Stand: 12.02.2016 09:25 Uhr

Rosen zum Valentinstag ohne schlechtes Gewissen

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Viele Winterrosen kommen aus afrikanischen Ländern.

Gutes und schlechtes Gewissen liegen zum Valentinstag oft dicht beieinander. Wer als Liebesbeweis eine rote Rose verschenkt, müsste sich eigentlich gut fühlen - doch inzwischen melden sich bei vielen die Zweifel: Unterstütze ich damit die Ausbeutung in Entwicklungsländern? Und steckt in der Blumenpracht vielleicht sogar Gift?

Schwierige Verhältnisse auf Rosenfarmen

Fest steht: In Europa blühen normalerweise im Winter keine Rosen. Und doch liegt die Königin der Blumen bei den Verkäufen in der Valentinswoche ganz weit vorn. Im Februar 2014 wurden 122,5 Millionen Rosen nach Deutschland importiert - rund 25 Millionen mehr als im Jahr 2010. Wichtigster Lieferant mit mehr als 70 Prozent Anteil waren die Niederlande, gefolgt von Kenia mit 17 Prozent. Das heißt aber nicht, dass die Rosen in Holland angebaut, sondern nur, dass sie dort gehandelt wurden. In vielen afrikanischen und südamerikanischen Ländern herrschen zum Teil schlimme Produktionsverhältnisse: Auf vielen Blumenfarmen sprühen Arbeiter hochgiftige Pflanzenschutzmittel und tragen dabei lediglich einfache Regenjacken, während ungeschützte Mitarbeiter direkt nebenan die Rosen ernten. Unfruchtbarkeit, Fehlgeburten und Hautekzeme sind mögliche Folgen.

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Rosen aus Kenia

Eine Reportage über den Rosenanbau in Kenia auf tagesschau.de. extern

Die Bezahlung ist häufig so niedrig, dass das Geld kaum zum Überleben reicht. Und einige der Arbeiter werden durch den ständigen Umgang mit den Pestiziden so krank, dass sie gar nicht mehr arbeiten können. Zudem stellen die Farmen auch ein großes Problem für die Umwelt dar: Durchs Gießen gelangen die Gifte ins Grundwasser und in Brunnen, das knappe Gut Trinkwasser wird pestizidbelastet, die Abwässer verdrecken die Seen und Flüsse der Umgebung.

Fair gehandelte Rosen als Alternative

Immer mehr Menschen in Deutschland steigen inzwischen auf Alternativen um: Rosen mit dem "Fairtrade"-Siegel boomen. Das Siegel verspricht, dass bei der Produktion in Ländern wie Kenia, Äthiopien und Ecuador Blumenpflückerinnen unterstützt werden, ihre Rechte auf ein selbstbestimmtes Leben, finanzielle Unabhängigkeit und auf sichere Arbeitsbedingungen an ihrem Arbeitsplatz einzufordern. Außerdem gebe es regelmäßige und unregelmäßige Kontrollen der Produktionen.

Neben "Fairtrade" gilt das auch für "Fair Flowers Fair Plants" (FFP) aus den Niederlanden, das allerdings in Deutschland wenig verbreitet ist. Bei beiden liegt der Schwerpunkt der Kriterien auf den sozialen Bedingungen wie einem fairen Lohn für die Arbeiter, gewerkschaftlichen Aktivitäten und dem Verbot von Kinderarbeit.

Fair ist nicht gleich bio

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Mehr als 335 Millionen Blumen wurden im Jahr 2014 fair gehandelt.

Doch auch die fair gehandelten Blumen sind nicht unbedingt frei von Giftstoffen. TransFair, der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und das Magazin "Öko-Test" monieren immer wieder, dass die Rückstände von Pflanzenschutzgift in vielen Blumen zu hoch seien. "Unsere Empfehlung ist, auf Rosen in der kalten Jahreszeit ganz zu verzichten", sagt Pestizid-Experte Tomas Brückmann vom BUND. TransFair-Sprecherin Claudia Brück will den Rat so nicht stehen lassen: "Damit machen Sie in den Entwicklungsländern eine ganze Industrie drei Monate arbeitslos und zerstören die Lebensgrundlage vieler Menschen."

So bleiben Rosen lange frisch

Mindestens eine Woche sollte ein Strauß mit Schnittblumen halten. Damit die Freude möglichst noch länger währt, sollte der Kunde schon beim Kauf einen genauen Blick auf die Blüten der Rosen werden. Wenn sich die Blätter schon im Geschäft knitterig anfühlen, spricht das nicht für Frische. Das Wichtigste für eine lange Lebensdauer ist allerdings, dass die Blumenvase absolut sauber ist. Anderenfalls verstopfen Bakterien und Keime die Leitungsbahnen der Blumen.

Der richtige Anschnitt

Das Wasser in der Vase sollte lauwarm sein, dann können es die Rosen am besten aufnehmen. Außerdem müssen sie alle zwei Tage angeschnitten werden, am besten mit einem sehr scharfen Messer, das man schräg nach unten zu sich zieht. Auf diese Weise erreicht man, dass die Leitungsbahnen der Rose freiliegen, ohne dass sie zerquetscht werden. Auch das Wasser sollte man regelmäßig wechseln, um Bakterienwachstum zu vermeiden.

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