Stand: 03.02.2017 15:48 Uhr

CD der Woche: "Händel" von Sonya Yoncheva

Händel
von Sonya Yoncheva
Vorgestellt von Sabine Lange
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Die bulgarische Sopranistin Sonya Yoncheva empfindet Musik von Monteverdi, Händel oder Rameau als "wunderbare Schule" für den moderneren Belcanto oder Verismo.

Als Sonya Yoncheva als Kind im Kino den berühmten Farinelli die Arie "Lascia ch'io pianga" singen hörte, war sie tief berührt. Und wollte selber solche Musik singen. Inzwischen steht sie längst als Bellinis Norma, Verdis La Traviata oder Puccinis Mimi auf den Bühnen der Welt - doch die Barockmusik fasziniert sie nach wie vor. "Ich singe sie mit meiner Stimme und meiner Persönlichkeit", sagt sie über das neue Album mit Händel-Arien, "und ich weiß, dass das nicht nach der Stilfibel ist." Sprich: Man hört den Puccini in ihrem Händel - und folgt ihr dennoch liebend gern bedingungslos in diesen Sehnsuchtsraum, den sie mit ihrer überirdisch wirkenden Stimme öffnet.

Rückkehr zu den musikalischen Wurzeln

Kleopatra, Alcina, Theodora, Rodelinda, Agrippina - all diese starken Händel-Frauen verkörpert Sonya Yoncheva auf ihrem neuen Album mit sehr viel Feingefühl, mit überraschenden, soghaft wirkenden Nuancierungen in der Stimme, mit verblüffend zartem An- und Abschwellen der Töne. "Manchmal verliebt man sich im Leben in Farben, Gerüche oder Musik und man will sie einfach haben, und das ist mir mit der Musik von Händel passiert. Dieses Album aufzunehmen, das war für mich wie eine Rückkehr zu meinen musikalischen Wurzeln. Ich wollte zu dem zurück, wie ich diese Musik erlebt habe, als ich zum ersten Mal mit ihr in Berührung gekommen bin. Ich mag diese wirklich starken Frauenfiguren bei Händel. Ich wollte sie alle auf ein Album bringen."

Emotionale Abenteuerreisen aus heutiger Perspektive

"Warum sind wir hier? Was ist das für eine Welt? Habe ich eine Verbindung zu Gott? Welche Macht hat er? Warum ist es so dunkel in der Welt, dass ich mich einfach nur verstecken möchte? Theodora hat all diese Fragen. Aber dann ist da auch eine Frau wie Alcina, eine Zauberin, die glaubt, alle beherrschen zu können." Sonya Yoncheva ist es wichtig, die barocken Händelschen Frauen aus heutiger Perspektive zu deuten - aus der Sicht einer modernen Frau mit sehr modernen Konflikten, Problemen, Sichtweisen. Sie steht als Sängerin mitten im Leben, sie glänzte im Rampenlicht der wichtigsten internationalen Opernhäuser - und fühlte sich rasend schnell wieder geerdet, als sie ihrem kleinen Sohn noch die Windeln wechseln musste.

Mit dem Dirigenten Alessandro de Marchi und seinem Ensemble Academia Montis Regalis verbindet Sonya Yoncheva schon eine mehrjährige Zusammenarbeit. Und auch auf diesem Album begleiten die Musiker die Sängerin sehr filigran und einfühlsam auf ihren emotionalen Abenteuerreisen.

Händel

Zusatzinfo:
Sonya Yoncheva und die Accademia Montis Regalis unter der Leitung von Alessandro de Marchi
Label:
Sony Classical
Veröffentlichungsdatum:
3. Februar 2017

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue CDs | 06.02.2017 | 06:40 Uhr

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