Stand: 29.09.2017 15:27 Uhr

Mit Leidenschaft und Forscherdrang

Celloconcerte von Haydn und CPE Bach
von Steven Isserlis
Vorgestellt von Petra Rieß
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Steven Isserlis' warmer, leidenschaftlicher Ton ist legendär und den schlägt er auch auf seiner neuen CD an.

Der Engländer Steven Isserlis ist ein Weltklasse-Cellist. In London wohnt er angeblich in der Abbey Road, weil er die Beatles so mag. Seine lockige Haarpracht erinnert an Led Zeppelin und an seinen entfernten Verwandten, Felix Mendelssohn Bartholdy. Der 58-Jährige schreibt außerdem humorvolle, kluge Bücher über Komponisten und ihre Welt. Etwa: "Warum Händel mit Hofklatsch hausierte" oder "Warum Beethoven mit Gulasch um sich warf."  Isserlis ist ein Musikvermittler. Auf seiner neuen CD hat er Klassiker der Celloliteratur aufgenommen, die Cellokonzerte von Joseph Haydn.

Gemeinsame Sprache

Carl Philipp Emanuel Bach schrieb sein Cellokonzert in A-Dur 1753. Nur wenige Jahre später erschien Haydns erstes Cellokonzert. Für Steven Isserlis sind Haydns Konzerte ohne diesen Bach-Sohn nicht denkbar, wie er im selbst verfassten Booklet Text erläutert.

CD-Tipp

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Steven Isserlis brennt für seine Musik. Sein warmer, leidenschaftlicher Ton ist legendär und den schlägt er auch auf dieser CD an. Sehr romantisch und schwelgerisch, das klingt eher nach Schumann, den Isserlis viel spielt. An seiner Seite: die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen, die Florian Donderer dirigiert, selbst ein Lorbeerumkränzter Geiger, Kammermusiker und Orchesterleiter.

Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen ist ein intelligentes und feinfühliges Orchester, mit Holzbläsern, in die Haydn und Mozart sich sofort verliebt hätten. Steven Isserlis verschmilzt geradezu mit diesem Klang. Solist und Ensemble sprechen eine gemeinsame Sprache.

Podcast NDR Kultur Neue CDs © NDR

Steven Isserlis: Celloconcerte von Haydn und CPE Bach

NDR Kultur -

Der englische Weltklasse-Cellist Steven Isserlis ist ein Musikvermittler. Auf seiner neuen CD hat er Klassiker der Celloliteratur aufgenommen - unsere CD der Woche.

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Erfindungsreich und fantasievoll

In den Solopassagen und den Kadenzen ist Isserlis unschlagbar. Erfindungsreich und fantasievoll. Gleichzeitig will er kompositorische Ideen verdeutlichen: die Virtuosität von Haydn, der das Cello hier in allen Lagen glänzen lässt, oder den witzigen Carl Philipp Emanuel Bach, der so viel Ironie und Humor in seine Noten packen kann - und Abgründe kennt.

Zu diesen Konzerten hat Isserlis noch kurze Stücke von Mozart und Boccherini gestellt. Das ist eine schöne, aber eigentlich nicht notwendige Ergänzung. Man hat auch so genug damit zu tun, dem leidenschaftlichen Briten in seinem Forscherdrang zu folgen. Die Frage, ob die Aufnahme einem historischen Klangbild gerecht wird, ist dabei völlig nebensächlich. Davon gibt es schon genügend. Isserlis zündelt mit seinem Feuer erfolgreich an unseren Alltagsseelen - das ist entscheidend.

Celloconcerte von Haydn und CPE Bach

Label:
Hyperion

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue CDs | 02.10.2017 | 15:20 Uhr

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