Sendedatum: 24.03.2014 20:15 Uhr  | Archiv

Was tun, wenn die Eltern Hilfe brauchen?

Bild vergrößern
Wenn ein Angehöriger zum Pflegefall wird, stellt das die ganze Familie auf eine Belastungsprobe.

Keiner beschäftigt sich gerne mit dem Thema Pflege. Dabei kann es jeden treffen: Die eigenen Eltern können ihr Leben nicht mehr allein führen, sind auf fremde Hilfe angewiesen. Manchmal ist das ein schleichender Prozess, manchmal geschieht es durch einen Schlaganfall oder einen Sturz. Rund 2,5 Millionen Menschen sind in Deutschland pflegebedürftig. Doch was tun, wenn der Pflegefall eintritt? Wer seine Rechte kennt, kann die schwierige Situation besser meistern.

Welche ist die erste Anlaufstelle?

Sind die eigenen Eltern pflegebedürftig, müssen die Angehörigen zunächst einen "Antrag auf Leistungen" stellen. Wenden Sie sich an Ihre Krankenversicherung, die auch für die Pflegeversicherung zuständig ist. Betroffene haben Anspruch auf umfassende Beratung. Auf Wunsch erhalten sie einen Gutschein für die Beratung in einer unabhängigen und neutralen Beratungsstelle, zum Beispiel bei einem örtlichen Pflegestützpunkt. Die Beratung soll bei allen Pflege-Problemen helfen, zum Beispiel bei der Suche nach einem geeigneten Heim oder beim altersgerechten Umbau einer Wohnung.

In dieser Phase ist besonders wichtig:

  • Beraten Sie sich innerhalb der Familie!
  • Klären Sie den finanziellen Spielraum!
  • Lassen Sie sich in einem Pflegestützpunkt beraten!

Wie viel Geld zahlt die Pflegeversicherung?

Sobald Sie Pflegeleistungen beantragt haben, beauftragt die Pflegeversicherung den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK). Ein Vertreter des MDK erstellt ein Gutachten, ob und in welcher Höhe einem MenschenLeistungen aus der Pflegeversicherungen zustehen. Es ist wichtig, den Besuch des Gutachters gründlich vorzubereiten:

  • Führen Sie ein Pflegetagebuch. Schreiben Sie auf, wobei der Betroffene Hilfe benötigt, zum Beispiel beim Waschen, Anziehen, Essen und wie viel Zeit dafür nötig ist.
  • Seien Sie ehrlich: Beschönigen Sie nichts, aber stellen Sie die Situation auch nicht zu schlecht dar.
  • Empfangen Sie den Pflege-Prüfer nicht allein. Bei späteren Streitigkeiten sind Zeugen wichtig.

Service

So bekommen Sie die richtige Pflegestufe

Voraussetzung für Zahlungen aus der Pflegekasse ist eine Pflegestufe. Doch die wird Hilfebedürftigen oft verwehrt. Worauf kommt es an und wer berät im Pflegefall? mehr

Worauf ist bei der Wahl des Pflegedienstleisters zu achten?

Klären Sie, ob jemand aus der Familie oder ein ambulanter Pflegedienst Ihren Eltern zur Seite stehen soll. In vielen Fällen lässt sich Hilfe aus der Familie mit einem professionellen Pflegedienst kombinieren. Manchmal bietet sich auch ein Mehrgenerationenhaus an, ein Miteinander von Jung und Alt. Ist die Pflege zu Hause nicht möglich, informieren Sie sich über stationäre Pflegeeinrichtungen.

Wer ein Pflegeheim für alte Menschen sucht, orientiert sich häufig an den sogenannten Transparenznoten des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen, die im Internet veröffentlicht werden. Nach Recherchen des NDR Fernsehens für die Sendung "Der Pflege-Check" haben diese Noten allerdings wenig Aussagekraft.

"Transparenznoten" schaffen keine Transparenz

"Wenn wir uns ansehen, dass der Landes-Durchschnittswert bei der Bewertung von Pflegeeinrichtungen bei 1,4 liegt, dann bleibt natürlich nicht mehr viel Spannweite, um eine gute von einer weniger guten Einrichtung auseinander zu halten", sagt Dr. Martin Schünemann, Abteilungsleiter "Pflegeversicherung" des MDK-Nord. Das System der Benotung biete nicht die gewünschte Transparenz. Noch vor wenigen Jahren lag der Durchschnitt bei einer Note von 3,7. Dr. Martin Schünemann: "Ich glaube nicht, dass die Pflege in dem Maß besser geworden ist, wie die Noten einem suggerieren."

Deshalb sollten sich Angehörige bei der Auswahl einer geeigneten Pflegeeinrichtung nicht allein auf die Transparenznoten verlassen, sondern zusätzlich folgende Entscheidungshilfen beachten:

  • Heim in der Nähe von Freunden und Familie suchen
  • Heime unangemeldet besichtigen
  • Heimbewohner nach Erfahrungen fragen

Wo findet man Hilfe bei Ärger mit der Pflegeversicherung?

Wird der Antrag auf Pflegeleistungen abgelehnt oder gibt es aus Ihrer Sicht zu wenig Geld aus der Pflegekasse, legen Sie umgehend Widerspruch gegen das Gutachten ein und fordern Sie eine Kopie an. Nur mithilfe der Angaben im Gutachten lassen sich mögliche Fehler erkennen. Nach einem Widerspruch müssen die Angaben im Gutachten noch einmal überprüft werden. Ein abgelehnter Pflegeantrag ist für die Betroffenen und ihre Angehörigen eine zusätzliche Belastung. Hilfe in der schwierigen Situation bieten Pflegenottelefone.

Dieses Thema im Programm:

| 24.03.2014 | 20:15 Uhr

Mehr Ratgeber

11:37

Saiblingsfilet auf Mandel-Basmatireis

18.10.2017 16:20 Uhr
Mein Nachmittag
03:33

Wie legt man eine Streuobstwiese an?

18.10.2017 19:30 Uhr
Nordmagazin
43:29

Amrum... mit Judith Rakers

18.10.2017 21:00 Uhr
NDR Fernsehen