Seite wird geladen
00:00:00 Uhr
live
  • 00:00:00 / 00:00:00
Startseite

Frauen in der Politik - Der lange Weg nach oben

00:00:00 Uhr
live
  • 00:00:00 / 00:00:00

Angela Merkel ist seit zwölf Jahren Kanzlerin. Mit ihr gehört die Frau in politischer Machtposition inzwischen zum Alltag in Deutschland.

In den vergangenen 20 Jahren haben sich in nahezu allen deutschen Parteien Frauen an die Spitze gekämpft. Politikerinnen wie Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen, Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries, Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles und Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig sowie die Linken-Fraktionsvorsitzende Sahra Wagenknecht und die stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende Julia Klöckner prägen unsere politische Landschaft.

Der Politikbetrieb ist trotzdem noch weitgehend männlich besetzt. Im Bundestag ist der Frauenanteil seit Jahren nahezu konstant, derzeit beträgt er rund 37 Prozent. Was bedeutet das für Frauen in der Politik? Sind sie wirklich schon völlig gleichberechtigt? Wird es Politikerinnen inzwischen vielleicht sogar erleichtert, Karriere im Bundestag zu machen?

00:00:00 Uhr
live
  • 00:00:00 / 00:00:00

 

Viele Politikerinnen sprechen inzwischen offen über die Hürden, die ihnen am Anfang ihrer Karriere von männlichen Kollegen in den Weg gestellt wurden. Der weibliche Parteinachwuchs ist auch heute noch Anfeindungen ausgesetzt, die meist nicht fachlich begründet sind.

Erst im September 2016 löste die 26-jährige Lokalpolitikerin Jenna Behrends mit einem offenen Brief an die CDU eine neue Debatte über den Sexismus in der Politik aus. Der damalige Berliner CDU-Landesvorsitzende Frank Henkel soll Behrends auf einer Veranstaltung "große süße Maus" genannt und später einen Parteifreund gefragt haben: "Fickst du die?" Generell habe es außerdem viele Gerüchte um ihren schnellen Aufstieg in der Partei gegeben - meist sexuelle Unterstellungen.

"Sexismus ist in der ganzen Gesellschaft ein Problem ­ und auch in der Politik haben fast alle Frauen das schon einmal erlebt."
SPD-Fraktionsvize Eva Högl

Nach den Sexismus-Vorwürfen Behrends’ berichteten einige Bundespolitikerinnen von ähnlichen Erfahrungen.

Das Macho-Problem

So verschieden die Politikerinnen, ihre Parteien und Aufgabenfelder auch sind, sie eint meist eine Erfahrung: Sie wurden aufgrund ihres Geschlechts von Macho-Kollegen angegriffen.

Ganz so weit scheint es mit der Gleichberechtigung von Mann und Frau also noch nicht gekommen. Frauen werden im Politikbetrieb auf jeden Fall nicht unabhängig von ihrem Geschlecht wahrgenommen. Was allein schon an den sexistischen Spitznamen von Politikerinnen deutlich wird.

Die aufstrebende Jung-Politikerin Angela Merkel nannten die Kollegen in Bonn:

"Kohls Mädchen"

Die Linken-Spitzenkandidatin Sahra Wagenknecht wird als

"rotes Teufelchen"

und

"schwarze Sirene"

bezeichnet.

Manuela Schwesig, die 2013 das Bundesfamilienministerium übernahm, verspotteten männliche Kollegen als

"Quotenfrau",

"weinerlich",

"Bestes Stück"

oder auch

"Küsten-Barbie".

00:00:00 Uhr
live
  • 00:00:00 / 00:00:00

 

Äußerlichkeiten

"Shitstorm auf Pumps"

Diesen Spitznamen bekam Julia Klöckner ab, die nicht nur gerne twittert, sondern auch auf die alte Politikerinnenuniform aus flachen Schuhen und kurvenkaschierenden Anzügen verzichtet.

Je besser eine Politikerin aussieht, umso größer scheinen noch immer Häme und Spott zu sein.

00:00:00 Uhr
live
  • 00:00:00 / 00:00:00

 

00:00:00 Uhr
live
  • 00:00:00 / 00:00:00

 

00:00:00 Uhr
live
  • 00:00:00 / 00:00:00

 

00:00:00 Uhr
live
  • 00:00:00 / 00:00:00

Das aktuellste Beispiel für sexistische Berichterstattung über Politikerinnen lieferte kürzlich die Tageszeitung "Daily Mail", die auf ihrer Titelseite ein Foto der schottischen Premierministerin Nicola Sturgeon und der britischen Premierministerin Theresa May zeigte. Die bei beiden Politikerinnen trafen sich, um über den Brexit zu beraten - die "Daily Mail" beschäftigte sich allerdings vorrangig damit, ihre Beine zu vergleichen.

Auf Twitter löste das eine Protestwelle aus. Ein Politiker schrieb: "Die 50er-Jahre haben angerufen und wollen ihre Headline zurück."

Einige bauten die Titelseite einfach um und stellten zum Beispiel Politiker in kurzen Hosen zum Beinvergleich nebeneinander. Was besonders eindrücklich zeigte, dass Körperbau und Kleidungsstil von Männern in politischen Führungspositionen selten kommentiert werden.

Vom Dreikönigstreffen der FDP im Jahr 2015 blieben auch vor allem die Schlagzeilen über die Hamburger Landesvorsitzende Katja Suding in Erinnerung. Auslöser war eine Kamerafahrt entlang der Beine der Partei-Chefin, die in der Tagesschau gezeigt wurde.

Seit der #Aufschrei-Debatte, ausgelöst von einem Artikel der Journalistin Laura Himmelreich, scheint man in Deutschland zumindest sensibilisiert für Sexismus in der Politik zu sein. Himmelreich beschrieb, wie Rainer Brüderle, damals Spitzenkandidat der FDP für die Bundestagswahl 2013, ihre Oberweite kommentierte.

Das erhöhte Sexismus-Bewusstsein in der Bundesrepublik hilft den Frauen in der Politik allerdings kaum. Immer noch werden Politikerinnen anders als ihre männlichen Kollegen behandelt.

00:00:00 Uhr
live
  • 00:00:00 / 00:00:00

Das politische Geschlecht

 

Angela Merkel gab einst den Anstoß zur Trennung von Helmut Kohl, der die CDU mit der Spendenaffäre belastet hatte. Sie übernahm als Parteivorsitzende – der Startschuss für ihren Aufstieg ins Kanzleramt.

„... es finden sich in einer Krise keine Männer. Wegen drohender Aussichtslosigkeit hält sich das Engagement in Grenzen. Generös wird gerne einer Frau der Vortritt gelassen, und dann ist man erstaunt, wie gut es läuft.“

Julia Klöckner (Focus.de, 07.10.2015)

Auch Julia Klöckner sagt, dass sie ihren Aufstieg in der rheinland-pfälzischen CDU Krisensituationen zu verdanken habe, die erst aussichtslos erschienen.

00:00:00 Uhr
live
  • 00:00:00 / 00:00:00

 

"Frauen sind nicht die besseren Menschen, aber sie haben andere Lebenserfahrungen. In einer Demokratie entsteht dann gute Politik, wenn möglichst viele unterschiedliche Lebenserfahrungen zur Geltung kommen. Deshalb sollte es mehr Frauen in Führungspositionen in der Politik geben."

Renate Schmidt, ehemalige Bundesfamilienministerin (SPD)

Credits

#BECKMANN

Credits

Autorin:
Anne Backhaus

Redaktion:
Bettina Meier
Frank Schulze

Redaktion: beckground tv

Zur Reportage "Frauen und die Macht: Manuela Schwesig, Julia Klöckner und Sahra Wagenknecht"

Musik:
"Cylinder Two" und "Cylinder Nine" by Chris Zabriskie
Licensed under Creative Commons Attribution (3.0 BY)

Hinweis: Die Multimedia-Doku ist auf Desktop-Nutzung optimiert. Auf einigen mobilen Geräten funktioniert das automatische Abspielen der Videos nicht. Bitte benutzen Sie den Play-Button links unten, um das Video per Hand zu starten.

Bitte scrollen, um weiterzulesen