Stand: 10.01.2016 10:00 Uhr

Pflanzengifte in Kräutertees nachgewiesen

von Saskia Engels

Kräutertees namhafter Hersteller sind zum Teil mit Pflanzengiften in einem Maße verunreinigt, dass deren Aufnahme als gesundheitlich bedenklich eingestuft wird. Bei einer Laboranalyse im Auftrag von Markt wurden in einer Stichprobe in vier von sechs Pfefferminz- und Kräutertees sogenannte Pyrrolizidinalkaloide (PA) entdeckt. Diese können zu Leberschädigungen und Leberkrebs führen.

Untersucht wurden drei Pfefferminztees und drei Kräutermischungen:

  • "Ja! Pfefferminze" von Rewe für 49 Cent
  • "Minze" von Teekanne für 1,99 Euro
  • "Westminster Pfefferminze" von Aldi für 49 Cent
  • "Kloster Kräuter Mischung" von Edeka für 99 Cent
  • "Kräuter pur würzig frisch" von Meßmer für 1,99 Euro
  • "Lord Nelson 6 Kräuter" von Lidl für 89 Cent

Kräutertees im Labortest

Toxikologe: Schon geringe Mengen können Krebs auslösen

"Es besteht die Möglichkeit, dass geringste Mengen ausreichen, um Krebs zu verursachen", sagt der Toxikologe Prof. Edmund Maser von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Er fordert, dass jegliche Lebensmittel - so auch Tees - frei von PA sein sollten. Die Gifte sind in Unkraut enthalten, das zwischen den Teekräutern wächst.

Pflanzengifte im Pfefferminztee von Rewe

Zwar gibt es keinen gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwert. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat jedoch für PA eine Höchstaufnahmemenge errechnet. Diese liegt für einen Erwachsenen bei 0,42 Mikrogramm pro Tag. Bei einem Pfefferminztee der Rewe-Eigenmarke ermittelte das Labor eine PA-Menge von 0,67 Mikrogramm pro Tasse. Das Unternehmen teilte dem NDR auf Anfrage mit, dass es bereits umfangreiche Maßnahmen zur Minimierung der Gehalte durchführe.

Video
06:12 min

Pflanzengifte in Kräutertees nachgewiesen

11.01.2016 20:15 Uhr
Markt

Einige Kräutertees namhafter Hersteller sind mit Pflanzengiften verunreinigt, die zu Leberkrebs führen können. Nur in zwei von sechs Stichproben war kein Pflanzengift nachweisbar. Video (06:12 min)

Edeka-Kräutertee nur knapp unter Höchstaufnahmemenge

Ein Kräutertee der Edeka-Eigenmarke enthielt 0,36 Mikrogramm pro Tasse. Diese Menge ist laut Toxikologe Prof. Edmund Maser geeignet, um die vom BfR empfohlenen Höchstaufnahmemenge schnell zu erreichen. Edeka weist darauf hin, dass es keinen gesetzlich festgelegten Grenzwert gebe. Dennoch wolle das Unternehmen mit seinem Lieferanten ein Minimierungskonzept umsetzen.

Geringe Mengen Pflanzengift in Tees von Aldi und Meßmer

Auch im Pfefferminztee von Aldi und im Kräutertee des Herstellers Meßmer wurde das Labor fündig - jedoch in geringerem Maße. Der Tee von Aldi enthielt 0,02 Mikrogramm PA pro Tasse, das Produkt von Meßmer 0,005 Mikrogramm. Beide Unternehmen teilten mit, dass sie Maßnahmen ergriffen hätten, um den PA-Gehalt zu verringern. Nur im Pfefferminztee von Teekanne und im Kräutertee Lord Nelson von Lidl war kein Pflanzengift nachweisbar.

So gelangen die Pflanzengifte in den Tee

Einige Pflanzen wie das Jakobskreuzkraut produzieren Pyrrolizidinalkaloide (PA), um sich vor Fressfeinden und Schädlingen zu schützen. Bei maschineller Ernte der Teekräuter geraten die Giftpflanzen, die zwischen den Teepflanzen wachsen, mit in das Erntegut. PA sind wasserlöslich und temperaturbeständig. Schon geringste Mengen reichen aus, um die Leber dauerhaft zu schädigen und krebsfördernd zu wirken.

Pyrrolizidinalkaloide - gefährliche Pflanzenstoffe

Pyrrolizidinalkaloide, kurz PA, sind Stoffe, die einige Pflanzen zur Abwehr von Fressfeinden bilden. Insgesamt gibt es mehr als 500 verschiedene PA, die in 6.000 unterschiedlichen Pflanzen vorkommen. In unseren Breiten enthält beispielsweise das Jakobskreuzkraut, das Greiskraut oder der Natternkopf Pyrrolizidinalkaloide. In größeren Mengen kann der toxische Stoff Leber und Lunge schädigen. Dem Bundesinstitut für Risikobewertung zufolge sind PA beispielsweise in Kräutertees, Getreide, Salaten, Blattgemüsen und Honigen nachgewiesen. Untersuchungen haben geringe PA-Werte bei deutschem Honig aufgezeigt. Eine akute Gefährdung der Gesundheit ist laut BfR jedoch unwahrscheinlich. Aus Afghanistan sind Todesfälle durch belastetes Getreide bekannt. Gesetzliche Grenzwerte für PA in Lebensmitteln oder Futtermitteln gibt es bislang nicht.

Dieses Thema im Programm:

Markt | 11.01.2016 | 20:15 Uhr