Sendedatum: 26.11.2012 22:00 Uhr

Die Tricks der Energieberater

von Florian Pretz
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Verbundkonstruktionen aus Polystyrol und Polyurethan gibt es auch mit Klinkeroptik.

Energieberater sollen Hausbesitzern helfen, Geld zu sparen und die Umwelt zu schonen. Das ist ihre eigentliche Aufgabe, tatsächlich aber verdienen viele ihr Geld auch mit der Planung und Beaufsichtigung von Sanierungsmaßnahmen. Wenn sie also eine Wärmedämmung empfehlen, können sie mehr Geld verdienen als mit der bloßen Beratung. In Deutschland werden meist Komplettlösungen mit Wärmedämmverbundsystemen empfohlen.

Die Einsparmöglichkeiten einer solchen Dämmung berechnen die Berater gemäß Energieeinsparverodnung (EnEV) anhand des Wärmedurchgangskoeffizienten, auch als U-Wert bezeichnet. Je niedriger der U-Wert, desto wirksamer eine  Dämmung, sprich höher die Energieersparnis - so die gängige Interpretation.

Der U-Wert - nur die halbe Wahrheit

Welcher Dämmstoff welchen U-Wert erfüllt, wird von den 20 Materialforschungs- und Prüfungsanstalten in Deutschland untersucht. Sie sind meist an Universitäten angeschlossen und befinden sich überwiegend in öffentlicher Hand. Die Hersteller von Dämmstoffen beauftragen diese mit der Materialprüfung.

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Dank finanzieller Förderung werden viele Altbauten nachträglich mit einem Wärmedämmverbundsystem ausgerüstet. Nicht immer ist das sinnvoll, sagt Dämmkritiker Konrad Fischer.

Energieberater berufen sich auf die ermittelten Zahlen - und sie  helfen ihnen beim Verkauf ihrer Dienstleistung. Auf Grundlage der U-Werte von Dämmmaterialien werden Rückschlüsse auf die Heizkosten-Ersparnis gezogen. Das sei zu kurz gedacht, sagt Architekt Konrad Fischer, ein bundesweit bekannter Kritiker der Wärmedämmverbundsysteme.

Er kritisiert, dass die in der EnEV festgeschriebenen Berechnungsmethoden nicht alle Faktoren berücksichtigen: Denn neben dem U-Wert des Dämmmaterials spiele auch die Wärmedurchlässigkeit von Fenstern, Türen oder dem Dach eine wichtige Rolle. Außerdem hätten nicht alle Materialien die gleiche Energiespeicher-Funktion, eine Eigenschaft die für eine Entscheidung pro oder contra Wärmedämmung wichtig sei.

Skepsis ist angebracht

Eine massive Backsteinfassade heizt sich über den Tag langsam auf und speichert sie lange. Wenn es abends kälter wird, dann gibt eine solche Wand immer noch Wärme ab und spart so Heizkosten. Die populären Wärmedämmverbundsysteme dagegen erkalten in der Nacht sehr schnell. Ihre Wärme-Speicherfähigkeit ist gering.

Diese Eigenschaften werden bei der Berechnung der Energieersparnis nicht berücksichtigt, sind aber zentral, glaubt Konrad Fischer. Er warnt außerdem vor einer weiteren Falle bei Energieberatungen: Bei den Kalkulationen wird oft ein zu hoher bisheriger Energieverbrauch angenommen. Das funktioniert, weil die wenigsten Hausbesitzer den exakten Energieverbrauch ihrer Immobilie kennen, denn er ist schwer zu ermitteln. Dann kommt der U-Wert ins Spiel. Mit seiner Hilfe lässt sich der zukünftige Verbrauch klein rechnen. Heraus kommt eine theoretisch mögliche Energieersparnis, die selbst für knauserige Hausbesitzer eine Wärmedämmung attraktiv macht.

Thermografie richtig deuten

Um zu zeigen, wie energiesparend die Wärmedämmung ist, wird oft eine Thermografiemessung durchgeführt. Eine Wärmebildkamera macht die Oberflächentemperatur der Fassade sichtbar. Rot stellt warme Temperaturen dar, Gelb und Grün zeigen kühlere Messwerte an. Die Thermografie-Messung kann sowohl von der Straße aus durchgeführt werden als auch innerhalb der Wohnräume.

Der Bundesverband für Angewandte Thermografie warnt davor, die plakativen Außenaufnahmen zu überschätzen. Besonders bei allen Gebäuden mit einer sogenannten hinterlüfteten Fassade, dazu zählen Naturstein-, Holz- oder Metallfassaden, seien Innenaufnahmen zwingend nötig. Aber auch bei Fassaden mit Wärmedämmverbundsystemen würden Innenaufnahmen bei der Bestandsaufnahme helfen. Energieberater, die lediglich eine Außenaufnahme anböten, ohne auf den unvollständigen Charakter hinzuweisen, seien "unseriös". Eine solche Praxis sei ein "Zeichen von wenig Sachverstand", so der Bundesverband.

Informationen zur Sendung

Die Wärmedämmerung

16.11.2015 22:00 Uhr
45 Min

Der Dämmstoff Polystyrol soll Heizkosten deutlich senken. Wie gut ist seine Wärmedämmung wirklich? Und wie sieht es mit der Brandgefahr und der Umweltbilanz des Materials aus? mehr

Dieses Thema im Programm:

45 Min | 26.11.2012 | 22:00 Uhr