Stand: 07.01.2016 16:18 Uhr

Janine Jansen spielt Bartòk und Brahms

Bartòk / Brahms
von Janine Jansen
Vorgestellt von Philipp Cavert

Eine der ersten großen Klassik-Veröffentlichungen in diesem Jahr kommt von Janine Jansen. Die Alben der niederländischen Geigerin sind Verkaufsschlager; da ist man gespannt auf den jüngsten Streich.

Eine "kraftvolle Partnerschaft"

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Ausgewogen und ausdrucksstark: So zeigt sich Janine Jansen auf ihrem neuen Album.

Das Cover zeigt das Porträt der attraktiven Musikerin. Doch interessanter ist die Rückseite: Da sind Jansen und der Dirigent Antonio Pappano bei einem spielerischen Kräftemessen zu sehen, beim Armdrücken. "Powerful partnership" steht darüber, und das bezieht sich nicht nur auf die Interpreten, sondern auch auf die beiden Violinkonzerte - scheinbar ganz unterschiedliche Werke. Zugegeben, es ist ungewöhnlich, Brahms mit Bartòks erstem Violinkonzert zu koppeln. Das hat es bisher noch nie gegeben.

So langsam hat Jansen die großen B's alle durch, alliterierend sogar: Beethoven hatte sie etwa mit Britten kombiniert. Schon da war das London Symphony Orchestra mit von der Partie. Diesmal kommt noch die Accademia nazionale di Santa Cecilia dazu, ebenfalls dirigiert von Pappano. "Janine Jansen ist außergewöhnlich begabt", schwärmt der Dirigent. "Bei Brahms fragt man sich ja wirklich, ob es eine Sinfonie oder ein Konzert ist. Das Stück zeigt alles, was man auf der Geige anstellen kann. Brahms hat eine neue Sprache für die Violine verwendet, lyrisch und kraftvoll. Mit Janine fühlt sich das einfach gut und sicher an, das ist etwas Wunderschönes."

Verschiedene Sprachen mit vielen Gemeinsamkeiten

CD-Tipp

Eine begeisternde Brahms-Aufnahme

Der schwedische Klarinettist Martin Fröst hat Kammermusik von Brahms mit namhaften Kollegen, wie der Geigerin Janine Jansen und dem Bratscher Maxim Rsyanow, eingespielt. mehr

Die Violinkonzerte auf dieser Aufnahme bedienen zwar verschiedene musikalische Sprachen. Auffallend sind jedoch die Gemeinsamkeiten zwischen Brahms' einzigem und Bartòks erstem Konzert, das nur zwei Sätze hat. Beide verbindet nicht nur das Ungarische, sondern auch sinfonische Kraft und kammerorchesterartige Intimität.

In beiden Violinkonzerten drängt sich die Solostimme nicht kapriziös in den Vordergrund. Brahms verwendet die Tonart D-Dur: dieselbe, in der Bartók die Anfangsphrase seines Jugendwerks komponiert hat - eine Passage, die seine Angebetete repräsentieren sollte, die Geigerin Steffi Geyer. Unglücklicherweise beruhte Bartóks Liebe zu dieser Frau nicht auf Gegenseitigkeit.

Lebhafte Interpretationen

Der mit Brahms befreundete Geiger und Widmungsträger Joseph Joachim muss besonders große Hände gehabt haben. Das erklärt die vielen, weit gespreizten Griffe, gerade im Eröffnungssatz. "Obwohl ich das Brahms-Konzert schon 20 Jahre spiele, bleibt es eine Herausforderung", gibt Jansen zu. "Ich versuche immer, noch tiefer in die Partitur einzutauchen. Die technische Seite ist ja nur das Eine. Schwieriger ist, diese Spannung zu erwischen, die sich durch das gesamte Stück zieht; zu spüren, wann man die Musik einfach mal laufen lassen kann und wann man wieder Impulse zu setzen hat."

Ausgewogen und ausdrucksstark, aber auch mit viel Spannung und Witz speilt Jansen auf ihrer Baron Deurbroucq Stradivari. Pappano entlockt beiden Orchestern bei aller Wucht einen geradezu singenden Ton. Auch die Aufnahmequalität überzeugt durch luziden Klang, die Dynamik ist präzise eingefangen. Das Ergebnis sind lebhafte Interpretationen zweier Violinkonzerte, die doch mehr gemeinsam haben, als man zunächst vermutet hätte.

Bartòk / Brahms

Genre:
Klassik
Label:
Decca

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue CDs | 11.01.2016 | 06:40 Uhr

Konzerte

mit Video

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