Stand: 18.09.2015 10:02 Uhr  | Archiv

Weniger als ein Cent Gewinn pro Ei

von Claus Hesseling
Bild vergrößern
Günstig und beliebt: Für Eier müssen Verbraucher heute oft nur noch wenige Cent bezahlen.

Eier sind in den vergangenen Jahrzehnten immer billiger geworden. Teilweise verlangen Discounter aktuell gerade einmal 9 Cent pro Ei. Vor hundert Jahren waren Eier noch viel teurer. Nach Angaben der Jahrbücher des Statistischen Reichsamtes kosteten sie 1913 und 1914 in den deutschen Großstädten je nach Ort 8 bis 11 Goldpfennig. Eine Goldmark hat heute umgerechnet eine Kaufkraft von 4,87 Euro. Das bedeutet: Ein Ei kostete damals etwa 48 Cent.

Verbrauch hat sich verdoppelt

Der durchschnittliche Jahresverbrauch von Eiern hat sich von 1935 bis 2012 fast verdoppelt: 133 Eier pro Jahr und Kopf wurden 1935 verbraucht, 2012 stieg die Zahl auf 217 Eier. Fast jedes zweite Ei wird beim Discounter verkauft, nur rund 5 Prozent auf dem Wochenmarkt.

Eier - fast immer aus Norddeutschland

11,5 Milliarden Eier wurden 2014 in Deutschland in Legebetrieben mit mehr als 3.000 Tieren produziert. Fast jedes zweite stammte aus Norddeutschland. Niedersachen produziert 37 Prozent aller deutschen Eier, Mecklenburg-Vorpommern 6 und Schleswig-Holstein 3 Prozent. Zusätzlich zu den 11,5 Milliarden in Deutschland gelegten Eiern werden weitere sechs Milliarden aus dem Ausland importiert.

Bis zu 300 Eier pro Henne im Jahr

Bis in die 1940er-Jahre, als sich die Ei-Erzeugung zu professionalisieren begann, hielten viele Bauern Hühner für die Selbstversorgung. Die Hennen legten 70 bis 80 Eier pro Jahr. Einige Bauern wählten bereits die besten Hennen für die Nachzucht aus - diese Tiere schafften zwischen 120 und 150 Eier pro Jahr. Heute sind es durch Züchtung und spezielles Futter knapp 300. Die Legehennen sind damit fast an ihrer biologischen Leistungsgrenze angelangt. Diese Legeleistung können sie 80 bis 90 Wochen lang halten. Danach ist meist Schluss, die Tiere werden geschlachtet.

Brauchbar sind für die Eier-Produktion logischerweise nur die weiblichen Tiere. Tierschutzorganisationen kritisieren, dass bis zu 40 Millionen männliche Küken jedes Jahr geschreddert werden. Tierzuchtkonzerne - wie Legehennen-Weltmarktführer Lohmann Tierzucht in Cuxhaven - versuchen dieses Problem zu lösen. Neue Zuchtrassen sollen gleichzeitig gute Legeleistung bei den weiblichen Tieren und einen stattlichen Fleischansatz bei den männlichen Tieren ermöglichen.

Was verdienen die Landwirte?

Die Margen bei der Eierproduktion sinken seit Jahren. Wie das bundeseigene Thünen-Institut für Marktanalyse 2013 errechnet hat, sind die Verkaufserlöse der Landwirtschaft an den Verbraucherausgaben - also der Anteil, den der Bauer vom Ladenpreis bekommt - fast stetig gesunken. Blieben 1970 einem Bauern mit Legehennenhaltung 84 Prozent der Verkaufserlöse, waren es 2013 gerade einmal 37,5 Prozent. Abzüglich aller Kosten für Stall, Futter und so weiter bleibt den Bauern oft weniger als ein Cent Gewinn pro Ei. Sie können also nur überleben, wenn sie auf Masse produzieren. Der Preisdruck der Discounter setzt den Bauern derzeit stark zu. Viele haben für die Umstellung der Produktionsmethoden Kredite aufgenommen, um neue, oft größere Ställe zu bauen, die den Tieren mehr Platz bieten. Sie sind nun gezwungen, ihre Produktionskosten noch weiter zu senken. 

Produktion hat sich rasant verändert

Bild vergrößern
Legebatterien sind in der EU seit 2012, in Deutschland seit 2010 verboten. Nun leben die meisten Tiere in Bodenhaltung in Ställen.

Die Berichterstattung rund um die Geflügelhaltung hat in der Branche für eine kleine Revolution gesorgt. Bezifferte das Statistische Bundesamt den Anteil der konventionellen Käfighaltungsplätze 2008 noch auf 60 Prozent, waren die umstrittenen Käfige zwei Jahre später verschwunden. Denn Legebatterien sind in Deutschland seit dem 1. Januar 2010 verboten. Mittlerweile werden über 60 Prozent der Legehennen in Bodenhaltung gehalten. Das ist ein Stall, in dem sich die Hennen frei bewegen können. Jedoch können pro Quadratmeter Stallfläche bis zu neun Legehennen gehalten werden.

Sind Bio-Eier eine Alternative?

Noch ist die Zahl der Bio-Legehennen relativ gering. 2014 waren nur 8,7 Prozent der Hennenhaltungsplätze in der ökologischen Erzeugung zu finden. Viele Landwirte scheuen die hohen Anfangsinvestitionen oder befürchten, die Erzeugnisse nicht zu höheren Preisen verkaufen zu können. Ein weiterer Grund ist der Flächenverbrauch. Würden alle 17,8 Millionen Legehennen in Norddeutschland nach Öko-Standards (sechs Hühner pro Quadratmeter im Stall) gehalten, entspräche das einer Fläche von etwa 2.900 Quadratkilometern. Das wäre vier Mal die Fläche Hamburgs oder der gesamte Landkreis Emsland.

Bild vergrößern
Bio-Eier machen derzeit nur 8,7 Prozent der gesamten Produktion aus.

Bio-Eier sind zwar teurer, aber die Legehennen haben mehr Platz im Stall, Auslaufflächen im Freien und bekommen spezielles Futter, das überwiegend aus ökologischem Landbau stammen muss. Eine gute Wahl sind auch Eier von regionalen Erzeugern auf dem Markt. Grundsätzlich sollten Verbraucher auf die aufgedruckten Codes achten, sie geben genau Auskunft über Herkunft und Erzeuger. Ein Problem lässt sich jedoch nur schwer lösen: Bei Eiern, die in Fertigprodukten wie Nudeln verarbeitet werden, ist die Herkunft oft nicht nachzuvollziehen. Die Verbraucherzentrale Hamburg hat Unternehmen befragt und eine Übersicht zusammengestellt. Sie zeigt, welche Eier verschiedene Hersteller für ihre Produkte verwenden.

Weitere Informationen

Die Kennzeichnung von Eiern verstehen

Auch heute noch werden Legehennen in engen Käfigen gehalten. Doch immer mehr Menschen legen Wert auf Eier aus artgerechter Haltung. Wie erkennt der Verbraucher sie? mehr

Tipps: Eier gesund zubereiten

Gerührt, gekocht, gebraten: Wie sind Eier am gesündesten? Markt macht den Vergleich und gibt Tipps zum Einkauf, zur Lagerung und zur Zubereitung. mehr

 

Dieses Thema im Programm:

21.09.2015 | 21:00 Uhr

Preiskampf ums Essen

Gut und günstig essen: Das wollen die meisten Verbraucher. Doch wie kommt der Preis für Lebensmittel zustande? Das haben wir am Beispiel von Schweinefleisch, Äpfeln und Eiern untersucht. mehr