Stand: 14.11.2017 18:34 Uhr

CD-Box: Barenboims Solo-Einspielungen

The Solo Recordings on Deutsche Grammophon
von Daniel Barenboim
Vorgestellt von Christoph Vratz

Während Daniel Barenboim in seinen frühen Jahren meist für die EMI (heute Warner) aufgenommen hat, sind viele seiner späteren Einspielungen bei der Deutschen Grammophon erschienen. Dort würdigt man Barenboim nun mit einer 39 CDs umfassenden Jubiläumsausgabe mit seinen Solo-Aufnahmen.

Seine Freude war riesig, als er 2015 endlich seinen neuen Flügel präsentieren konnte, gebaut nach eigenen Klang-Idealen und eine Synthese aus modernem und älterem Klavierbau. "On my new Piano" hieß das Album, mit dem Daniel Barenboim sein neues Instrument zeigte - mit Musik von Scarlatti, Beethoven, Chopin und Liszt. Dieses Album steht ein bisschen exemplarisch für rund die beiden letzten Jahrzehnte des Daniel Barenboim als Pianist. Nicht alles glänzt, aber er kann einfach wunderbar Klavier spielen, sein Anschlag herrlich perlen. Barenboim kann am Klavier singen, und er demonstriert dabei stets eine Souveränität, die verrät, dass er niemandem mehr etwas beweisen muss. So hat er sich auch erst in fortgeschrittenem Alter zu einem Zyklus mit den Sonaten von Franz Schubert entschlossen - und einen lang gehegten Wunsch erfüllt.

Verhuschen statt größter Genauigkeit

Dennoch kommt man nicht umhin festzustellen, dass vor allem die letzten Jahre des Pianisten Barenboim auch im Schatten seiner früheren Zeit stehen, vielleicht, weil ihm bei all seinen Aufgaben nicht mehr so viel Zeit zum Üben bleibt. Seine ersten Aufnahmen mit Zyklen von Beethoven und Mozart etwa leben von größerer Genauigkeit und Präzision. Inzwischen hört man häufiger ein Verhuschen schneller Figuren, klapprige Akkorde oder unorganische Akzente. Kaum vorstellbar, dass einem so akribischen Musiker wie Barenboim das nicht selbst auffällt. Insofern ist es ein klarer Gewinn, dass diese Ausgabe auch einige wenige dieser früheren Aufnahmen enthält, darunter zwei Mal Beethovens "Diabelli"-Variationen von 1981 - und von 1965!

39 CDs umfasst die Jubiläums-Edition, darunter Gesamteinspielungen der "Lieder ohne Worte" von Mendelssohn, eine etwas weichzeichnende Aufnahme der "Nocturnes" von Frédéric Chopin, den ersten Teil der Wanderjahre von Franz Liszt - sowie, als weitester Vorstoß in Richtung Moderne, die Klaviersonate von Alban Berg.

Tiefe klassisch-romantische Verwurzelung

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Mit acht gibt Barenboim sein Debüt auf der Bühne, mit 12 nimmt er erste Einspielungen auf.

Sein Repertoire als Pianist wie als Dirigent zeigt eine tiefe klassisch-romantische Verwurzelung. Diese Edition enthält dementsprechend Barenboims zweite Einspielung aller Beethoven-Sonaten (aus den frühen 80er-Jahren), die allerdings etwas hinter seiner ersten Aufnahme zurückbleibt. Schließlich Werke von Mozart, Schumann, Chopin - und ganz frühe Einspielungen von 1955. Da war Barenboim knapp 13 Jahre alt.

Keine Frage, diese Edition zeigt einen großen Musiker, der in sich ruht und doch ein Rastloser ist. Daniel Barenboim spielt nie für den Effekt und entzieht sich allen Moden (dem Altväterlichen ebenso wie dem Historisierenden), oder, wie er selbst einmal sagte: "Ich fühle mit dem Kopf und denke mit dem Herzen."

Weitere Informationen

Der Musikmagier: Daniel Barenboim

Seine Energie ist beeindruckend, die Vielfalt der Tätigkeiten beachtlich. Daniel Barenboim ist Weltbürger und Pianist, Dirigent und Tangospieler, Vernetzer und Friedensstifter. mehr

The Solo Recordings on Deutsche Grammophon

Zusatzinfo:
Werke von Beethoven, Chopin, Liszt, Mendelssohn, Berg u.a. 39 CDs
Label:
Deutsche Grammophon
Veröffentlichungsdatum:
11.08.2017
Preis:
99,99 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue CDs | 15.11.2017 | 15:40 Uhr

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