Stand: 18.07.2017 13:54 Uhr

In Leipzig entsteht das Kurt-Masur-Institut

von Claus Fischer

Die Stadt Leipzig ist reich an Musik-Institutionen. Dazu zählen: Gewandhaus, Bacharchiv, Thomanerchor. Bis November soll eine weitere Einrichtung dazukommen: das Internationale Kurt-Masur-Institut, eine Gedenk- und Begegnungsstätte, benannt nach dem Dirigenten und Gewandhauskapellmeister Kurt Masur, der im Dezember 2015 verstorben ist. Am 18. Juli 2017 wäre er 90 Jahre alt geworden.

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Fast 30 Jahre lang prägte Kurt Masur als Gewandhauskapellmeister das Leipziger Musikleben. Er starb am 19. Dezember 2015.

Angesiedelt wird die Einrichtung auf Wunsch seiner Witwe, der Japanerin Tomoko Masur, im Leipziger Mendelssohn-Haus. Ohne das Engagement ihres Mannes würde dieses Haus heute nicht eines der modernsten Musikmuseen der Welt beherbergen.

Zwei Etagen über der ehemaligen Wohnung des Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy befindet sich derzeit eine respektable Baustelle. Hier, wo gerade ein neuer Estrich verlegt wird, entsteht das Herzstück der neuen Einrichtung, erzählt deren Leiterin Anna Barbara Schmidt: eine moderne Mediathek und zwei Räume für Besucher. Ein Raum informiert über Kurt Masur. "Der andere Raum ist für die Begegnung. Dort kann man Dokumente aus seinem Archiv einsehen. Man kann hineinhören, seine Briefe lesen, seine Aufnahmen studieren", sagt Schmidt.

Stardirigent Kurt Masur eröffnet in Peenemünde das Usedomer Musikfestival 2012 © dpa-Bildfunk Fotograf: Stefan Sauer

Dirigent mit humanistischen Idealen

NDR Info - ZeitZeichen -

Am 18. Juli 1927 wird Kurt Masur geboren. 27 Jahre lang leitete er das Leipziger Gewandhausorchester. Im Herbst 1989 beruhigte er die Lage bei den Montagsdemonstrationen.

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Masur hat Institut selbst vorbereitet

Die ersten Vorbereitungen für sein Institut hat Masur noch zu Lebzeiten getroffen, erzählt Schmidt, die selbst mit einbezogen war: "Ich wurde 2011 von Masur angefragt, ob ich nicht in ihrem Privathaus in Leipzig einige Dokumente sortieren, ordnen, systematisieren könnte, damit man eben damit arbeiten kann."

Zum 85. Geburtstag von Kurt Masur im Jahr 2012 konzipierte Schmidt eine Ausstellung zu dessen Leben und Werk. Einige der Exponate werden im neuen Zentrum dauerhaft zu sehen sein. Die Idee, eine solche Einrichtung zu schaffen, entstand bereits wenige Tage nach dem Tod des Dirigenten im Dezember 2015. Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung, der Direktor der Mendelssohn-Stiftung Jürgen Ernst und Tomoko Masur entschieden: "Kurt Masur muß in Leipzig einen Platz haben, wo man seiner Gedenken kann", so Schmidt.

Unter Frieden und Liebe vereint

Seine Witwe Tomoko Masur ergänzt: "Alle Menschen sollen vereint sein unter Frieden und Liebe! " So bringt Tomoko Masur das Credo ihres Mannes auf den Punkt. Zusammen mit Schmidt arbeitet sie derzeit am Ausstellungskonzept. Organisiert wird das Institut in Form einer nicht selbständigen Stiftung. Diese ist wiederum angeschlossen an die von Masur gegründete Internationale Mendelssohn-Stiftung.

"Der Privatnachlass von Kurt Masur ist das Stiftungskapital, was man nun nach und nach natürlich heben muß", sagt Schmidt. Bereits ans Licht gebracht hat man eine wichtige Partitur, aus der Kurt Masur dirigiert hat, erzählt Robert Clemen. Er ist Produzent beim Kinderchor des Mitteldeutschen Rundfunks und engagiert sich mit einigen Mitstreitern für die neue Einrichtung. Vorsichtig schlägt er den deutlichen abgegriffenen Band auf, in den der Dirigent unzählige Eintragungen mit roten und blauem Kugelschreibern gemacht hat: "Das ist von Benjamin Britten, das 'War Requiem'. Mit diesem Werk hat er sich sehr intensiv sein ganzes Berufsleben lang beschäftigt."

Grundstock für die Medienabteilung

Kurt Masurs Dirigierpartitur des War-Requiems von Benjamin Britten soll in Zukunft als Faksimile für die Öffentlichkeit, aber auch für Studenten im Fach Dirigieren zugänglich sein. Sie bildet den Grundstock für die Medienabteilung des Internationalen Kurt-Masur-Instituts, dessen Leitspruch "durch die Kraft der Musik" lauten wird.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassikboulevard | 18.07.2017 | 15:20 Uhr

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