Stand: 12.10.2017 18:46 Uhr

Rechte und Pflichten eines Berufsbetreuers

Bild vergrößern
Auch das gehört zu den Aufgaben eines Berufsbetreuers: In der Wohnung eines Klienten, der im Heim ist, Fotoalben suchen.

Die Vorstellung, dass ein von staatlicher Stelle beauftragter Betreuer Geld- oder sogar Gesundheitsangelegenheiten für einen regelt, ist für viele Menschen beunruhigend. Nicht von der Hand zu weisen ist, dass es unter Berufsbetreuern schwarze Schafe gibt. In der Regel bieten sie jedoch echte Lebenshilfe. Zudem werden rechtliche Betreuer staatlich kontrolliert. Wie funktioniert das genau? Woran erkennt man gute Betreuer und welche Rechten und Pflichten haben sie?

Kennzeichen eines guten Betreuers

Einen guten rechtlichen Betreuer auf Anhieb zu erkennen, ist schwierig. Folgende Kriterien helfen aber bei der Suche:

  • Der Berufsbetreuer arbeitet zum Beispiel in einem Betreuungsverein oder mit anderen Betreuern in einer Bürogemeinschaft zusammen, sodass sie sich gegenseitig im Urlaubs- und Krankheitsfall vertreten können. Ist der Betreuer nämlich nicht erreichbar, können nur von ihm beauftragte/bevollmächtigte Personen handeln, es sei denn, das Gericht bestellt einen Vertretungsbetreuer.
  • Die Qualifikation des Betreuers: Er hat einen Hochschulabschluss, der für diesen Bereich geeignet ist, wie etwa Sozialpädagogik, Rechtswissenschaften oder Psychologie.
  • Der Berufsbetreuer berät sich mit Kollegen über seine Klienten, nimmt an einer externen Beratung (Supervision) teil und/oder bildet sich regelmäßig fort.
  • Er arbeitet nach erklärten ethischen Richtlinien, die er beispielsweise auf seiner Homepage veröffentlicht hat.
  • Er arbeitet nach einem bestimmten Handlungskonzept, etwa dem sogenannten Betreuungsmanagement. Ein guter Betreuer wird, wenn möglich, bestimmte Ziele zusammen mit seinem Klienten vereinbaren. Wenn es möglich ist und dem Klienten hilft, wird auch das soziale Umfeld eingebunden.
  • Der Betreuer hat feste Sprechzeiten im Büro, sodass ihn seine Klienten auch ohne Termin aufsuchen können.
  • Er bietet Hausbesuche an.

Ehrenamtliche Betreuung

Betreuungstellen

Die Betreuungsbehörde berät Menschen zu den Themen Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung. Sie schlägt zudem einen möglichen Betreuer vor. Über den Einsatz einer rechtlichen Betreuung und die endgültige Wahl des Berufsbetreuers entscheidet jedoch das Betreuungsgericht.

Grundsätzlich hat die ehrenamtliche Betreuung Vorrang vor der Berufsbetreuung. Das heißt, wenn es etwa einen Ehepartner gibt, wird dieser vom Betreuungsgericht gefragt, ob er damit einverstanden ist, diese Rolle zu übernehmen. Das Gericht und auch die Betreuungsbehörde prüfen, ob der Ehepartner dafür geeignet ist. Man kann auch im Vorwege in einer Betreuungsverfügung festlegen, wer im Krisenfall eine Betreuung übernehmen soll. Auch diese Person wird von behördlicher Seite überprüft. Das ist nicht der Fall, wenn ein Mensch aufgrund einer Vorsorgevollmacht damit beauftragt ist, für jemanden nur rechtliche Angelegenheiten zu regeln.

Nur, wenn es keine Angehörigen oder Freunde gibt, die dazu bereit sind, wird ein Berufsbetreuer bestellt. Zumindest lauten so die gesetzlichen Vorgaben, die aber nicht immer entsprechend umgesetzt werden. Kostenfreie Beratung, etwa zu den Aufgaben, die auf sie zukommen, können ehrenamtliche Betreuer in Betreuungsvereinen erhalten.

Ehrenamtliche Betreuer haben, wenn sie vom Betreuungsgericht bestellt sind, nicht nur die gleichen Aufgaben wie Berufsbetreuer, sie werden auch genauso kontrolliert. Dabei ist es egal, ob es sich um Freunde oder Familienmitglieder handelt. Angehörige ersten Grades wie Eltern, Ehepartner oder Kinder sind allerdings nicht verpflichtet, beispielsweise über Geldbewegungen Rechenschaft abzulegen. Sie müssen lediglich ein Mal im Jahr einen formlosen Bericht verfassen. 

Betreuungsbehörde schlägt bei Bedarf einen Betreuer vor

Ein professioneller rechtlicher Betreuer muss sich persönlich bei der Betreuungsbehörde seines Einsatzgebietes bewerben, seine Qualifikation darlegen und gesicherte wirtschaftliche Verhältnisse nachweisen. Wird er von der Behörde in den Stamm der örtlichen Betreuer aufgenommen, stellt er sich zudem bei den Betreuungsgerichten und den Einrichtungen vor, in deren Region er arbeiten möchte. Bei Bedarf schlägt die Betreuungsbehörde dem Gericht einen der Betreuer vor, den sie in ihrem Pool führt. Es sei denn, es findet sich ein ehrenamtlicher Betreuer. Betreuer vertreten ihre Klienten gerichtlich und außergerichtlich in den vom Betreuungsgericht festgelegten Aufgabenbereichen:

  • Beispiel Gesundheit: Die behandelnden Ärzte sind gegenüber dem Betreuer zur Auskunft verpflichtet. Dieser kann in medizinische Behandlungen anstelle des Betroffenen einwilligen oder diese ablehnen. Solange er die Tragweite der Erkrankung und (Nicht-)Behandlung versteht, kann und muss der Betroffene allerdings selbst entscheiden. Der Betreuer ist auch an Patientenverfügungen gebunden und muss diese durchsetzen, wenn der Betroffene es nicht mehr selbst kann.
  • Beispiel Vermögenssorge: Der Betreuer kann sich bei den Banken über die Höhe des Vermögens seines Klienten informieren, dessen Konto verwalten und Rechnungen begleichen, wenn dieser sein Vermögen selbst nicht mehr verwalten kann.

Kontrolle der Betreuer

Berufsbetreuer müssen jährlich einen Bericht an das Betreuungsgericht schreiben. Darin geht es nicht nur um die finanzielle Situation des Klienten, sondern auch um Veränderungen der Lebenssituation zum Beispiel. Der Betreuer muss auch in Bezug auf Vermögen, das sie verwalten Rechenschaft ablegen. Sie sind zudem verpflichtet, einen Betreuungsplan zu erstellen, damit das Gericht prüfen kann, ob die Betreuungsführung effizient ist.

Darin wird etwa festgehalten, welche Ziele bis erreicht werden sollen und welche Schritte dafür unternommen werden müssen. Gerade bei jüngeren Menschen, die etwa aufgrund einer Krisensituation eine Betreuung haben, ist zum Beispiel das Hauptziel, dass diese wieder aufgehoben werden kann. Klienten mit einer Demenz-Erkrankung werden hingegen bis zum Lebensende auf eine Betreuung angewiesen sein. Kurzfristige Ziele einer Betreuung können sein: die finanzielle Situation oder die gesundheitlichen Versorgung sicherzustellen.

Links

Vorsorgevollmacht, Betreuungs- und Patientenverfügung

Informationen und Broschüren des Bundesjustizministeriums zu den Themen. extern

Manche Entscheidungen des Betreuers sind genehmigungspflichtig: Möchte er etwa die Wohnung seines Klienten kündigen oder verkaufen, braucht er dazu eine Genehmigung des Betreuungsgerichts. Dieses muss den Betreuten in so einem Fall persönlich anhören und sich ein eigenes Bild machen. Ist dieser nicht in der Lage, dem Verfahren eigenständig zu folgen, kann das Gericht ihm einen Verfahrenspfleger zur Seite stellen.

Der Verfahrenspfleger stellt sicher, dass der Betroffene rechtlich Gehör findet. Ist er nicht selber in der Lage, zum Beipsiel Rechtsmittel gegen einen Beschluss einzulegen, kann dies der Verfahrenspfleger für den Klienten erledigen. Der Betroffene bleibt so in allen Instanzen verfahrensfähig.

Einstieg in den Beruf

Es gibt keine eigene Ausbildung für Berufsbetreuer. Allerdings eignen sich einige Studiengänge besonders zur Vorbereitung auf den Beruf: etwa Sozialpädagogik, Rechtswissenschaften oder Psychologie. Entscheidend sollten vor allem fundierte Kenntnisse sein in folgenden Bereichen sein:

  • im Betreuungsrecht
  • im Sozialleistungsrecht
  • im Bereich der psychiatrischen und Alterserkrankungen
  • über die Versorgungsstruktur der betroffenen Menschen wie Einrichtungen für Senioren, Behinderte oder psychisch Kranke
Die Betreuungsstellen oder -behörden der Bezirksämter, beziehungsweise der Stadt- oder Kreisverwaltungen, bieten Einsteigern eine Einführung in die Tätigkeit an.

Weitere Informationen

Eine Vorsorgevollmacht richtig nutzen

Im Prinzip ist das Aufsetzen einer Vorsorgevollmacht für jeden Erwachsenen sinnvoll. Was ist dabei zu beachten? Wer kommt als Bevollmächtigter in Frage? mehr

Rechtliche Betreuung kann echte Lebenshilfe sein

Das Betreuungsgesetz ist gut, wenn es von allen Beteiligten verantwortungsvoll umgesetzt wird. Wir informieren, wann Betroffene die rechtliche Unterstützung bekommen. mehr

Dieses Thema im Programm:

45 Min | 16.10.2017 | 22:00 Uhr

Mehr Ratgeber

11:45

Herbstbepflanzung für den Balkon

19.10.2017 16:20 Uhr
Mein Nachmittag
05:11

Heiße Gewürzschokolade für kalte Tage

19.10.2017 16:20 Uhr
Mein Nachmittag
03:33

Wie legt man eine Streuobstwiese an?

18.10.2017 19:30 Uhr
Nordmagazin