Stand: 22.01.2014 15:07 Uhr

"Offshore-Leaks": China zensiert NDR.de

Die "Offshore-Leaks"-Berichte über ominöse Geldtransfers von Chinas Elite auf NDR.de werden in der Volksrepublik offenbar zensiert. Auf der Webseite der "Great Firewall" wird der Internetauftritt des Norddeutschen Rundfunks seit Mittwoch erstmals als blockiert angezeigt. Die Nichtregierungsorganisation GreatFire.org prüft, ob Seiten in China aufgerufen werden können.

Auch die Netzversionen von "Offshore-Leaks"-Medienpartnern wie der "Süddeutschen Zeitung", des britischen "Guardian" oder der spanischen "El Pais" können derzeit in der Volksrepublik nicht angesteuert werden. GreatFire.org zufolge sind in China selten zuvor so viele Seiten blockiert worden wie derzeit.

ARD-Korrespondentin: "Übliche Vergeltungsmaßnahme"

Die ARD-Korrespondentin in Peking, Ariane Reimers, nannte die Zensur im Gespräch mit NDR.de eine "übliche Vergeltungsmaßnahme des Propagandaministeriums" für die kritische Berichterstattung. Dennoch zeigte sie sich erstaunt darüber, dass mit NDR.de eine rein deutschsprachige Seite blockiert wird. Sonst würden eher chinesisch- oder englischsprachige Auftritte zensiert.

Interview

"Man muss mit Derartigem rechnen"

China hat nach den Enthüllungen über seine Elite Internetseiten blockiert. NDR.de spricht mit Ariane Reimers, ARD-Korrespondentin in Peking, über diese "Vergeltungsmaßnahme". mehr

Journalisten-Netzwerk berichtet über Geldtransfers der Elite

In den jüngsten Enthüllungen berichtet ein internationales Netzwerk von Journalisten über Chinas politische Führung und einige der reichsten Männer und Frauen des Landes, die in Tausenden Fällen Geld ins Ausland geschafft haben - und das, obwohl sich die Politik offiziell die Bekämpfung von Korruption auf die Fahnen geschrieben hat.

Büro in Peking: "Alle Berichte dringend zensieren und löschen"

Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, hat das "Büro für Internet-Informationsverwaltung" mit Sitz in Peking, dessen Mitarbeiter das chinesische Internet überwachen, folgende Anweisung ausgegeben: "Alle Berichte und Inhalte über 'China Offshore-Leaks' dringend zensieren und löschen. Die interaktiven Inhalte im Internet streng kontrollieren, alle Bilder und aggressiven Kommentare gegen führende Funktionäre und das System löschen. Sofort die Konten blockieren, die schlechten Einfluss haben und mit den Behörden vor Ort gemeinsam Untersuchungen einleiten."

Prozess gegen Bürgerrechtler

In Peking hat am Mittwoch unterdessen der Prozess gegen den bekannten Bürgerrechtler Xu Zhiyong begonnen. Dieser hatte unter anderem gefordert, dass Chinas Politiker ihre Vermögensverhältnisse offen legen.

Weitere Informationen

Interaktive Grafik: Chinas Geldadel

Chinas Elite ist eng miteinander verwoben. Die interaktive Grafik zeigt, wer mit wem Geschäfte gemacht hat. mehr

 

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