Stand: 29.10.2012 15:30 Uhr  | Archiv

FAQ - Wie geht das: Leben ohne Zucker?

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Keine Schokolade mehr essen? Das können sich viele noch nicht einmal vorstellen.

Warum ist es so schwer zu widerstehen? Ist das Charakterschwäche oder können wir gar nicht anders? Die Lust auf Süßes ist uns angeboren. In der Natur ist süßer Geschmack ein Signal dafür, dass etwas nicht giftig ist. Das hat unseren Vorfahren bei der Nahrungssuche geholfen. Für sie war es zudem sinnvoll, so viel davon zu essen wie möglich, denn kalorienreiche Kost war knapp. Diese Vorliebe für Süßes prägt uns noch heute. Doch nun gibt es Zucker längst im Überfluss. Und die Folgen von einem hohen Zuckerkonsum können gravierend sein - von Übergewicht über Diabetes bis möglicherweise Krebs.

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Ganz auf Süßigkeiten müsse man nicht verzichten, meint Ernährungsexpertin Silke Schwartau.

Ernährungswissenschaftler raten dringend, weniger Zucker zu konsumieren. Aber wie kann man auf die Schokolade am Nachmittag zu verzichten, wenn man gerade beim Formtief des Tages angekommen ist? Wir haben Silke Schwartau, Leiterin der Ernährungsabteilung bei der Verbraucherzentrale Hamburg, nach Tipps gefragt, wie man es schaffen kann, weniger Zucker zu essen.

Experten-Tipps zur Zuckerentwöhnung von Silke Schwartau:

Mit welchen Produkten lässt sich am meisten Zucker einsparen?

Mit solchen, in denen versteckter Zucker enthalten ist. Das sind zum Beispiel Müsliriegel, Snacks oder Fertigprodukte. Frühstücksflocken für Kinder bestehen manchmal bis zu 40 Prozent aus Zucker. Als Verbraucher muss man aufpassen und auch mal auf die Nährwertangaben schauen. Die stehen bei fast jedem Produkt inzwischen auf der Rückseite. Gerade in dem Bereich kann man sehr viel sparen.

Muss ich auf süßes Frühstück verzichten?

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Fertiges Müsli kann man gut mit Haferflocken strecken und so den gezuckerten Anteil an der Mahlzeit reduzieren.

Nein, das ist nicht notwendig. Beim Müsli zum Beispiel gibt es ja unterschiedliche Varianten, etwa solche mit wenig oder gar keinem Zucker. Man kann sich aber auch selbst ein Müsli mit Haferflocken und Trockenobst mischen oder das gekaufte Müsli mit Haferflocken strecken. Von der Marmelade einfach ein bisschen weniger essen und vielleicht etwas Quark nehmen. Es geht einfach darum, die zuckerreichen Dinge zu reduzieren oder zu verdünnen.

Womit kann ich Kaffee oder Tee alternativ süßen?

Langfristig sollte man sich lieber daran gewöhnen, Kaffee und Tee ohne Zucker zu trinken. Das ist eine Frage der Gewohnheit. Wenn man schon Stoffwechselprobleme hat wie Diabetes, sollte man auf Süßstoff oder so zurückgreifen.

Ist Obst eine gute Zwischenmahlzeit, auch wenn es sehr süß ist?

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Manche Obstsorten enthalten zwar recht viel Fruchtzucker, aber auch Vitamine und Ballaststoffe.

Ja, denn obwohl manches Obst voller Fruchtzucker steckt, sind außerdem Vitamine sowie Mineral- und Ballaststoffe darin enthalten. Aber auch hier kommt es auf die Menge an, gerade bei sehr süßem Obst wie etwa kernlosen Weintrauben. Trotzdem ist es sehr viel besser Obst zu essen, als einen süßen Keks.

Gibt es harmlosere Süßigkeiten?

Wenn man auf die Zutatenliste guckt, gibt es schon einige, wie etwa sehr dunkle Schokolade. Leider ist es mühsam, herauszufinden, wie viel Zucker in den Produkten enthalten ist. Die Seite ampelcheck.de kann da zum Beispiel weiterhelfen.

UMFRAGE
Mögliche Antworten

Auf welche zuckerhaltigen Lebensmittel könnten Sie nicht verzichten?

Was sollte ich essen, wenn mich der Heißhunger packt?

Es ist wichtig, dass man schon etwas Gesundes dabei hat, wenn man in so ein Hungerloch fällt. Schokolade ist natürlich eine bequeme Zwischenmahlzeit, weil es sie am Kiosk gibt oder sie schon griffbereit in der Schublade liegt. Aber dafür sollte man sich eben Alternativen vorbereiten, die nicht zuckrig sind: eine kleine Quarkspeise, Möhren oder Äpfel.

Wie schaffe ich es, weniger Zucker zu essen?

Nicht von einem Tag auf den anderen aufhören. Unser Gehirn mag keine Verbote. Die Psyche möchte belohnt werden. Wenn Schokolade die Belohnung ist, sollten wir versuchen, sie durch etwas anderes zu ersetzen. Wer drei Tage ohne Süßigkeiten ausgekommen ist, könnte sich als Belohnung zum Beispiel einen Besuch in der Sauna gönnen. Und so ganz abstinent leben muss man gar nicht, wenn die Gesundheit es nicht erfordert.

  • Wie viel Zucker essen Zuckerforscher?

    Für ihre Dokumentation "Zeitbombe Zucker" haben die Autorinnen mit Ernährungsexperten sowie Sucht- und Krebsforschern gesprochen, die sich beruflich alle mit den möglichen Folgen unseres Zuckerkonsum beschäftigen. Wie gehen sie privat mit dem süßen Stoff um, den viele für gesundheitlich bedenklich halten? Wer isst überhaupt keine Süßigkeiten mehr? Wer kann auf Süßes doch nicht verzichten?

  • Prof. Robert Lustig, Übergewichtsforscher, UCLA San Francisco

    Ich habe früher viel Zucker gegessen - bis ich anfing, mich näher mit dem Thema zu beschäftigen. Danach habe ich meinen Zuckerkonsum drastisch reduziert. Ich gönne mir nur zwei Mal im Jahr ein Dessert, ich trinke keine Softdrinks oder Säfte. Meine Frau und ich haben zu Hause strikte Regeln eingeführt, auch für die Kinder. Unter der Woche gibt es nur Obst als Dessert. Am Wochenende erlauben wir den Kindern dann auch mal eine Kugel Eis oder ein Stück Kuchen.

  • Dr. Ina Bergheim, Ernährungs-Expertin, Uni Hohenheim 

    Ich habe zwei kleine Kinder und natürlich achten wir sehr darauf, dass wir uns alle ausgewogen und gesund ernähren. Das bedeutet aber nicht, dass meine Kinder keine Süßigkeiten bekommen würden. Die gibt es auch, in einem ganz normalen Rahmen. Ich habe das Glück, dass meine Kinder sehr schlank sind.

  • Prof. Rainer Spanagel, Suchtforscher, Uni Heidelberg

    Ich esse sehr gerne Süßes, ich liebe Zucker. Aber solange ich ausreichend Bewegung habe, sehe ich da für mich persönlich kein Problem. Es ist entscheidend, dass man sich ausreichend bewegt. Zuckerreiche Nahrung ist heute immer überall verfügbar. Aber die Leute bewegen sich weniger und weniger. Und wenn man nicht genug Sport treibt, dann hat man ein ernsthaftes Problem.

  • Prof. Lewis Cantley, Krebsforscher, Uni Harvard Boston

    Ich esse sehr wenig Zucker. Gesüßte Getränke gibt es gar nicht bei mir, auch keinen Zucker im Tee. Desserts bestelle ich nie. Zum Frühstück versuche ich Müsli ohne Zucker zu essen, das ist allerdings fast unmöglich zu finden.  Natürlich ist es anfangs schwer zu verzichten. Die meisten Menschen, die das versuchen, finden es im ersten Monat sehr schwierig, fast unmöglich. Nach einigen Wochen aber scheint das ständige Verlangen nach Zucker nachzulassen.

  • Prof. Falk Kiefer, Suchtforscher, Uni Heidelberg

    Ich schränke meinen Zuckerkonsum nicht ein. Wenn man sich viel bewegt, wird man auch einen gesunden Appetit haben und hinterher eher keinen Softdrink wählen. Ich glaube, das ist viel wirkungsvoller als Zuckerwürfel zu zählen. Aber man kann sich sicherlich ungünstige Dinge angewöhnen. Menschen, die selten Cola trinken, finden sie viel zu süß. Menschen, die regelmäßig Cola trinken, haben dieses Empfinden gar nicht mehr. Es findet eine Abstumpfung statt.

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Wie lange dauert so eine Entwöhnung ?

Ich würde mir schon Zeit geben. Die ersten vier Wochen sollte man einfach mal verstärkt darauf achten, was man isst. Dazu gehört, die Verpackungen der Lebensmittel genau anzugucken und zu notieren, was man eigentlich an Süßigkeiten am Tag ist. Mithilfe so eines Ernährungsprotokolls kann man sich dann überlegen, was man vielleicht weglassen oder reduzieren könnte. Mit der Zeit gewöhnt man sich dann zum Beispiel daran, Tee oder Kaffee ohne Zucker zu trinken.

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