Stand: 14.11.2017 11:41 Uhr

Pianist Tim Scherer dirigiert bei "Jugend Jazzt"

von Felix Tenbaum, Philipp Püschel

Der Hamburger Pianist Tim Scherer hat vergangenes Jahr einen Sonderpreis für seine Kompositionen bei "Jugend Jazzt" bekommen. Mit dem Preisgeld hat er Arrangier-Stunden genommen - und nun dirigiert er auch.

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Spielt Klavier - und dirigiert auch: der 18-jährige Hamburger Pianist Tim Scherer.

Der Wettbewerb "Jugend Jazzt" ist jedes Jahr Motivation für junge Nachwuchsmusiker, Ideen für neue Projekte zu sammeln und umzusetzen, neue Musik zu schreiben und diese dann auf die Bühne zu bringen. Gerade fand in Hamburg der Landeswettbewerb für Bigbands statt. Neben zahlreichen Schulbigbands ging auch eine Band mit dem Namen Ernste Angelegenheit an den Start, die sich extra für diesen Tag gegründet hat.

Tim Scherer erklärt, dass er um einiges gelassener sei als die paar Wochen davor. "Mir ist klar, dass die Stücke von Anfang bis Ende durchgehen und dass alle dabei sind und das ganze Programm Form hat. Damit bin ich schon zufrieden." Der 18-jährige Nachwuchspianist aus Hamburg ist seit Kurzem auch Leiter seiner eigenen Bigband.

Vom musikalischen Chaos zu einer Einheit

Mit 17 Jugendlichen, die genau wie Tim Scherer bis vor Kurzem noch die Schulbank drückten und sich jetzt auf die Aufnahmeprüfung an Musikhochschulen vorbereiten, probt er für den Landeswettbewerb "Jugend Jazzt". Dafür trifft er sich mit seinen Freunden in einem kleinen, engen Probenzimmer in der Hamburger Jugendmusikschule am Mittelweg.

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Saxofonist Martin Löcken spielt in der Bigand "Ernste Angelegenheit" mit.

Der Bandname Ernste Angelegenheit ist Motivation und gleichzeitig Rechtfertigung. Das Wettbewerbsprogramm: Eigenkompositionen. Neben der Vorbereitung auf das Musikstudium ist es ein ambitioniertes Projekt, ohne Frage, fand auch Saxofonist Martin Löcken: "Ich hab ihm von Anfang an gesagt, dass er sich das zu leicht vorstellt, weil das wirklich sehr aufwendig ist, nicht nur, für Bigband zu schreiben, sondern auch Proben zu organisieren." Denn die Bandmitglieder machten alle auch noch genug anderes. Letztendlich sei es dann auch manchmal etwas chaotisch gewesen.

Eine Idee steht schon lange im Raum

Die Idee, eine Bigband zu gründen, stand schon lange im Raum. Spätestens seit Scherer im vergangenen Jahr für seine eigenen Stücke einen Sonderpreis beim Wettbewerb gewonnen hat. Es sei ja schon klar gewesen, dass dann der Wettbewerb für größere Ensembles, also Bigbands, stattfinden wird. Dabei sei dann der Plan aufgekommen, sich ins Arrangieren für größere Besetzungen reinzufinden.

Von dem Preisgeld nahm der 18‐Jährige Arrangierunterricht beim Hamburger Komponisten und Pianisten Mischa Schumann.

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"Arrangieren für Bigband ist auch einfach Learning by doing", meint der. "Das heißt, man muss auch in die Situation kommen, man kann nicht alles von der ersten Sekunde an, auch mit theoretischem Wissen, perfekt machen." Man müsse dann auch vor die Band, um sich anzuhören, wie das Ganze tatsächlich klinge. Das habe er versucht, seinem Schüler zu vermitteln. Der sei ja auch ein sehr wissbegieriger und neugieriger Mensch und lerne schnell."

Dann kam eins zum anderen

Aber nicht nur Tim Scherer wagt erste Versuche, eigene Musik für so ein großes Ensemble zu schreiben. Eins der drei Wettbewerbsstücke hat der Percussionist Josse Schubert komponiert. "Man hat ja vorher die Idee im Kopf und stellt sich vor, wie das klingen soll. Ich muss gestehen, am Anfang liefen die Proben nicht so optimal. Da dachte ich schon: Oh Mann, da habe ich wohl nur Grütze geschrieben! Aber inzwischen ist es echt gut. Es läuft gut, macht Spaß und ist ein tolles Gefühl!", freut sich der Musiker.

Kennengelernt haben sich die Nachwuchsmusiker in den Studienvorbereitungskursen der Jugendmusikschule. Josse erinnert sich: "Die Idee hatte unser Schlagzeuger Tobi. Der meinte: Hey! Lass mal eine Bigband machen! Das war eigentlich nur eine witzige Idee, aber jetzt machen wir das wirklich!" Tim habe gesagt: "Wir schreiben Stücke" und dann habe er alle möglichen Leute gefragt, die in Bigbands spielen. Weil Josse Schubert gleich in mehreren Bigbands spielt, wurde er auch gefragt: "Josse, kannst Du nicht auch ein paar Leute ranholen?" So nach und nach seien sie dann zusammengekommen.

Struktur in eine große Einheit bringen

Als Bandleader kam von Anfang an nur Tim Scherer in Frage - der wisse in den Proben genau, was er vorhabe, was er wolle und er gebe klare Einsätze. Es sei "echt gut mit ihm zu arbeiten", findet Josse Schubert.

"Das sei eines seiner große Herausforderung gewesen, sagt Tim Scherer: bei der Bigband und bei den Arrangements, "dass ich zum ersten Mal gezwungen war, Strukturen einzuhalten und größere Formen festzulegen." Wochenlange intensive Vorbereitungen zahlen sich dann beim Wettbewerb aus: Ernste Angelegenheit gewinnt als Sonderpreis einen Bigband-Workshop mit anschließendem Konzert im Hamburger Stage Club.

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NDR Info | Kultur | 14.11.2017 | 15:55 Uhr

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