Sendedatum: 06.02.2016 17:30 Uhr

Yared Dibaba: "Mein La Gomera"

von Yared Dibaba

Die Fähre von Teneriffa bringt mich nach La Gomera. Allein die Anfahrt ist schon ein Erlebnis für sich. Ich hab mein Ziel vor Augen - und das wird immer größer. Die Insel La Gomera, ich habe schon so viel von ihr gehört. Habe Bekannte, die dorthin ausgewandert sind. Alle, die La Gomera schon besucht haben, sagten mir, ich muss diese wunderbare Insel unbedingt sehen.

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La Gomera grüßt mit blauem Himmel und Schäfchenwolken.

Nun habe ich sie vor mir. Karge Felsen und kleine weiße Pünktchen, aus denen langsam Häuser und Gebäude werden. San Sebastian, die Hauptstadt von La Gomera kommt immer näher und meine Vorfreude wird immer größer. Perfektes Wetter - blauer Himmel und ein paar Schäfchenwolken. Besser kann ein Willkommen nicht sein. La Gomera, ich komme!

Einfach gemütlich über die Insel cruisen

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Immer mit Ruhe und Muße unterwegs.

Ein Mietwagen ist auf der Insel ein Muss, wenn man sich dort umschauen möchte. Man ist unabhängig und kann fix und spontan von Ort zu Ort fahren und - wenn nötig - auch mal vor dem Regen fliehen, wenn es auf einmal heftigst von oben runter kommt. Das ist das Schöne an La Gomera, man ist innerhalb einer halben Stunde in einer ganz anderen Wetterzone. Es kann passieren, dass überraschend Regenwolken aufziehen und es dann Hunde und Katzen regnet. Aber auch im Regen ist die Insel wunderschön. Schietwedder is hier schietegol. Denn das Klima ist mild und die Luft ist einmalig und heilsam. Nur Sonnencreme sollte man immer dabei haben, denn auch wenn die Sonne nicht zu sehen ist, sie lacht die Insel ständig an. Die Haut wird es uns danken.

Die Reisegeschwindigkeit mit dem Auto sollte der Landschaft angepasst sein, also eher sinnig und nicht über die Insel rasen. Erstens wegen der Serpentinen, die nicht ganz ohne sind, und zweitens wegen der wunderschönen Landschaft. Wenn man durch die Gegend brettert, verpasst man die schönsten Dinge: die Täler, die Wälder und das Meer aus unterschiedlichsten Perspektiven. Also lieber gemütlich über die Insel cruisen.

Abwechslungsreiches La Gomera

Das Tal des großen Königs

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Die bunten Bergdörfer wirken malerisch in den Bergen.

Nach einer aufregenden Fahrt über Berge, durch Wälder und durch Tunnel von San Sebastian in den Westen ist man nach rund 90 Minuten in Valle Gran Rey, im Tal des großen Königs angekommen. Allein die Anfahrt ist königlich. Nachdem man den letzten Tunnel passiert hat, eröffnet sich einem eine atemberaubende Landschaft. Ein grünes Tal mit freiem Blick auf das Meer. Aber bevor man am Meer ankommt, darf man noch den Anblick malerischer Bergdörfer genießen.

Ein freundliches Hola zum Kaffee

Klein, fein und schnuckelig, am liebsten möchte man in jedes Haus reingehen, mit den Menschen schnacken und einen Kaffee trinken. Einen Cortadeo con Leche, einen kurzen Kaffee mit Milch. Das ist ein Espresso mit aufgeschäumter Milch und zusätzlich mit dickflüssiger, süßer Kondensmilch. Selbst für mich Kaffeepuristen, der seinen Kaffee sonst ohne alles trinkt, ist das ein absoluter Genuss. Die Gomeros machen einen besonders gastfreundlichen Eindruck auf mich. Ganz wichtig ist, immer ein freundliches Hola (gesprochen: Ola) zu rufen. Das ist so wie das norddeutsche Moin. Denn löppt dat ok.

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Wunderschön: Das Tal des Großen Königs.

Die Serpentinen schlängeln sich auf dem Weg ins Tal durch die Landschaft. Es gibt auch gelegentlich Haltebuchten, an denen man stoppen und noch ein Foto knipsen kann. Muss man aber nicht, man kann auch einfach den Blick ins Tal auf sich wirken lassen. Das Meer ist noch weit weg, der Wind weht durch die Schlucht und die Palmen wiegen sich hin und her. Alles scheint hier im Einklang miteinander zu sein. Was für ein Geschenk für die Menschen, die hier leben.

Mit Gomeros eine Paranda erleben

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Männer und Gitarren: Eine kleine musikalische Session.

Eine gomerische Paranda ist ein nettes Beisammensein mit Musik, Trinken und Essen. Mehr geht nicht. Wer eine Gitarre hat, sollte sie unbedingt mitnehmen, es gehen natürlich auch andere Instrumente. Hauptsache, man kann mitmachen. Die Jungs von der Paranda, auf der ich gelandet bin, sind total nett und gastfreundlich. Echte gomerische Musik und typische Leckereien von der Insel. Käse, Mojo (gesprochen: Mocho) - die berühmten grünen und roten Soßen -, Wurst und Gebäck - alles schmeckt. Und musikalisch werde ich auch gleich integriert. Nachdem wir Akkorde und Tonarten abgesprochen haben, geht es gleich los mit unserer kleinen Privatsession. Gomerische Folklore mit Texten über die schönste Insel der Kanaren, wie die Gomeros meinen. Sie lieben ihre kleine, grüne Insel. Und das drückt sich auch in ihren Liedern aus. Aber sie sind nie überheblich. Ich denke noch immer gerne an diesen schönen Abend. Gracias amigos!

Der perfekte Strand

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So sieht der perfekte Strand aus.

Es kann passieren, dass man dann am nächsten Tag etwas Erholung braucht. Entweder weil man zu lange gefeiert hat oder weil man einfach platt ist von einer langen Wanderung. Für einsame Momente empfehle ich den Playa de Ingles, den englischen Strand. Klein, einsam und feiner, schwarzer Sand. Das habe ich vorher noch nie gesehen. Ein schwarzer Sandstrand ist wirklich beeindruckend, denn das Wasser sieht dort ganz anders aus. Die Farben sind kräftiger. Man sollte hier aber nicht alleine ins Wasser gehen. Die Strömung ist sehr stark und unberechenbar. Aber wenn man erst einmal im Wasser ist, dann ist es eine reine Wohltat. Erfrischung pur. Und auch hier kann man auf einsame Musiker treffen, die den perfekten Soundtrack für diesen fast menschenleeren Strand mit Felsen im Hintergrund spielen.

Mit Djembes und Congas in die Nacht

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Buenas Noches, mit Musik ist ein Sonnenuntergang noch viel schöner.

Bevor aber die Sonne untergeht, empfehle ich rechtzeitig Richtung Valle Gran Rey zu gehen und zwar zur Strandpromenade. Der Weg dauert circa 20 Minuten. Dort, an der Strandpromenade, sitzen dann schon einige Sonnenanbeter und warten darauf, dass das tägliche Ritual losgeht. Die Sonne soll verabschiedet werden, aber nicht einfach so. Es treffen sich Trommler mit unterschiedlichsten Trommeln, gemeinsam bilden sie ein internationales rhythmisches Ensemble. Das Meer rauscht, die Sonne geht langsam unter und dazu die Klänge der Djembes und Congas. So kann man einen schönen Tag verabschieden, sich bei der Sonne bedanken und sich seelisch schon mal auf die Nacht vorbereiten. Buenas noches!

Dieses Thema im Programm:

Endlich Urlaub! | 06.02.2016 | 17:30 Uhr

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