Sendedatum: 20.01.2014 20:15 Uhr  | Archiv

Fall Prokon: Tipps für Kleinanleger

von Kathrin Schmid
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Viele Besitzer von Prokon-Genussrechten bangen um ihr Geld.

Die möglicherweise bevorstehende Insolvenz des Windanlagen-Finanzierers Prokon hat viele Kleinanleger aufgeschreckt: 75.000 Kunden steckten ihr Geld in Prokon-Genussrechte. Für viele Anleger war es offenbar verlockend, etwas Gutes für die Umwelt tun und dafür bis zu acht Prozent Zinsen pro Jahr zu kassieren. Dabei hatten Verbraucherschützer schon lange vor den Risiken der sogenannten Genussrechte gewarnt. Markt gibt Tipps, wie sich ein finanzielles Fiasko vermeiden lässt.

Alle wichtigen Antworten auf Fragen für Prokon-Anleger hat auch die Verbraucherzentrale Hamburg zusammengestellt.

Sind Genussrechte eine geeignete Anlageform für Kleinanleger?

Experten raten Privatanlegern, die eine relativ sichere Geldanlage suchen, grundsätzlich von Genussrechten ab. Denn diese unterliegen weder staatlicher Kontrolle, noch ist das investierte Geld durch die gesetzliche Einlagensicherung abgesichert, wie zum Beispiel auf Tagesgeldkonten bei EU-Banken bis zu einer Höhe von 100.000 Euro. Bei Genussrechten besteht die Gefahr des Totalverlusts. Sie sind damit risikoreicher als Anleihen. Unternehmen, die Genussrechte ausgeben, bieten deshalb meist auch höhere Zinsen.

Warum bieten Unternehmen Genussrechte an?

Genussscheine sind für Unternehmen eine Möglichkeit, relativ schnell und unkompliziert an frisches Geld zu kommen. Der Käufer erhält im Gegenzug regelmäßige Zinszahlungen, solange es dem Unternehmen entsprechend gut geht. Bei einer Insolvenz der Firma  werden Genussscheine aber erst nach den anderen Forderungen bedient.

Was unterscheidet Genussscheine damit von Aktien oder Anleihen?

Genussscheine haben eine Sonderstellung zwischen Aktien und Anleihen.

  • Im Unterschied zu Anleihen können die Zinszahlungen für die Genussschein-Besitzer auch gestrichen oder verschoben werden, wenn kein Gewinn anfällt.
  • Im Unterschied zu Aktien haben Genussrecht-Besitzer kein Mitspracherecht bei der Firma. Der Genussschein-Inhaber ist nur am Gewinn (oder Verlust) des Unternehmens beteiligt, nicht an dem Unternehmen selbst.

Sollten Genussrechte schärfer kontrolliert werden?

Angesichts der Tragweite des Prokon-Falles schätzen Experten, dass sich die Finanz- und Verbraucherpolitiker der Großen Koalition wohl schon in Kürze mit Konsequenzen befassen. In ihrem Koalitionsvertrag haben Union und SPD vereinbart, sich dem weitgehend unregulierten "grauen Kapitalmarkt" anzunehmen, auf dem etwa Genussscheine genauso wie geschlossene Fonds angeboten werden. Doch Regulierer und Finanzexperten sind sich einig: Gegen die Gier von Anlegern und windige Geschäfte nützen letztlich auch strengere Gesetze nur wenig.

Worauf ist bei der Geldanlage zu achten?

  • Eiserne Reserve

    Für unvorhergesehene Ausgaben empfehlen Finanzexperten der Verbraucherzentrale eine "eiserne Reserve" in Höhe von zwei bis drei Netto-Monatsgehältern. Diese sollte zum Beispiel auf einem Tagesgeldkonto angelegt werden. Dort ist das Geld täglich verfügbar.

  • Einlagensicherung

    Im Falle einer Bankenpleite sind Sparguthaben bei europäischen Banken bis zu einer Höhe von 100.000 Euro geschützt. Wer darüber hinaus Geld anlegen möchte, sollte es auf mehrere Banken verteilen, um bei einer Insolvenz der Bank kein Geld zu verlieren.

  • Risikoprämie

    Auf der Jagd nach Rendite sollten Sparer und Anleger das Risiko hoher Zinsen nicht aus den Augen verlieren: Anlageformen mit einem Zins, der deutlich über dem Marktniveau liegt, bergen ein höheres Risiko - etwa Zahlungsausfall oder Insolvenz.

  • Nur in Bekanntes investieren

    Investieren Sie nur in Anlageformen, die Sie verstehen. Wer beispielsweise nicht weiß, was ein Genussrecht, ein Turbo-Zertifikat oder eine Wandelanleihe ist, sollte sich zu solchen Anlagen auch von einem Bankmitarbeiter nicht überreden lassen.

  • Nicht alles auf eine Karte setzen

    Bei größeren Summen sollten Sparer und Anleger ihr Geld auf mehrere Anlageformen verteilen, zum Beispiel Tagesgeld, Festgeld, Aktien und Anleihen. Eine Beratung dazu bieten die  Verbraucherzentralen an.

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Dieses Thema im Programm:

Markt | 20.01.2014 | 20:15 Uhr

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