Stand: 12.07.2017 07:33 Uhr

Femen-Aktivistinnen stürmen Woody-Allen-Konzert

von Anna Novak

Woody Allen ist nicht nur Regisseur und Schauspieler, sondern auch ein leidenschaftlicher Musiker. Am Abend hat Allen zusammen mit seiner New Orleans Jazzband das erste Mal seit 2011 wieder in Deutschland gespielt. Ein Abend, der in der Elbphilharmonie ganz anders verlief als geplant.

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Zum ersten Mal war Woody Allen Gast in der Elbphilharmonie.

Das Konzert in der Elbphilharmonie läuft noch nicht einmal 20 Minuten, da stürmen zwei Frauen die Bühne: barbusig, der Oberkörper beschrieben, Blumenkränze im Haar - ganz offensichtlich Mitglieder der Frauenrechtsgruppe Femen. Fast zwei Minuten laufen sie schreiend über die Bühne, dann werden sie vom ziemlich überfordert wirkenden Saalpersonal unter heftigem Buhen des Publikums von der Bühne gezerrt. Diese Aktion gilt offensichtlich Woody Allen direkt.

Woody Allen schon öfter mit Pädophilie-Vorwürfen konfrontiert

Nach dem Konzert verteilen die Aktivistinnen draußen einen Handzettel, auf dem es heißt, sie hätten nicht protestiert, "um Ihnen den Abend zu verderben", sondern "um den Opfern von sexueller Gewalt eine Stimme zu verleihen." Gegen Allen wurden in den vergangenen Jahren immer wieder Vorwürfe wegen sexuellen Missbrauchs und Pädophilie laut. Seine Stieftochter hatte den Regisseur 2014 beschuldigt, sie als Kind sexuell missbraucht zu haben - Allen wies die Vorwürfe damals zurück.

Ein Konzert mit quietschen, knattern, glucksen

An diesem Konzertabend nimmt er den Protest stoisch hin. Kaum sind die Frauen aus dem Saal verschwunden, spielt die Combo weiter, als sei nichts gewesen. Da sitzen sie, die sieben alten Herren der New Orleans Jazz Band. Allen in Karohemd und beigefarbener Hose, die Beine übereinandergeschlagen. Die Kollegen in Jackett oder Pullunder. Man kann sie sich gut in ihrem New Yorker Club vorstellen, in dem sie sich jeden Montag zur Jamsession treffen. Sie machen gemütlichen New Orleans Jazz - weder experimentell noch innovativ. Aber darum geht es der Combo auch gar nicht.

Woody Allen bei einem Konzert © dpa - Bildfunk Fotograf: Thomas Borberg/ritzau/AP/dpa

Nackte Brüste beim Konzert von Woody Allen

NDR Kultur -

Woody Allen und seine Jazzband haben seit 2011 wieder in Deutschland gespielt. Beim Konzert in der Elbphilharmonie stürmten allerdings Femen-Aktivistinnen barbusig die Bühne.

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Die Leute sind gekommen, um Woody Allen zu sehen, den echten Woody Allen, fernab der Leinwand, wie der 81-Jährige seine Klarinette quietschen, knattern, glucksen und gackern lässt. Musik auf höchstem Niveau ist das ganz sicher nicht - aber das erwartet hier auch keiner so wirklich. Am allerwenigsten der Oscar-Preisträger selbst: "Wissen Sie, ich bin ein Amateur. Wie ein Wochenend-Tennisspieler. Weil ich Filme mache, tolerieren die Leute auch mein Klarinettenspiel."

Frenetischer Applaus zum Abschluss

Ein netter Jazzabend war es, der in einem verrauchten, engen Jazzkeller mit einem Glas Wein sicher besser funktioniert hätte. Das Publikum in der Elbphilharmonie belohnt Allen und seine Jazzkollegen dennoch mit frenetischem Applaus. 200 Euro haben die Konzertbesucher an diesem Abend für Karten der ersten Sitzplatzkategorie hinblättern müssen. Bekommen haben sie dafür die Elphi, Woody - und eben einen kleinen Skandal.

 

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NDR Elbphilharmonie Orchester

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Das Flaggschiff der NDR Ensembles ist das Residenzorchester der Elbphilharmonie Hamburg. Festivalauftritte und Konzertreisen führen es auf die weiteren großen Bühnen der Welt. mehr

Dieses Thema im Programm:

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