Stand: 30.07.2012 08:00 Uhr  | Archiv

Gute Milch - böse Milch?

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Echter Milchschaum ist für viele fast das Beste an einem Cappuccino oder einem Latte Macchiato. Manche Menschen können die darin enthaltene Laktose aber nicht verdauen.

Latte Macchiato, Hunderte von Joghurtsorten, Käsespezialitäten, das morgendliche Müsli - Milch ist für viele aus ihrem Speiseplan nicht wegzudenken und Milchprodukte ein Verkaufsschlager. Dafür sorgt auch das erfolgreich beworbene Image der Milch als gesundes Lebensmittel.

Doch nicht jeder verträgt sie: Etwa die Hälfte der Menschheit kann genetisch bedingt den Milchzucker (Laktose) in der Milch nicht verdauen. Ihr fehlt das dafür notwendige Enzym Laktase. Fast jeder fünfte Deutsche leidet unter dieser Laktoseintoleranz. Bei manchen Menschen entwickelt sich die Milchzuckerunverträglichkeit auch erst ab einem höheren Lebensalter.

Milch

Wenn wir schlicht von "Milch" sprechen, meinen wir in der Regel Kuhmilch. Dabei wird auch die Milch von anderen Nutztieren verwertet: etwa von Büffeln, Schafen
oder Ziegen.

Daneben gibt es auch Allergien gegen Milcheiweiße, deren Symptome denen der Unverträglichkeit ähnlich sein. Es kommt dann etwa zu Magen-Darm-Problemen oder auch sofortigem Erbrechen. Andere Anzeichen gleichen denen anderer Allergien: Die Haut juckt und rötet sich, es bilden sich Pusteln und die Nase bildet vermehrt Sekrete. Alternativen für Betroffene können Soja-, Reis- oder Hafermilch sein.

Milch zum täglichen Verzehr empfohlen

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Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt unter anderem auch Milch zum täglichen Verzehr - für gesunde Menschen.

Manche Forscher glauben, dass Milch auch für schwere Krankheiten wie Brust- oder Prostatakrebs verantwortlich sein könnte. Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) erklärt dazu, dass die "Studienlage hierzu nach wie vor nicht einheitlich" sei. Trotzdem empfiehlt die DGE den täglichen Verzehr von Milch - allerdings nur gesunden Menschen. Sie gilt in weiten Teilen der Bevölkerung und unter Milchbefürwortern immer noch als wichtiger Eiweiß- und vor allem Kalzium-Lieferant.

Das dem Bundeslandwirtschaftsministerium unterstellte Max Rubner-Institut (früher Bundesanstalt für Milchforschung) unterstützt diese Botschaft. "Wir decken bis zu 60 Prozent unseres Kalziumsbedarfs aus Milch und Milchprodukten", erklärt der Chemiker Dr. Michael de Vrese. "Vor allem in der Jugend bis 20 Jahre unterstützt Milch den Knochenaufbau, von dem wir dann unser Leben lang zehren. Im höheren Alter kann Kalzium dabei helfen, dass der Knochenabbau verlangsamt und vor allem bei Frauen die Osteoporose hinauszuzögern."

Vitamin-D-Mangel durch zu viel Milch?

Der Osnabrücker Dermatologe Professor Bodo Melnik sieht das jedoch anders. Milch ist aus seiner Sicht zwar nach der Geburt wichtig, aber nur im richtigen Maß: "Es gibt auch genügend Ernährungswissenschaftler, die sich da anschließen, in dem sie sagen, dass Milch eher Osteoporose macht". Das läge daran, erklärt der Arzt, dass der Konsum von Milchprodukten zu "hohen Überlastungen mit Kalzium" führe. Ein hoher Kalziumspiegel senke wiederum den Vitamin-D-Spiegel im Körper. Dabei sei Vitamin D aber genau für die Aufnahme von Kalzium in den Knochen und im Darm sehr wichtig.

Liefert Milch permanent Wachstumssignale?

Das sei nicht die einzige Gefahr, glauben manche Ärzte. Mit übermäßigem Milcheiweißkonsum während der Schwangerschaft könnte es auch zusammenhängen, dass immer mehr übergewichtige Babys auf die Welt kommen. Diese Neugeborenen haben ein erhöhtes Risiko später an Diabetes und Krebs zu erkranken. Bodo Melnik glaubt, dass Milch viel mehr als nur ein Nahrungsmittel sei, denn sie gebe über die in ihr enthaltenen Hormone Wachstumssignale an den menschlichen Körper. Zuviel Milch hat schlimme Folgen, davon ist der Arzt überzeugt. "Die Milch muss hier sicherlich ganz neu hinterfragt werden."

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Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: http://www.ndr.de/ratgeber/verbraucher/milch175.html