Stand: 02.12.2013 11:02 Uhr  | Archiv

"Nachhaltig ist es nie, Holz zu verbrennen"

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Forstexperte Lutz Fähser sieht die energetische Nutzung von Holz eher skeptisch.

Viele Verbraucher setzen auf Holz statt Öl, weil ihnen die Energie nicht nur ökonomischer, sondern auch ökologischer erscheint. Ob das stimmt, erklärt Forstexperte Lutz Fähser im Interview mit NDR.de.   

Immer mehr Verbraucher in Deutschland benutzen Brennholz, um Kosten einzusparen. Andererseits ist das Holz dafür - mit Preisen von über 100 Euro pro Festmeter - nirgendwo so teuer wie hier. Ist es trotzdem ökonomisch vorteilhaft, mit Holz zu heizen?

Lutz Fähser: Der Brennwert von Holz ist gegenüber Öl und Gas noch immer circa 40 Prozent billiger. Allerdings nur, wenn man einige Faktoren nicht einrechnet: den Aufwand der Zerlegung des Holzes, des Trocknens, des Speicherns, des Transportierens und so weiter. Tatsächlich ist die Handelskette vom Abholzen bis zum Abnehmer hier in Deutschland verheerend schlecht. Auch die Technik der Öfen ist oftmals uneffektiv.

Der Interviewpartner

Lutz Fähser ist langjähriger Experte in Sachen Waldschutz und Holzwirtschaft. Er war Forstdirektor im Sachsenwald bei Hamburg, Leiter des Stadtwaldes Lübeck und hat an Waldprojekten in über 20 Ländern mitgearbeitet. Obwohl im Ruhestand, ist er zurzeit als ehrenamtlicher Mitarbeiter für mehrere große Umweltverbände in Russland und Äthiopien unterwegs und für die Michael Succow-Stiftung in Greifswald aktiv.

Worauf sollten Verbraucher also beim Kauf von Holz achten?

Fähser: Zum einen sollten sie das Holz möglichst aus ihrer unmittelbaren Nähe erwerben. Weiterhin sollten sie auf Zertifizierungen achten, beispielsweise die "Naturland"- Richtlinien für ökologische Waldnutzung oder ein "FSC"-Zertifikat - des "Forest Stewardship Council" Deutschland, der sich für verantwortungsvolles Management von Wäldern einsetzt. Um einen guten Brenneffekt zu erzielen, muss das Holz außerdem gut getrocknet sein: Es sollte nicht mehr als 20 Prozent Feuchte enthalten.

Bei der großen Nachfrage nach Holz spielt auch Nachhaltigkeit eine Rolle. Welche ökologischen Vorteile verspricht denn das Heizen mit Brennholz?

Fähser: Auch ökologisch hat Holz gegenüber fossilen Brennstoffen wie Gas und Öl einen Vorteil: Nur das in der Luft sowieso vorhandene CO2, das der Baum aufgenommen hat, wird durch Verbrennen wieder freigesetzt - eine Art Recycling. Öl und Gas hingegen setzten zusätzliches CO2 frei, das vorher unter der Erde verborgen war. Holz ist einerseits also ökologisch unbedenklich, wenn es aus verantwortbarer Nutzung stammt.

...und andererseits?

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Fähser: Andererseits ist auch das Freisetzen von CO2 aus Holz nicht "nachhaltig": Denn zurzeit heizt eine zu hohe Konzentration von CO2 in der Luft ganz wesentlich unseren Klimawandel an. Wir müssen deshalb alles vermeiden, was CO2 ausstößt. Sonst wird der Klimawandel kein nachhaltiges (Über-)Leben ermöglichen.

Als problematisch gilt auch, dass in einigen Ländern Südost-Europas und im Baltikum mutmaßlich unkontrollierter Kahlschlag stattfindet - auch in Naturschutzgebieten.

Fähser: Die EU hat allerdings eine Richtlinie erlassen, nach der illegal gehandeltes Holz nicht eingeführt werden darf.

Wohin das Holz exportiert wird, lässt sich aber nicht nachweisen. In Deutschland dagegen gibt es nach aktuellen Zahlen mehr Zuwachs als Einschlag. Warum wird nicht mehr kontrolliertes Brennholz aus Deutschland angeboten, statt unkontrolliertes Holz aus dem Ausland zu importieren?

Fähser: Meiner Einschätzung nach wurde im vorletzten Jahr mehr Holz in Deutschland eingeschlagen, als tatsächlich nachgewachsen ist: Die offiziellen Statistiken erfassen vermutlich nur circa 80 Prozent des tatsächlichen Einschlags.  In vielen Forstbetrieben haben wir eine Verteidigungslinie aufbauen müssen, dass nicht all das, was nachgefragt wird, auch wirklich geliefert wird. Sonst geht das Ökosystem in die Knie. Aber nicht nur der Wald zahlt den Preis dafür, der Kunde natürlich auch: Die Kosten für Brennholz haben sich in den vergangenen zehn Jahren fast verdoppelt. Inzwischen werden über 50 Prozent des Einschlags in Deutschland zu "energetischen" Zwecken verwendet - also verheizt. Das Ziel sollte aber ein anderes sein: nämlich den CO2-Anstieg insgesamt zu vermeiden.

Das Interview führte Veronika Pohl.

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