Stand: 29.06.2016 12:19 Uhr

Rendsburg: Große Brücke, kleine Fähre

Wer von Kiel mit der Bahn nach Flensburg fährt, überquert bei Rendsburg den Nord-Ostsee-Kanal - auf einer spektakulären Hochbrücke. Die Stahlkonstruktion des Ingenieurs Friedrich Voss entstand zwischen 1911 und 1913, ist 2.486 Meter lang und 42 Meter hoch. Die Brücke ist ein beeindruckendes Baudenkmal, die dazugehörige Schwebefähre machte sie zu etwas Außergewöhnlichem. Doch die Fähre ist bis auf Weiteres außer Betrieb: Am 8. Januar 2016 stieß ein Frachter mit ihr zusammen. Dabei wurde sie so schwer beschädigt, dass sie demontiert werden musste. Da eine Reparatur nicht möglich ist, wird sie neu gebaut.

Eine Fahrt mit der Schwebefähre

Wichtiges Industriedenkmal

Die Fähre ist ein eindrucksvolles Beispiel der Ingenieurskunst und gilt als eines der wichtigsten Industriedenkmäler Deutschlands. Auf ihr konnten Autos und Fußgänger den Nord-Ostsee-Kanal überqueren, während hoch darüber Züge fuhren. Anders als viele Industriedenkmäler war die Fähre auch nach mehr als 100 Jahren noch im Einsatz: Von 5 Uhr morgens bis 23 Uhr abends überquerte sie alle siebeneinhalb Minuten den Kanal. Nur Schiffe brachten den Plan in Gefahr, denn sie hatten Vorfahrt. Sechs Autos und 60 Fußgänger passen auf die Schwebefähre. In 90 Sekunden wurden sie kostenlos über den 135 Meter breiten Kanal befördert.

Flexibel und sparsam

Schwebefähren haben den Vorteil, dass sie keine besonderen Zufahrtrampen benötigen und den Schiffsverkehr nicht unterbrechen wie etwa Klappbrücken. Auch bei Eisgang oder starker Strömung können sie problemlos fahren und benötigen weniger Energie als ein Fährschiff. Genau genommen schwebt die Fähre gar nicht: Der Rumpf hängt an Seilen am größten Wahrzeichen Rendsburgs, der Hochbrücke. So überquert eine Schwebefähre das Wasser, ohne es zu berühren.

Mit sechs Schwester-Modellen auf dem Weg zum Welterbe

Geht es nach dem Willen der Stadt Rendsburg, soll die Schwebefähre bald zum UNESCO-Weltkulturerbe zählen - zusammen mit sechs weiteren Schwebefähren im niedersächsischen Osten, im französischen Rochefort, im argentinischen Buenos Aires sowie in den britischen Orten Warrington, Middlesbrough und Newport. Aufgrund der internationalen Gemeinschaftsbewerbung rechnen sich die einzelnen Städte bessere Chancen auf Anerkennung aus. Das Verfahren ist allerdings noch nicht abgeschlossen.

Weltweit gibt es nur wenige Schwebefähren: Einst waren es 20, heute sind nur noch acht aktiv, darunter die Schwebefähre Puente de Vizcaya im spanischen Bilbao. Sie trägt bereits seit 2006 den Welterbetitel und gilt als die älteste Schwebefähre der Welt.

Industriekultur

Schätze der Industriekultur erleben

Von Bauhaus-Architektur über eine Hochbrücke mit Schwebefähre bis zur Raketentechnik: Viele spannende Denkmäler der Industriekultur stehen Besuchern in Norddeutschland offen. mehr

Bei Hemmoor schweben Besucher über die Oste

Eine Schwebefähre verbindet die Ufer der Oste im Landkreis bei Cuxhaven. Das 1909 errichtete Bauwerk aus Stahl könnte schon bald zum UNESCO-Welterbe zählen. mehr