonntagszeitung und des NDR ausgewertet haben - im Zuge des weltweiten Steueroasen-Rechercheprojekts "Offshore-Leaks": Sachs gebot mit Hilfe von Freunden und Anwälten über ein anonymes Gewirr von Unternehmen und Beteiligungen – "offshore", also vor der Küste auf Eilanden wie den Cook-Inseln in der Südsee, den Britischen Jungferninseln in der Karibik, aber auch in Panama, Liechtenstein und Luxemburg. Sachs hatte dort Millionenwerte deponiert - in Scheinfirmen mit klingenden Namen wie Triton Limited, Tantris Limited, Espan Water Trust, Parkland Oak Trust, Moon Crystal Trust, Sequoia Trust, Dirki Finance, Financiera Pontresina.

Ex-Banker: "Banken schlagen Kunden Offshore-Produkte vor"

Schon 1977 ließ er die erste Firma registrieren - im mittelamerikanischen Panama, für seine Verschwiegenheit bekannt. Sachs war im Jahr zuvor Schweizer Staatsbürger geworden. Mit den Jahren kamen weitere Firmen hinzu - ein Geflecht, in das die Schweizer Finanzbehörden keinerlei Einblick hatten. Solche Konstruktionen dienten in anderen Fällen oft der Steuerhinterziehung oder gar der Geldwäsche, sagen Steuerexperten.

Die Organisation der Sachs-Firmen übernahmen Banker und Anwälte. So mache man das eben mit guten Kunden, sagt Rudolf Elmer, früher selbst in Diensten einer Schweizer Privatbank: "Steueranwälte haben den Kunden gezeigt, dass man über Offshore Produkte wie Trusts, Companies, Mutual Funds aufsetzen kann und dort ihre Vermögenswerte deponieren. Sobald der Kunde eine gewisse Größenordnung an Vermögen hat, wurde es interessant, dem Kunden vorzuschlagen, ein Offshore-Produkt aufzusetzen."

Sachs kein Einzelfall - Journalisten enthüllen System der Steueroasen

Gunter Sachs ist bei weitem kein Einzelfall - wie die weltweiten Recherchen im Rahmen des Projekts "Offshore-Leaks" zeigen. Von der Washington Post über Le Monde bis hin zu BBC, dem NDR und der Süddeutschen Zeitung: Journalisten aus über 30 Ländern haben monatelang einen riesigen Pool vertraulicher Daten ausgewertet, die das System der Steueroasen enthüllen. Ob deutscher Mittelständler, russischer Milliardär oder afrikanischer Diktator - sie alle nutzen die diskreten Dienste der Steueroasen. Und eben Gunter Sachs, der offenbar besonders großen Wert auf Geheimhaltung legte, so steht es in den Akten zu seinen Firmen: "Keine Informationen zum Gründer, offensichtlich sehr geheim. Keine Info zu Bank-Daten. Keine Willenserklärung des Stifters."

Ob sich Gunter Sachs - und vielleicht sogar seine Erben - damit auch strafbar gemacht haben? Nein, sagen seine Nachlassverwalter. Alles Geld aus dem Firmengeflecht sei den Behörden offenbart worden. Überprüfen kann das keiner - und sollte es so gewesen sein: Warum dann der ganze Aufwand? Ein großes Geheimnis des Gentleman-Playboys ist nun jedenfalls gelüftet.

Dieses Thema im Programm:

Aktuell | 04.04.2013 | 06:00 Uhr

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Gunter Sachs im Jahr 2009 vor einem seiner Bilder. © dpa - Report Fotograf: Uli Deck
 

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Strand von den Inseln Las Ballenas auf der Halbinsel Samana, Dominikanische Republik © picture-alliance / Bildagentur H Fotograf: Bildagentur Huber/Kreder
 
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Wirtschaftslexikon: Was ist eine Steueroase?

04.04.2013 | 07:41 Uhr
NDR Info

Auch in Europa locken sogenannte Steueroasen mit niedrigen Steuersätzen.

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Christoph Heinzle © NDR Fotograf: Klaus Westermann
 
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Peter Hornung © NDR Fotograf: Klaus Westermann
 
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Benedikt Strunz © NDR Fotograf: Peter Vogel