Stand: 24.07.2015 10:15 Uhr  | Archiv

Cappuccino-Pulver: Viel Zucker, wenig Kaffee

von Saskia Engels

Cappuccino steht für Kaffeegenuss auf italienische Art. Das Original besteht aus Espresso sowie heißer Milch und Milchschaum zu gleichen Teilen - insgesamt circa 150 Milliliter. Einfacher in der Zubereitung ist Cappuccino aus der Dose: Man muss nur Pulver mit heißem Wasser anrühren. Aber wie gut schmeckt der Fertigkaffee? Markt testet stichprobenartig fünf Sorten vom Discounter und von den größten Herstellern auf dem deutschen Markt:

  • Aldi  "Combo Cappuccino Classico" für 11 Cent pro Tasse
  • Melitta "Cappuccino Classico" für 11 Cent pro Tasse
  • Krüger "Cappuccino Fein und Cremig" für 12 Cent pro Tasse
  • Jacobs Momente "Cappuccino Classico" für 14 Cent pro Tasse
  • Nescafé  "Cappuccino Cremig Zart" für 22 Cent pro Tasse
(Zu diesen Preisen hat Markt eingekauft. Preise können sich ändern.)

Dosen-Cappuccino im Vergleich

Zuckerbomben mit vielen Kalorien

Auf den Packungen soll das Bild einer Tasse Cappuccino mit geschäumter Milch zum Kauf verführen. Doch mit echtem Cappuccino ist das Pulver aus der Dose nicht vergleichbar: Es besteht etwa zur Hälfte aus Zucker. Eine Tasse Cappuccino aus der Dose ist somit ziemlich süß und enthält so viele Kalorien wie zwei Stücke Schokolade. Der meiste Zucker steckt in den Produkten von Melitta (66 Prozent) und Krüger (60 Prozent). Bei Nescafé sind es 46 Prozent Zucker, bei Aldi 44 Prozent und bei Jacobs 43 Prozent.

Schöner Schaum durch Zusatzstoffe

Damit das Cappuccino-Pulver beim Zubereiten mit heißem Wasser Schaum bildet, müssen Hersteller tief in die chemische Trickkiste greifen. Für einen festen Schaum sorgen Zusatzstoffe wie Stabilisatoren und Trennmittel. Sie verhindern auch das Verklumpen des Pulvers. Ein cremiges Gefühl auf der Zunge erzeugen zum Beispiel gehärtete Pflanzenfette und -öle.

Ernährungswissenschaftler Stefan Koffinke sieht das kritisch. Er empfiehlt darauf zu achten, nicht zu viele Zusatzstoffe aus verschiedenen Produkten zu sich zu nehmen. Das Zusammenspiel dieser Stoffe könnte sich negativ auf die Gesundheit auswirken - eine möglicherweise unkalkulierbare Gefahr.

Fertigpulver enthält nur wenig Kaffee

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Viel Zucker, wenig Kaffee: Ernähungsexperte Stefan Koffinke kritisiert das Cappuccino-Pulver.

Die meisten Zusatzstoffe in der Stichprobe enthält der "Cappuccino Classico" von Melitta. Der Hersteller versucht vor allem mit Aromen und Extrakten Geschmack in den Cappuccino zu bringen. Löslichen Kaffee enthält das Pulver dagegen kaum, nur zu fünf Prozent - die geringste Menge im Vergleich. Bei Jacobs sind es 9,8 Prozent, bei Nescafé 14,6 Prozent, bei Krüger 15 Prozent und bei Aldi 16 Prozent. Für den geringen Kaffeegehalt hat Ernährungswissenschaftler Stefan Koffinke eine naheliegende Erklärung: "Der Kaffeegehalt wird so weit reduziert, wie es nur geht, weil es die teuerste Zutat ist."

Keiner schmeckte wie Cappuccino

Auch beim Geschmack kann Cappuccino aus der Dose nicht mit dem Original mithalten. Der Fertigkaffee schmeckte vor allem süß. Dennoch dürfen Hersteller das Produkt "Cappuccino" nennen, wenn sie zusätzlich das Wort "Typ" auf die Packung drucken. Meist ist die Schrift so klein, dass man die Bezeichnung erst bei einem genauen Blick auf die Packung entdeckt. Ein "Typ Cappuccino" ist nur so ähnlich wie Cappuccino. Man kann nicht davon ausgehen, dass er tatsächlich wie ein Cappuccino schmeckt.

Optische Tricks auf der Verpackung

Wer den Milchschaum seines Fertig-Cappuccinos nicht so hinbekommt wie auf der Verpackung gezeigt, kann das bei den Herstellern nicht reklamieren. Für diesen Fall haben sie sich mit dem winzig klein gedruckten Wort "Serviervorschlag" abgesichert. Das bedeutet: Der Cappuccino muss gar nicht so aussehen wie auf dem Bild.

Fazit: Richtig lecker ist nur das Original

In der Stichprobe kam Cappuccino aus der Dose nicht annähernd an die Qualität eines frisch zubereiteten Cappuccinos heran. Umso mehr tricksen die Hersteller auf der Verpackung und bei den Inhaltsstoffen. Wer leckeren Cappuccino trinken möchte, muss sich Zeit nehmen für das Kochen eines Espressos sowie das Erwärmen und Aufschäumen der Milch. Oder in ein gutes Café gehen.

Dieses Thema im Programm:

Markt | 27.07.2015 | 20:15 Uhr

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