Stand: 11.09.2017 14:11 Uhr

Gebrauchtwagen: Tipps zum Kauf und Verkauf

Top-Qualität zum kleinen Preis: Damit werben viele Verkäufer von Gebrauchtwagen. Aber bei einigen Angeboten geht es nicht mit rechten Dingen zu: Da werden Tachos manipuliert, Unfälle verschleiert und unfaire Klauseln ins Kleingedruckte genommen. Und das alles mit nur einem Ziel: den Verkaufspreis für das Auto nach oben zu treiben. Auch beim Verkauf des eigenen Wagens gibt es einiges zu beachten, wenn man einen guten Preis erzielen möchte.

Werbung eines Ankaufportals.

Gebrauchtwagen: So drücken Händler den Preis

Markt -

In der Werbung versprechen Ankaufportale gutes Geld für Gebrauchtwagen. Doch wie viel zahlen die Anbieter wirklich? Markt macht den Vergleich mit drei unterschiedlichen Gebrauchtwagen.

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Tipps für den Autokauf

  • Auto von außen begutachten: Der Wagen sollte frei zugänglich sein, in einem hellen Raum stehen und bei gutem Wetter besichtigt werden. Nasse Fahrzeugteile erschweren den Blick auf ausgetauschte und reparierte Teile. Rost lauert in verborgenen Ecken wie Radkästen, Kofferraum und unter Teppichen. Muffiger Geruch im Innenraum deutet auf Feuchtigkeit im Wagen hin. Wenn möglich, schauen Sie auch unter das Auto. Wichtig: Auch kleine Schäden, etwa eine Delle im Kotflügel, können in der Reparatur richtig teuer werden.

  • Unfallschäden: Verdächtig sind Spalten zwischen einzelnen Bauteilen: Sind zum Beispiel die Lücken zwischen Motorhaube und Kotflügeln nicht gleich groß, hat sich die Karosserie vermutlich verzogen. Stimmt das Produktionsdatum der Lampen nicht mit dem Baujahr des Autos überein, wurden die Leuchten vielleicht ausgewechselt - möglicherweise nach einem Unfall. Eine leichte Orangefärbung ist ein Indiz dafür, dass gespachtelt wurde. Ausgebesserte Lackschäden sind mit bloßem Auge aber nur schwer zu erkennen.

  • Unter die Motorhaube schauen: Ein frisch gereinigter Motor sollte stutzig machen. Mit einer Motorwäsche könnte der Verkäufer Spuren beseitigt und undichte Stellen kaschiert haben. Überprüfen Sie die Schläuche und Dichtungen. Gibt es Spuren von ausgelaufenen Flüssigkeiten? Wichtig ist auch der Blick in den Behälter mit der Kühlflüssigkeit. Ist sie trübe, könnte das auf eine defekte Zylinderkopfdichtung hindeuten. Zu wenig Bremsflüssigkeit heißt: Bald könnten neue Bremsklötze fällig werden.

  • Papiere prüfen: Wichtig ist ein Serviceheft, in dem die Fahrzeugwartung lückenlos dokumentiert ist. Zusätzliches Vertrauen schaffen Reparaturnachweise und Prüfberichte. Viele Vorbesitzer im Fahrzeugbrief können auf ein sogenanntes Montagsauto hindeuten - also auf ein Fahrzeug, das wegen seiner Fehleranfälligkeit durch Qualitätsmängel bei der Herstellung nicht taugt. Verdächtig sind mehr als zwei Halter in fünf Jahren oder drei in sieben Jahren. Mit Hilfe der Papiere lässt sich auch der aktuelle Kilometerstand überprüfen - zuverlässiger als mit dem Tachostand, denn der lässt sich sehr einfach manipulieren. 

  • Funktionen prüfen: Testen Sie die wichtigsten elektrischen Funktionen wie Klimaanlage, elektrische Außenspiegel, Sitzheizung und das Radio.

  • Probefahrt machen: Beim Einschalten der Zündung müssen die Kontrollleuchten im Cockpit (ABS, ESP, Airbags) kurz aufleuchten und beim Motorstart erlöschen. Einige Mängel wie eine verzogene Spur, eine ausgeschlagene Lenkung oder defekte Stoßdämpfer machen sich erst bei hohem Tempo bemerkbar: Das Auto zieht zur Seite oder liegt schlecht in der Kurve. Eine hakelige Schaltung, starke Vibrationen und Ruckbewegungen deuten auf Antriebsprobleme hin. Kontrollieren Sie die Handbremse. Wenn es bis zu zehn Zacken braucht, haben die Bremsseile zu viel Spiel. Ersatz kostet rund 200 Euro.

  • Sachverständigen um Rat fragen: Nutzen Sie die Probefahrt für einen Abstecher zu einer Prüfstelle, zum Beispiel vom Automobilclub, TÜV oder Kfz-Sachverständigen. Lassen Sie das Auto dort begutachten. Das kostet je nach Anbieter und Umfang zwischen 60 und 125 Euro. Ist der Verkäufer damit nicht einverstanden, hat er vielleicht etwas zu verbergen.

  • Seriöse Anbieter erkennen: Ein vertrauenswürdiger Gebrauchtwagenanbieter spricht offen über Vorschäden und Mängel an einem Auto. Er liefert eine lückenlose Fahrzeugdokumentation und im besten Fall ein technisches Gutachten von unabhängiger Stelle. Kunden dürfen den Gebrauchtwagen in Ruhe besichtigen und ausführlich Probe fahren.

  • Gewährleistung: Die vom Gesetzgeber vorgeschriebene Gewährleistung besagt, dass der Verkäufer zwei Jahre für Produktmängel haftet. Allerdings muss der Käufer nach sechs Monaten beweisen, dass ein Fehler bereits beim Kauf vorgelegen hat. Bei Gebrauchtwagen lässt sich die Gewährleistung auf ein Jahr verkürzen. Zusätzlich zur gesetzlichen Gewährleistung kann der Händler eine Garantie geben. Sie stellt eine freiwillige Leistung dar. Lesen Sie sich die Garantiebedingungen genau durch. Denn der Händler darf den Umfang der Garantie frei wählen, also auch einzelne Leistungen ausschließen.

Tipps für den Autoverkauf

  • Den richtigen Käufer finden: Gebrauchtwagen erzielen bei Privatleuten meist höhere Preise als beim Autohändler. Der Grund: Händler verkaufen in der Regel selbst an Privatleute und müssen beim Ankauf der Autos einen Abschlag einkalkulieren.

  • Auto aufpolieren: Viele Käufer achten nicht auf die Technik, sondern auf das Aussehen des Autos. Es lohnt sich, den Wagen vor dem Besichtigungstermin ordentlich zu putzen und zu polieren.

  • Nicht unter Druck setzen lassen: Gewiefte Gebrauchtwagenkäufer kommen zu zweit: Einer gibt vor, den Wagen kaufen zu wollen, und der andere mäkelt an technischen Details herum, um den Preis zu drücken. Lassen Sie sich davon nicht aus der Ruhe bringen.

  • Realistischen Preis nennen: Wie viel Ihr gebrauchtes Auto noch wert ist, können Sie mithilfe der sogenannten Schwacke-Liste oder dem Preisrechner der Sachverständigengruppe DAT herausfinden. Fordern Sie einen realistischen Preis.

  • Im Internet anbieten: Bei Autobörsen und Auktionsportalen im Internet können Sie Ihren Gebrauchtwagen mit allen Vorzügen anpreisen. Achten Sie auf vollständige, ehrliche Angaben. Erwähnen Sie alle Extras. Ein Foto sollte den Wagen in einer ansprechenden Umgebung zeigen - der erste Eindruck zählt.

  • Vertrag abschließen: Schließen Sie mit dem Käufer einen schriftlichen Vertrag. Vordrucke gibt's zum Beispiel bei den Automobilclubs. Schließen Sie als Privatverkäufer die Gewährleistung aus. Geben Sie den Fahrzeugbrief erst aus der Hand, wenn der volle Kaufpreis bezahlt ist - am besten in bar. Informieren Sie Ihre Versicherung und die Zulassungsstelle über den Verkauf des Autos.

 

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Dieses Thema im Programm:

Markt | 11.09.2017 | 20:15 Uhr

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