Stand: 22.09.2017 15:46 Uhr

Ein geigerisches Feuerwerk

Tschaikowsky
von Nemanja Radulovic
Vorgestellt von Franziska v. Busse

Auf seinem neuen Album spielt der serbische Geiger Nemanja Radulovic zusammen mit dem Borusan Istanbul Philharmonic Orchestra das Violinkonzert von Peter Tschaikowsky. Eins der bekanntesten Stücke also, die das Violin-Repertoire zu bieten hat. Und fast genauso beliebt sind Tschaikowskys Rokoko-Variationen - das zweite Werk auf der CD. Wieviel Individualismus steckt in dieser Aufnahme?

Ungeheuer anspruchsvoll und expressiv

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An Nemanja Radulovics außergewöhnlichen Look hat sich die Klassikwelt mittlerweile gewöhnt.

Für Nemanja Radulovic zählt dieses Problem nicht. Er nimmt die Musik absolut persönlich. Seit seiner Kindheit kennt er sie und hat sie durch viele Phasen hindurch mitgenommen. Wo andere das Bedürfnis haben, erst einmal eine dicke Kitsch-Patina abzubürsten - wie etwa letztes Jahr seine Kollegin Patricia Kopatchinskaja - da geht er ganz liebevoll ans Werk. Mit feinem Ton, mit charmanter Phrasierung, mit ausdruckstarken Tempo- und Stimmungswechseln.

Radulovics slawischer Tonfall

Die schönsten Momente sind dabei die nach innen gekehrten. Im langsamen Satz etwa, in dem das Orchester echte Kammermusik-Qualitäten entwickelt. Und auch der slawische Tonfall in der Melodik fließt immer wieder ganz nebenbei-selbstverständlich mit ein.

Die Überleitung gerät ein bisschen dickflüssig. Aber dann entschädigt das geigerische Feuerwerk im Finale. Hier übernimmt der Virtuose - allerdings ohne den Autopiloten einzuschalten. Hellwach reagiert Radulovic auf die raschen Szenenwechsel im Satz, der teilweise an Tschaikowskys Ballettmusiken erinnert.

Ungekünstelter Zugang zu Tschaikowsky

Tänzerisch und hübsch gezeichnet präsentieren sich auch die Rokoko-Variationen. Noch so ein Publikumsliebling, den Radulovic seit Kindertagen verinnerlicht hat - eigentlich für Cello und Orchester komponiert, hier in einer neuen Fassung für Viola, Streichensemble und Klavier. Das Arrangement bietet Vor- und Nachteile. Die Viola muss oft oktavieren - das geheimnisvolle, erdige, tiefe Celloregister fehlt. Auch die Bläserfarben im Orchester ersetzt das Klavier nicht immer schlüssig. Andererseits entsteht durch die kleinere Besetzung eine Zierlichkeit, die gut zum Charakter des Stücks passt.

Double Sens - "Doppelsinn" - so heißt das Radulovics Kammerensemble, das ihn hier begleitet. Und auch wenn man Tschaikowsky sicher noch "doppelsinniger" auffassen könnte in seinem Lebensschmerz und seiner Sehnsucht nach Schönheit: Auch dieser freundliche, ungekünstelte Zugang zu ihm hat etwas Wohltuendes und Überzeugendes.

Podcast NDR Kultur Neue CDs © NDR

Nemanja Radulovic: "Tschaikowsky"

NDR Kultur -

Der Geiger Nemanja Radulovic kennt Tschaikowskys Musik seit seiner Kindheit. Auf seiner neuen CD spielt der Serbe Tschaikowskys Violinkonzert und die Rokoko-Variationen.

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Tschaikowsky

Label:
Deutsche Grammophon

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue CDs | 25.09.2017 | 15:20 Uhr

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