Stand: 02.11.2015 06:00 Uhr  | Archiv

Schwindelgefühl: Oft schlechte Beratung

von Benjamin Cordes
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Apotheker empfehlen Kunden mit Schwindelgefühl oft Medikamente statt sie zum Arzt zu schicken.

Jeder dritte Erwachsene leidet im Laufe seines Lebens unter Schwindelgefühl. Statt zum Arzt zu gehen, suchen viele Patienten erst einmal Hilfe in der Apotheke. Dort werden oft rezeptfreie Medikamente gegen Schwindel verkauft. Die Absatzzahlen für diese Mittel sind in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Doch wer wegen Schwindelgefühls in die Apotheke geht, wird teilweise gar nicht oder häufig unzureichend beraten. Einer Testkundin von Markt wurden in sieben von zehn Apotheken sofort Medikamente verkauft, statt die Frau direkt zum Arzt zu schicken. Dies kann je nach Ursache des Schwindelgefühls, zum Beispiel bei einem Gehirntumor, lebensbedrohliche Konsequenzen haben.

Pharmakologe: "Wirkung der Medikamente nicht belegt"

Professor Gerd Glaeske, Pharmakologe und Leiter der Abteilung für Gesundheitsökonomie, Gesundheitspolitik und Versorgungsforschung an der Universität Bremen, hält das Ergebnis der Stichprobe für nicht akzeptabel. Die Wirkung der rezeptfreien Medikamente gegen Schwindel, die die Apotheker versprächen, sei in den meisten Fällen nicht durch Studien belegt.

Teuerstes Medikament am häufigsten verkauft

"In manchen Situationen, wo eigentlich die Beratung im Vordergrund steht, machen sie trotzdem Kasse", kritisiert Professor Gerd Glaeske. Tatsächlich wurde das teuerste der Medikamente in der Stichprobe am häufigsten verkauft. Eigentlich sind Apotheker laut Berufsordnung dazu verpflichtet, ihre Kunden zu beraten.

Auf Anfrage äußerte sich die Apothekervereinigung ABDA dazu schriftlich auf Anfrage von Markt: "Welche Rolle der Preis bei der Auswahl eines Produkts spielt, lässt sich nicht pauschal beurteilen." Man nehme die Kritik an der Beratungsleistung ernst.

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Markt | 02.11.2015 | 20:15 Uhr