Stand: 23.04.2017 15:00 Uhr

Kampf um die Straße: Was dürfen Radfahrer?

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An manchen Kreuzungen, wie hier in Osnabrück, wird Radfahrern per Schild zur besonderen Vorsicht geraten.

Jeden Morgen wird der Kampf auf norddeutschen Straßen neu eröffnet: Auf der einen Seite Radfahrer, die hinter jedem Steuer einen Umweltsünder erkennen, der ihnen den Platz auf der Fahrbahn verwehren will.

Auf der anderen Autofahrer, die auf jedem Sattel einen "Kampfradler" vermuten, der ihnen Zeit und Nerven stehlen will. Dann werden sogar Unfreundlichkeiten durch die heruntergelassene Scheibe ausgetauscht. Autofahrer bekommen obszöne Handzeichen zu sehen oder Radfahrer schlagen ihnen mit der flachen Hand aufs Dach oder die Motorhaube. Radfahrer hingegen bekommen Hupattacken zu hören oder werden bedrängt.

In der Regel sind beide Seiten fest davon überzeugt, im Recht zu sein. Doch ein Blick auf die Gesetze für das Radfahren birgt für viele so manche Überraschung. NDR.de hat die wichtigsten Regeln für Radfahrer zusammengestellt.

Was dürfen Radfahrer - und was müssen sie?

Wie werden Ordnungswidrigkeiten von Radfahrern geahndet?

Ohne Licht über die dunkle Kreuzung, falsch durch Einbahnstraßen: Auch Radfahrer werden zur Kasse gebeten, wenn sie Ordnungswidrigkeiten im Straßenverkehr begehen. 2014 wurden die Geldstrafen im Bußgeldkatalog für Radfahrer sogar erhöht. Auf diese Weise soll die Verkehrssicherheit verbessert werden. Auch kleinere Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung sind für Rad- und Autofahrer gleich teuer.

Aus dem Bußgeldkatalog für Radfahrer und Autofahrer
TatbestandBußgeld
Radfahrer
Nicht auf benutzungspflichtigem Radweg fahren20 bis 35 Euro
Verstoß gegen das Rechtsfahrgebot15 bis 40 Euro
Fahren auf dem Gehweg10 bis 20 Euro
Falsch in die Einbahnstraße einfahren20 bis 35 Euro
Befahren der Fußgängerzone15 bis 30 Euro
Fehlende Klingel/Defekte Bremse15 Euro
Fahren ohne Licht20 bis 35 Euro
Abbiegen ohne Handzeichen10 bis 35 Euro
Zum Vergleich: Autofahrer
Auf dem Geh- oder Radweg parken20 Euro
Auf dem Schutzstreifen für Radfahrer parken20 Euro
Beim Ein- oder Aussteigen nicht auf Radfahrer achten20 Euro
Auf dem Radweg fahren15 Euro

Verringern Bußgelder Unfälle?

Experten warnen jedoch, dass Bußgelder nicht das Verhalten von Radfahrern ändern. Sie seien zwar schmerzhaft, führten aber nicht unbedingt zu weniger Unfällen im Straßenverkehr. Besser sei es Unfallursachen direkt anzugehen. Das heißt: Radwege ausbauen, neue Parkplätze schaffen und Ampeln besser schalten. Kontrollen seien außerdem sinnvoller als Gebühren.

15 Prozent im Alltag mit dem Rad unterwegs

Der Anteil der Radfahrer am deutschen Straßenverkehr nimmt weiter zu: Nachdem man in früheren Jahren von zehn Prozent ausging, werden nach Angaben des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) inzwischen 15 Prozent aller Wege mit dem Fahrrad erledigt.

Norddeutsche Länder sehen sich in Sachen Radverkehr gut aufgestellt

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Mit verschiedenen Aktionen wollen die norddeutschen Bundesländer das Fahrradfahren sicherer machen. Hamburg etwa will Fahrradstadt werden und mit neuen Radwegen den Zweiradanteil verdoppeln: von zwölf auf 25 Prozent. In Niedersachsen hat der Radverkehr einen Anteil von 15 Prozent am Gesamtverkehr. Das Bundesland bezeichnet sich selbst als "Fahrradland".

Mecklenburg-Vorpommern gibt die Länge seiner Radwege am Gesamtstraßennetz an - insgesamt 2.254 Kilometer. Am Gesamtnetz sind das nach Angaben der Landesregierung knapp 24 Prozent. Schleswig-Holstein gibt an, die meisten Radwege an Bundes-, Landes und Kreisstraßen in Deutschland zu haben. An 56 Prozent aller Straßen. Dafür, wie es tatsächlich vielerorts auf dem Land für Radfahrer aussieht, steht dieses Beispiel aus Sommerland in Schleswig-Holstein.

Die Bremer nutzen das Fahrrad schon wesentlich häufiger als die Einwohner anderer ähnlich großer Städte in Deutschland. 60 Prozent nehmen das Rad schon täglich oder mehrmals die Woche. Nun soll das Viertel rund um die Universität zu einem Fahrrad-Modellquartier umgebaut werden - in dem ein Netz aus Fahrradstraßen angelegt wird.

Links zum Thema Verkehrsregeln für Radfahrer

Update Verkehrskenntnisse

Broschüre des Bundesverkehrsministeriums und des Deutschen Verkehrssicherheitsrates. (PDF) extern

Verkehrsrecht: Regeln fürs Radeln

Informationen der Stiftung Warentest (Stand: 24.03.2017) extern

Regeln für Radfahrer

Artikel zu Verkehrsrecht, technischer Ausstattung sowie zum Bußgeldtkatalog. Zusammengestellt vom ADFC. extern

Fahrrad & Recht

Artikel zum Bußgeldkatalog für Radfahrer, zu rechtlichen Fragen, über Pedelecs und E-Bikes im Angebot des ADAC. extern

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