Stand: 04.04.2013 00:05 Uhr

Am Fiskus vorbei mit Portcullis TrustNet

von Benedikt Strunz, NDR Info
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Im dritten Stock dieses Hauses hat die Portcullis TrustNet-Gruppe ihren Sitz auf den Cookinseln.

Die Portcullis TrustNet Gruppe ist nach eigenen Angaben einer der weltweit größten Dienstleister für Offshore-Firmen. Das Unternehmen wurde in den 1990er-Jahren von Mike Mitchell, einem Rechtsanwalt aus Neuseeland gegründet. Das Geschäftsmodell von Mitchell war dabei denkbar einfach. Sein Unternehmen, das zunächst nur TrustNet hieß und vor allem auf den Cookinseln aktiv war, bot reichen Kunden eine Dienstleistung an, die in einer globalisierten Marktwirtschaft immer gefragter wurde: Maximale Sicherheit für Geld und Gut. 

Ein Dorn im Auge der Steuerfahnder

Nach eigenen Angaben versteht sich Portcullis als "One-Stop"-Anbieter. Kunden sollen hier alles finden, was sie für ihre Offshore-Finanzgeschäfte brauchen. Neben Rechtsanwälten und Steuerberatern beschäftigt Portcullis auch Vermögensverwalter und eigene Trustmanager. Kunden können dabei aus einer breiten Palette an Möglichkeiten wählen, auf welche Weise sie ihr Geld staatlicher Aufsicht entziehen wollen.

Die Angebote reichen von einer einfachen Firma auf den Britischen Jungferninseln, in der Geld "geparkt" werden kann, bis hin zu komplizierten Geflechten aus Stiftungen und Firmen. Dabei haben alle Angebote eins gemeinsam: Sie sollen dabei helfen, die Identität der Geldgeber sowie Herkunft und Verbleib der Gelder zu verschleiern. Steuerfahndern und Geldwäsche-Experten sind sie deshalb ein Dorn im Auge.

Kunden in 140 Ländern

Innerhalb kürzester Zeit wuchs Portcullis und gründete weltweite Ableger. 2004 wechselte das Unternehmen den Besitzer und firmiert seither unter dem Namen Portcullis TrustNet. Heute zählt die Portcullis-Gruppe insgesamt 16 Niederlassungen unter anderem auf Samoa, Mauritius und auf den Seychellen. Nach eigenen Angaben liegt der Geschäftsfokus auf Asien, Hauptfirmensitz ist Singapur. Tatsächlich zeigen die Recherchen im Rahmen des Projekts "Offshore-Leaks", dass Portcullis keineswegs nur den asiatischen Raum bedient.

Die Auswertung von mehreren Hunderttausend Dokumenten belegt: Portcullis bedient Kunden in 140 Ländern der Erde. Darunter befinden sich auch viele Prominente und Personen der Zeitgeschichte. So konnten Mitglieder der Familie des indonesischen Diktators Suharto ebenso als Portcullis-Kunden identifiziert werden wie Unterstützer des simbabwischen Autokraten Mugabe. Die Listen enthalten auch die Namen von 1.300 Kunden aus Europa und 4.000 Kunden aus den USA und Kanada.

Zusammenarbeit auf oberster Ebene

Das weltweite Geschäft von Portcullis würde dabei nicht ohne die Zusammenarbeit mit renommierter Banken und Finanzhäuser funktionieren. Neben der Deutschen Bank gehören unter anderem Credit Suisse und UBS zu den Geschäftspartnern von Portcullis sowie die Unternehmensberater PricewaterhouseCoopers, Deloitte und KPMG.