Stand: 21.04.2017 15:33 Uhr

Wiederentdeckung eines fast vergessenen Komponisten

Carl Heinrich Graun: Opera Arias
von Julia Lezhneva
Vorgestellt von Sabine Lange
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Julia Lezhneva und das Ensemble Concerto Köln ziehen mit ihrer Musik unwiderstehlich in den Bann.

Sich stimmlich deutlich bemerkbar zu machen, gelang der Russin Julia Lezhneva schon als Säugling. Gern erzählt sie die Anekdote vom Arzt, der schon gleich nach ihrer Geburt angesichts ihres Stimmvolumens prophezeite, sie sei die geborene Opernsängerin. Tatsächlich entwickelte sich ihre Liebe zur Oper schon in der Kindheit, und als sie ein Album mit Barockarien, gesungen von Cecilia Bartoli, hörte, war sie vom Phänomen Koloraturstimme tief beeindruckt. Inzwischen hat Lezhneva selber mehrere Platten aufgenommen - gerade ist eine neue erschienen, auf der sie ausschließlich Arien von Carl Heinrich Graun singt, einem immer noch fast vergessenen Komponisten.

Großer Facettenreichtum

Furios und scheinbar mühelos, in atemberaubendem Tempo, mit energischem Impetus und einer faszinierenden Technik singt Julia Lezhneva all die Arien, die sie dem Archiv entrissen hat. Elf von zwölf Titeln ihres neuen Albums sind Arien des preußischen Hofkapellmeisters Carl Heinrich Graun, die noch nie jemand aufgenommen hat. Und mit dem zwölften Titel, der Arie "Mi Paventi" aus der Oper Britannico, begann Lezhnevas Entdeckungsreise. "Als ich 2011 in Potsdam aufgetreten bin, habe ich eine mir bis dahin unbekannte Arie gesungen, 'Mi Paventi'", erzählt sie. "Ich war so fasziniert von der Schönheit dieser Musik und davon, wie perfekt sie für die Stimme geschrieben ist, dass ich auf die Idee gekommen bin, mehr von Graun zu entdecken."

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Lezhneva recherchierte gemeinsam mit dem Dirigenten Mikhail Antonenko in der Berliner Staatsbibliothek. Die beiden fanden noch eine Reihe vielversprechender Arien unterschiedlichster Charaktere: draufgängerisch oder intim, klagend oder freudig, tragisch oder virtuos. Lezhneva war begeistert von dem Facettenreichtum dieser heute weitgehend vergessenen Musik, von ihrer Natürlichkeit, ihrer Wahrhaftigkeit und ihrer emotionalen Vielfalt.

"Totaler Fan" von Cecilia Bartoli

"Diese Musik ist so magisch, so grandios, dass ich nicht verstehen konnte, dass ich sie bis dahin nicht gekannt hatte", schwärmt Lezhneva. "Früher, als Kind, habe ich vor allem Instrumentalmusik gehört, Bach, Händel. Ich habe schon mit fünf Klavier gespielt, deshalb hat mich vor allem Klaviermusik interessiert. Mit elf habe ich dann das Singen entdeckt, und dieses Album von Cecilia Bartoli - ich bin bis heute ein totaler Fan von ihr, ich habe all ihre Aufnahmen zu Hause. Ich habe damals den ganzen Tag diese Musik gehört und kannte alles auswendig. Ich glaube, dadurch habe ich auch meine Koloraturstimme entwickelt."

Zu Lebzeiten waren die Werke Grauns bei seinem Arbeitgeber, Friedrich dem Großen, und dessen Publikum sehr beliebt. Doch der Musikgeschmack änderte sich, das Publikum wollte Neues hören, und so geriet Grauns Musik in den Schatten prominenter Nachfolger. Allein, um diese Musik wiederzuentdecken, lohnt es sich, dieses neue Album zu hören. Doch Lezhneva und das sensibel bis rasant agierende Ensemble Concerto Köln ziehen zusätzlich unwiderstehlich in den Bann.

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"Carl Heinrich Graun: Opera Arias" von Julia Lezhneva

NDR Kultur -

Auf ihrem neuen Album singt Julia Lezhneva Opernarien von Carl Heinrich Graun. Die Opernsängerin und das Ensemble Concerto Köln ziehen unwiderstehlich in den Bann.

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Carl Heinrich Graun: Opera Arias

Label:
Decca

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue CDs | 24.04.2017 | 15:20 Uhr

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