Stand: 30.10.2017 08:45 Uhr

Wenn Götter die Geschicke lenken

von Elisabeth Richter

Bei seiner Oper "Il Ritorno d’Ulisse in Patria" führte Monteverdi 1640 erstmals in der Operngeschichte auch komische Figuren ein und schrieb für die Hauptrollen bewegende Musik. Jetzt kam das Stück an der Hamburgischen Staatsoper heraus. Die Produktion ist zu großen Teilen eine Übernahme vom Opernhaus Zürich. Das Orchester wurde aber eigens für diese Aufführung engagiert. Es ist das Prager Originalklang-Ensemble "Collegium 1704", gegründet und geleitet von dem Tschechen Václav Luks, der damit in Hamburg sein Debüt gab.

Monteverdis "Il Ritorno d’Ulisse in Patria"

Zehn Jahre Krieg in Troja, zehn Jahre Irrfahrten durch die Meere. Nach zwanzig Jahren kehrt Odysseus zurück nach Ithaka. Doch nichts ist, wie es war, seine Frau Penelope erkennt ihn nicht. Freier bewerben sich um sie. In Hamburg bot Monteverdis "Il Ritorno d’Ulisse in Patria" drei Stunden lang musikalische und szenische Kurzweil.

Götter schlürfen Champagner

Die "Heimkehr des Odysseus“ passiert bekanntlich in ferner, antiker Zeit, aber bei Regisseur Willy Decker bevölkern Menschen von heute - alle in schwarzer Abendgarderobe - die Bühne von Wolfgang Gussmann. Sie tummeln sich auf einer großen, ein wenig geneigten, meist ziemlich leeren Drehbühne. Dahinter fährt ab und zu die Festtafel der in dezentes Blau gekleideten Götter samt monumentalem Lüster hoch. Lässig schlürfen sie ihren Champagner, pflanzen sich auch schon mal gemütlich auf den Tisch oder lassen Papierflugzeuge fliegen.

Es blitzt und donnert und zischt. Immer wenn die Götter dran sind, hat das Theaterblech seinen Auftritt. Das steht zwar nicht bei Monteverdi in den Noten, aber ein schöner Effekt ist es allemal.

Die Erde ist eine Drehbühne

Mit einer Art Zauberstab steuern die gelangweilten Götter aus Zeitvertreib auch die Zwistigkeiten der Menschen auf der kreisrunden Drehbühnen-Erde. Wenn die drei Freier um die Gunst der seit zwanzig Jahren auf ihren Mann wartenden Penelope den Bogen des Odysseus spannen sollen - der Sieger soll ja sein Nachfolger werden -, lähmen die Götter die Arme der Freier. Der noch als schäbiger Bettler verkleidete Odysseus spannt seinen Bogen dagegen mühelos.

Mischung aus Slapstick und Schauspiel

Komik und Ernst liegen in dieser frühen Oper nah beieinander. Willy Decker hat eine wundervoll amüsante Mischung aus Slapstick und ernstem, sensiblem Schauspiel inszeniert. Geradezu zärtlich wird die traurige Penelope von ihrer Dienerin umhegt, im nächsten Moment schlägt die Szene ins Witzige um, wenn die drei Freier in ihren „"I love P"-Shirts alle Register ziehen.

Sängerisch war diese Produktion ein wenig durchwachsen, einige Stimmen schienen wirklich zu klein für das große Haus. Exzellent Kurt Streit als Odysseus, stimmlich kernig auch Dovlet Nurgeldiyev als Telemach, Sara Mingardo als Penelope steigerte sich immens im Lauf der Aufführung. Großartig spielte das Originalklang-Ensemble "Collegium 1704" aus Prag. Und mit Václav Luks stand ein stilkundiger, sensibler Dirgent am Pult, der der Aufführung mit seinem Esprit das I-Tüpfelchen aufsetzte.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 30.10.2017 | 09:20 Uhr

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