Stand: 02.11.2015 11:54 Uhr

Regenjacken richtig imprägnieren

von Annette Niemeyer

Die meisten Regen-, Outdoor- und Funktionsjacken weisen Wasser von außen ab und lassen Schweiß durch den Stoff nach außen. Das funktioniert aber nur, solange die Regenkleidung neu ist. Nach häufigem Tragen und Waschen hält sie nicht mehr dicht, weil die Imprägnierung durch Abrieb verloren geht. Wer nicht nass werden will, muss die Kleidung neu imprägnieren. Markt hat drei Imprägniermittel ausprobiert, die ohne umstrittene Fluorcarbone auskommen (Preise pro 100 Milliliter):

  • Fibertec Green Guard RT Pumpspray aus dem Outdoorladen für 3 Euro
  • Hitec Schaum von Deichmann für 2,50 Euro
  • Einwaschimprägnierer Bionicdry aus dem Drogeriemarkt für 2 Euro

Markt hat die Imprägniermittel mit zwei Probandinnen in einem Praxistest ausprobiert. Im Labor der Öffentlichen Prüfstelle für das Textilwesen an der Hochschule Niederrhein wurde geprüft, wie wasserfest und atmungsaktiv die Imprägniermittel sind.

Regenkleidung: Imprägnierer im Vergleich

Fluorcarbone in herkömmlichen Imprägniersprays

Die meisten Universalsprays können zum Imprägnieren von Textilien und Leder verwendet werden. Sie sollen vor Wasser, aber auch vor ölhaltigen Verschmutzungen schützen. Deshalb kommen in der Regel Fluorcarbone zu Einsatz. Die Verbindungen gehören zur Gruppe der per- und polyfluorierten Chemikalien (PFC). Die Substanzen sind wasser-, fett- und schmutzabweisend. Sie werden auch in Teppichen, Möbelstoffen, Pizzakartons und Pappbechern verwendet.

Warum sind die Chemikalien so gefährlich?

Substanzen der PFC-Gruppe sind  äußerst langlebig und können nicht in Kläranlagen abgebaut werden. Einige reichern sich im menschlichen Körper an und werden über die Muttermilch weitergegeben. Umweltschützer sind besorgt, dass PFC bald auch im Trinkwasser nachweisbar sein könnten. Zur PFC-Gruppe gehören zum Beispiel auch Perfluoroktansäure (PFOA) und Perfluoroktansulfonsäure (PFOS). Beide gelten laut Umweltbundesamt als krebserregend und fruchtbarkeitsschädigend.

Wie umweltfreundlich sind fluorcarbonfreie Imprägnierer?

Auf den Flaschen der Imprägniermittel ist die Rezeptur in der Regel nicht abgedruckt. Doch die Hersteller haben Auskunft gegeben. Die Wirkstoffe beurteilt Diplom-Chemiker Manfred Santen von Greenpeace:

  • Die Hauptwirkstoffe im Fibertec Green Guard RT Pumpspray sind Polysiloxane und Polyurethan – nach Ansicht Santens keine "grüne" Chemie, aber in der Natur deutlich besser abbaubar als Fluorcarbone.
  • Im Hitec Schaum ist der Hauptwirkstoff ein fluorfreies Polymer auf Wachsbasis. Manfred Santen zufolge ist die Substanz deutlich besser abbaubar als Fluorcarbone und deshalb besser für die Umwelt.
  • Beim Einwaschimprägnierer Bionicdrywirken Polysiloxane und Polyacrylate. Auch hier sind die Wirkstoffe besser abbaubar als bei herkömmlichen Treibgas-Imprägniersprays. Aber: Wirkstoffe, die nicht am Stoff haften, gelangen ins Abwasser und müssen in der Kläranlage gereinigt werden.

Wie wendet man die Imprägniermittel an?

Bei der Anwendung gibt es einiges zu beachten:

  • Das Fibertec Green Guard RT Pumpspray darf nur im Freien oder in gut belüfteten Räumen verwendet werden. Laut Warnhinweis sind dabei Schutzhandschuhe, Schutzkleidung, Augenschutz und Gesichtsschutz tragen. Die mit dem Pumpspray behandelte Kleidung muss für eine optimale Wirkung erhitzt werden - entweder mit dem Bügeleisen oder im Trockner.
  • Auch der Hitec Schaum von Deichmann darf nur im Freien oder in gut belüfteten Räumen angewendet werden. Nach nur einer Jacke ist die Flasche fast leer.
  • Der Einwaschimprägnierer Bionicdry kommt einfach zusammen mit der Outdoor-Kleidung in die Waschmaschine. Die Kleidung kann anschließend auf der Leine getrocknet werden.

Fazit: Nur für kurze Regenschauer geeignet

Im Labortest erweisen sich die drei Imprägniermittel als atmungsaktiv. Bei der Beregnungsprüfung nach dem Bundesmann-Prüfverfahren haben sie aber relativ schnell Wasser durchgelassen. Die Prüfung ist realitätsnah, gilt in der Branche aber als relativ hart. Kurze Regenschauer dürften die Imprägniermittel zwar aushalten, aber bei häufigem Einsatz muss man nachimprägnieren.

Tipp: Einige Reinigungen und Outdoor-Läden bieten eine Wiederauffrischung der Imprägnierung an, manchmal auch umweltfreundlich mit Bienenwachs und Paraffinen. Meist hält die Auffrischung etwas länger als die selbst aufgebrachte Imprägnierung.

Das sagen die Hersteller

  • Deichmann zur Prüfmethode

    Der Hitec Schaum habe in eigenen Tests und auch bei Stiftung Warentest besser abgeschnitten.

  • Fibertec zur Prüfmethode

    Keine Imprägnierung könne unter Druck dem Wasser über einen längeren Zeitraum standhalten.

  • Erdal zur Prüfmethode

    Der Einwaschimprägnierer Bionicdry sei für eine Nachimprägnierung entwickelt worden, also für eine Auffrischung der wasserabweisenden Funktion eines Textils. Zur Ermittlung der wasserabweisenden Eigenschaften eines Nachimprägniermittels sei die Bundesmann-Prüfung ungeeignet.

  • Fibertec zum Warnhinweis auf der Packung

    Es habe eine Änderung der Kennzeichnungsvorschriften für Chemikalien gegeben. Seitdem müsse der Hinweis auf Schutzkleidung auch bei vielen Substanzen auf der Verpackung stehen, die bisher kennzeichnungsfrei waren. Fibertech sieht aber bei fachgerechter Anwendung keine Gefahr gesundheitlicher Beeinträchtigungen.

zurück
1/4
vor

 

Dieses Thema im Programm:

Markt | 02.11.2015 | 20:15 Uhr