Stand: 02.12.2013 11:30 Uhr  | Archiv

Woher kommen Brennholz und Pellets wirklich?

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Holz als Brennstoff wird immer beliebter - ob als Kaminholz, Brikett oder Pellet.

Keine Frage: Holz ist ein nachwachsender Rohstoff. Kann das Wachstum des Waldes aber mit der steigenden Nachfrage nach Holz als Energielieferant mithalten? Immerhin lodern in Deutschland allein schon 15 Millionen Kaminöfen. Und jedes Jahr kommen 400.000 neue hinzu. Gleichzeitig werden Pelletheizungen und -öfen immer beliebter - zwar noch nicht in der Größenordnung wie Kaminöfen, doch das Deutsche Pellletinstitut verzeichnete im Jahr 2012 immerhin rund 278.500 mit Pellets befeuerte Kessel und Kaminöfen. Und vor drei Jahren wurde Holz in Deutschland erstmals mehrheitlich als Energielieferant und nicht stofflich (Möbel beispielsweise) verwendet, so das Zentrum für Holzwirtschaft an der Universität Hamburg. 2012 waren es bereits 73 Millionen Kubikmeter.

Rasant steigende Abholzung im EU-Ausland

Wer nicht gerade im Wald nebenan selbst einen Baum fällt, weiß jedoch in der Regel nicht, wo das Holz für die Pelletheizung oder den Kamin ursprünglich geschlagen wurde. Dass der Hunger nach Holz in Deutschland und anderen Ländern Europas allein aus nachhaltigem Anbau gestillt werden kann, scheint unwahrscheinlich. Denn anders als in Deutschland ist der Holzeinschlag in anderen europäischen Ländern nicht so streng beschränkt. Dem deutschen Wald geht es daher im europäischen Vergleich eigentlich ganz gut.

Während die Einschlagraten in Deutschland weitgehend konstant und sogar unter den Zuwachsraten der Bäume bleiben, ist die Entwicklung in anderen EU-Ländern eine ganz andere. Zwischen 2000 und 2010 ist der Holzeinschlag in Zentral-Osteuropa auf 56 Millionen Kubikmeter Holz pro Jahr gestiegen, eine Zunahme um 23 Prozent. Noch stärker ist der Einschlag in Südost-Europa gewachsen: im selben Zeitraum um fast 78 Prozent. Besonders hervorzuheben ist Bulgarien: Der ohnehin schon hohe Einschlag stieg um 107 Prozent - mit anderen Worten, er verdoppelte sich.

Zu wenig Kontrolle bei importiertem Holz

Ob aus dem EU-Ausland importiertes Holz aus illegalem Einschlag oder nachhaltiger Bewirtschaftung stammt, wird nicht ernsthaft kontrolliert. Seit Mai 2013 ist die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) dafür zuständig, gegen illegalen Einschlag und Handel mit Holz vorzugehen. Eine Überprüfung der 1.200 Holz-Importeure findet aber nur schriftlich statt, nicht vor Ort. Auf diese Weise wurden zudem bisher lediglich zwölf Importeure kontrolliert. Die Argumentaton des BLE: Die anderen EU-Mitgliedstaaten müssten selbst dafür sorgen, dass das Holz, das sie exportieren, aus nachhaltiger Wirtschaft stammt.

Ein Ende des Pellet- und Kaminholzbooms ist nicht abzusehen. Der Bedarf in Deutschland wird also weiterhin mit Importen teils aus zweifelhafter Herkunft gedeckt werden.

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