Stand: 30.05.2015 23:47 Uhr

Gelungener Mix beim Elbjazz-Festival 2015

Bild vergrößern
Beeindruckende Kulisse: Die NDR Bigband ist zusammen mit Django Deluxe in der Alten Maschinenbauhalle von Blohm + Voss aufgetreten.

Die Besucher des sechsten Elbjazz-Festivals im Hamburger Hafen konnten an diesem Wochenende viele große Momente erleben. Während am Freitagabend US-Sängerin Dee Dee Bridgewater dem Publikum Jazz-Kost vom Feinsten bot, trumpfte am Sonnabend die NDR Bigband mit Django Deluxe auf. 1.100 Besucher verfolgten das Bigband-Konzert in der Alten Maschinenbauhalle auf dem Werftgelände von Blohm + Voss. Viele weitere Jazz-Freunde mussten draußen ausharren - die Veranstalter ließen aus Sicherheitsgründen nicht mehr Besucher ein. Und so stahl der Auftritt der Lokalmatadoren sogar dem Jazz-Meister Monty Alexander aus Jamaica die Show, der zeitgleich auf der Hauptbühne ein paar Hundert Meter weiter spielte.

Auch "ganz normale Bands" dabei

Dass die NDR Bigband auch Swing kann, zeigte sie in eindrucksvoller Manier zusammen mit den ECHO-Jazz-Preisträgern von Django Deluxe aus Hamburg-Wilhelmsburg. Beim Publikum kam die Musik - wie schon bei den Hamburg Sounds im Frühjahr - gut an. An beiden Festivaltagen stand neben klassischem Jazz viel Überraschendes im Programm - mitunter ging es auf den Bühnen wild und schräg zu. Und neben traditionellen Jazz-Formationen waren "ganz normale Bands" wie Labrassbanda zu sehen.

"Die Künstler haben Lust auf das Festival"

Wie im Vorjahr kamen - nach einer vorläufigen Bilanz- insgesamt 15.000 Besucher. Elbjazz-Erfinderin Tina Heine zeigte sich am späten Samstagabend erleichtert, dass das diesjährige Festival trotz der schlechten Wetter-Vorhersagen ohne Unwetter auskam - anders als 2014. "Es war lange Zeit eine Zitterpartie, ob das Wetter hält", sagte Heine im Gespräch mit NDR.de. "Aber nun bin ich sehr zufrieden, zumal die Rückmeldung der Künstler sehr gut ist. Man merkt, dass sie Lust auf das Festival haben und nach ihren Auftritten nicht gleich ins Hotel fahren, sondern noch die Festival-Atmosphäre genießen und sich andere Konzerte anschauen."

Heiratsantrag für Dee Dee Bridgewater

Bild vergrößern
US-Sängerin Dee Dee Bridgewater hat bei ihrem Elbjazz-Auftritt viele neue Fans gewonnen.

Viele diesjährigen Elbjazz-Besucher werden sich sicher lange an den Auftritt von Dee Dee Bridgewater erinnern. Die Jazz-Legende hatte gleich als eine der ersten ihren Auftritt. Auf der Hauptbühne bei Blohm + Voss zog die inoffizielle Botschafterin des New Orleans Jazz ihre Fans schnell in den Bann. Dabei war das Konzert ein gewisses Wagnis. Denn zum ersten Mal trat die US-Sängerin gemeinsam mit der finnischen National-Bigband UMO Jazz Orchestra auf. Am Vortag hatten sie lediglich drei Stunden für eine Probe. Die Frage, die sich die Veranstalter stellten: Können finnische Musiker überhaupt bei den New-Orleans-Rhythmen mithalten? Die Erkenntnis des Abends: Ja, sie können sehr wohl. Aber Dee Dee Bridgewater machte es ihnen mit ihrer mitreißenden Art auch leicht.

Ihr zur Seite stand Trompeter Irvin Mayfield, der ihr mitten im Konzert einen Heiratsantrag machte. Sie sei die schönste und wundervollste Frau der Welt. "Meinst du das ernst?", fragte Dee Dee Bridgewater - und antwortete nach kurzer Bedenkzeit. "Ja, ich möchte dich heiraten, aber nur auf musikalische Art. Das kommt uns günstiger."

Liebeserklärung an die Queen des Jazz

Bild vergrößern
Ein großer Pluspunkt des Elbjazz-Festivals ist die einmalige Atmosphäre auf dem Werftgelände von Blohm + Voss.

Der zweite herausragende Act des ersten Abends war Ed Motta aus Rio de Janeiro. Er begeisterte ebenfalls die Festival-Besucher auf dem Gelände der Traditionswerft Blohm + Voss, das normalerweise nicht für Außenstehende zugänglich ist. Auch er outete sich als glühender Verehrer von Dee Dee Bridgewater. Hinter der Bühne bekniete er die First Lady des Jazzgesangs, mit ihm aufzutreten. Sie sagte zunächst auch zu, aber aus der gemeinsamen Nummer wurde dann wegen vieler Interview-Anfragen doch nichts. Ed Motta schickte ihr von der Bühne noch eine Liebeserklärung. Sie sei eine Königin für ihn, und es sei eine große Ehre für ihn auf derselben Bühne zu stehen, auf der sie kurz zuvor gesungen hat.

Norwegischer Stimmungsmacher

Ein Volltreffer war am Freitag auch der Auftritt von Jazz-Quereinsteiger Erlend Øye. Der Norweger dürfte vielen im Publikum als Gründer der Band Kings of Convenience und Kopf von The Whitest Boy Alive kennen. Beides sind eher Pop-Projekte. Aber auch auf der Jazz-Bühne fühlt er sich sichtlich wohl. In Hamburg sang er auf Englisch und Italienisch. Zudem zeigte er unerwartetes Talent als Hampelmann - und riss mit seiner schwungvollen Art die Besucher mit, die ihn erst nach einer Zugabe gehen ließ. Ein weiterer Höhepunkt im Programm von Tag eins war das Mitternachtskonzert in der St. Katharinen-Kirche des gefeierten Pianisten Michael Wollny, der am Vorabend bei der ECHO-Jazz-Verleihung gleich zwei Auszeichnungen erhalten hatte.

Die nächste Auflage des Elbjazz-Festivals steigt dann im kommenden Jahr, erneut am letzten Mai-Wochenende.