Stand: 09.09.2017 10:00 Uhr

Festspiele MV blasen zur Jagd

von Karin Erichsen, NDR 1 Radio MV

Die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern haben am Freitag zu einem "Fest für die Musik aus MV" nach Ludwigslust eingeladen. In drei Konzerten im Schloss und in der Stadtkirche erklang Musik, die am Ludwigsluster Fürstenhof entstanden und seit mehr als 250 Jahren nicht mehr aufgeführt worden ist.

Geplant war ein illustrer Tag im Ludwigsluster Schloss und Schlossgarten. Nach einem Auftakt mit dem Schweriner Demmler Quartett im Goldenen Saal sollte es - begleitet von Jagdhornmusik - auf geführte Parkwanderungen gehen. Am Abend standen zwei Festkonzerte auf dem Programm zum 300. Geburtstag von Herzog Friedrich dem Frommen, einem großen Förderer von Kunst und Musik und dem Erbauer von Schloss Ludwigslust. Das Wetter allerdings machte diesen Vorhaben einen Strich durch die Rechnung - zumindest teilweise. Wie so oft in diesem Sommer.

Ein Konzerttag der Festspiele MV auf Schloss Ludwigslust

Schätze der Vergangenheit

Nachdem das Schweriner Demmler Quartett gemeinsam mit dem Solo-Hornisten der Mecklenburgischen Staatskapelle Christoph Moinian Auszüge aus Jagdquintetten unter anderem von dem Ludwigsluster Hofkomponisten Johann Matthias Sperger gespielt hatte, ging es mit Schirmen und Ponchos hinaus in den strömenden Regen. Da hatte niemand wirklich Lust auf eine ausgedehnte Parkwanderung. Dennoch verstanden es die Parkführer, durch unterhaltsame Anekdoten gute Stimmung zu verbreiten. Zum Beispiel erfuhren die Festspielbesucher von Gernot Hempelmann, dem Vorsitzenden des Ludwigsluster Schlossvereins, dass aus den riesigen Zinkvasen am Eingang zur Hofdamenallee ursprünglich meterhohe Fontänen sprangen und die höfischen Gäste beeindruckten. Allerdings nur so lange wie das Wasser reichte - etwa zwei Stunden.

Jagdhörner erklingen in der Orangerie

Die geplante Jagdhornbegleitung des Parkrundganges fiel zwar ins Wasser, dafür kehrten die Festspielbesucher aber in die ehemalige Orangerie des Schlossgartens ein. Dort spielte bei heißem Tee und Kaffee der Hornist Christoph Moinian schließlich doch noch Parforcehorn-Musik, erklärte die Signale der adeligen Jagd auf Hirsche und stellte unterschiedliche Jagdhörner vor. Das war spannend, denn die Besucher hatten zuvor erfahren, dass in dem etwa 130 Hektar großen englischen Landschaftsgarten, der in die freie Wildbahn übergeht, früher sehr eifrig gejagt worden war. Die mächtigen Geweihe großer Hirsche zieren als Trophäen noch immer die Wände des Gartensaals, in dem heute ein Café zu exzellenter Torte einlädt. Hier ließ sich die Zeit angenehm vertreiben. An den Kaffeetischen kamen einige Besucher bereits mit den Künstlern der Abendkonzerte ins Gespräch.

Ein Abend im Zeichen des Herzogs

Der Abend war dem Herzog Friedrich dem Frommen gewidmet, der 1717, also vor genau 300 Jahren, geboren worden ist. Er hat nicht nur das Ludwigluster Schlosses und die Stadtkirche nach den modernsten architektonischen Maßstäben seiner Zeit erbauen lassen. Er galt auch als großer Freund und Förderer der geistlichen Musik. Der Herzog unterhielt eine herausragende Hofkapelle, die Musiker und Komponisten aus ganz Europa anzog, unter anderem Johann Wilhelm Hertel, Carl Westenholtz oder Antonio Rosetti. Werke dieser Hofkomponisten erklangen am Abend nach mehr als 250 Jahren erstmals wieder am Ort ihrer Uraufführung in der Ludwigsluster Stadtkirche.

Reichlich Applaus für Oboist Albrecht Mayer

Der Norddeutsche Kammerchor sang Auszüge aus den umfangreichen Passionsmusiken von Carl Westenholtz und wurde begleitet von der Mecklenburgischen Hofkapelle, einem Ensemble, das sich aus Barockmusikern des Landes zusammensetzt. Als Solist, unter anderem im Oboenkonzert von Antonio Rosetti, beeindruckte Albrecht Mayer, der Solo-Oboist der Berliner Philharmoniker. Bis in die späte Nacht hinein lauschten die Besucher in der Stadtkirche der Musik, die nur hier und nur am Freitagabend zu hören war und nun vielleicht für viele Jahrzehnte nicht wieder. Am Ende gab es reichlich Applaus für die Künstler, die Programmplanung und die Werke der mecklenburgischen Hofkomponisten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 11.09.2017 | 19:00 Uhr

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